«Macht hoch die Tür, die Tor macht weit»

Ob wir wollen oder nicht – die Terroranschläge von Paris lassen uns nicht los. Und die Flüchtlingsströme aus afrikanischen und arabischen Ländern überspülen Europa ohne uns zu fragen. Da wirkt das Adventslied herausfordernd: «Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit!»

Philipp Hautle Rebstein
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Ob wir wollen oder nicht – die Terroranschläge von Paris lassen uns nicht los. Und die Flüchtlingsströme aus afrikanischen und arabischen Ländern überspülen Europa ohne uns zu fragen. Da wirkt das Adventslied herausfordernd: «Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit!»

Wir wollen eher Türen verriegeln, Grenzzäune errichten, nicht abreissen. Und einen «Herrn der Herrlichkeit» – den erwarten wir schon gar nicht. Zu viele selbstherrliche Herren zerstören ihr Land, das sie sich unter die Nägel gerissen haben. Und es ist ihnen Wurscht, was mit ihrem Volk passiert …

Mitten in dieser verrückten Welt feiern die Kirchen wie jedes Jahr Advent und Weihnachten. Und unabhängig von der dramatischen Weltlage läuft das Weihnachtsgeschäft. Übervolle Regale von Weihnachtsgeschenken. «Süsser die Glocken nie klingen als zu der Weihnachtszeit», heisst ein anderes Lied.

Als Christ frage ich mich: Was erwarte ich von diesem Jesus von Nazareth? Was bedeuten mir seine Ehrentitel «Christus, Heiland und Erlöser»? Damit solche Wörter nicht zu Leerformeln werden, halte ich mich zurück mit jahrtausendalten Lehrformeln. Ich taste mich lieber vorsichtig biblisch heran an das Geheimnis dieses Jesus von Nazareth.

Und lese da, Jesus sei mitten unter der Schreckensherrschaft des Königs Herodes geboren worden. Ob in einem Stall oder sonst wo, spielt da keine Rolle. Jesus habe das Joch der römischen Besatzung am eigenen Leib erfahren. Jesus habe – nicht unähnlich von heute – Terror und Gewalt, Menschenverachtung und Hass, Neid und Habgier in seinem Umfeld erfahren. Er sei schliesslich als Verbrecher am Kreuz aufgehängt worden.

Warum also diesen Jesus von Nazareth feiern? Gar auf seine Wiederkunft hoffen? Hat er doch damals Gewalt und Terror, Bosheit und Leiden nicht zum Verschwinden gebracht.

Aber – so berichten einhellig die Evangelisten – Jesus habe seinen Mitmenschen Respekt und Achtung entgegengebracht. Er habe trotz aller Widerwärtigkeiten und Bosheiten auf den geheimnisvollen, lebendigen Gott und Vater vertraut. Er habe auf ihn gehofft bis zum letzten Atemzug am Kreuz. Daran will ich – wie Jesus – festhalten. Sein Fest halten. Advent und Weihnachten. Und hoffe dabei, seine Kraft und Nähe ein wenig zu erahnen.