«Macht euch schön zur Hochzeit»

Aus christlicher Sicht

Ingrid Grave
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Es gilt als selbstverständlich, sich als Hochzeitsgast hübsch zu machen. (Bild: depositphotos/AllaSerebrina)

Es gilt als selbstverständlich, sich als Hochzeitsgast hübsch zu machen. (Bild: depositphotos/AllaSerebrina)

Das sollte ja wohl selbstverständlich sein: Sich schön machen für eine Hochzeit.

Trotzdem gibt es eine Geschichte, die uns sagt, dass ein Hochzeitsgast sich nicht die geringste Mühe gemacht hatte, wirklich hochzeitlich gekleidet den Festsaal zu betreten.

Es ging hier nicht um den modischen Geschmack des Brautpaars, dem der Gast in seinem Outfit nicht entsprochen hätte, sondern er hatte sich keine Mühe gegeben. Das wurde als Affront gegen das Brautpaar und speziell gegen den Vater des Bräutigams empfunden. Denn dieser war es gewesen, der die Gästeliste für seinen Sohn zusammengestellt hatte.

Die Geschichte liest sich wie ein Märchen und hat starken Symbolcharakter. Die Hauptfigur ist sogar – wie in vielen Märchen – ein König. Dieser lässt die ausersehenen Gäste durch seine Diener persönlich zur Hochzeit bitten. Doch viele sagen ab. Es erfolgt eine zweite Einladung mit dem Hinweis, die letzten Vorbereitungen seien getroffen. Auch das fruchtet nichts. Jeder hat irgendeine, meist fadenscheinige Entschuldigung. Der König verliert die Geduld, gerät sogar in Zorn. Und am Ende kommt er auf die Idee, einfach alle einzuladen, die irgendwo an Zäunen und Ecken herumstehen, egal ob sie ehrenwert sind oder etwas auf dem Kerbholz haben, der König will, dass sich der Festsaal füllt. So lässt er wiederum seine Diener ausschweifen, und dieses Mal kommen sie, die Leute. Aber wie sehen die denn aus, wenn sie direkt von der Strasse hereingebeten werden?

Doch dafür war vorgesorgt. Zur Zeit der Entstehung dieser Geschichte gab es so etwas wie eine königliche Kleiderkammer, in der man sich gemäss königlicher Gepflogenheiten herrichtete, wenn man zu Hof geladen war. Das muss für viele Geladene eine einmalige Gelegenheit gewesen sein, sich richtig festlich herauszuputzen. Offenbar haben das alle genutzt. Bis auf einen! Das empörte den König so sehr, dass er den schlecht Gekleideten hinauswerfen liess. In die Finsternis.

Wo ist nun die Symbolik, die Deutung dieses Märchens, das keines ist? Was ist es denn? Es ist eine biblische Parabel zum Himmelreich, von Jesus selbst erzählt (Mt 22, 1 – 14).

Himmelreich, das ist ein Fest der Liebe, das schon hier beginnt. Dafür haben wir unser Herz herzurichten, schön zu machen. Wer es unterlässt, katapultiert sich letztlich selbst in die Finsternis. Hoch-Zeit, Hohe Zeit der Liebe! Geladen sind alle!

Ingrid Grave

Dominikanerin in Zürich