LUSTENAU: Über Ernstfall am Rhein informiert

Tausende strömten zum Hochwassertag aufs Gelände der Rheinbauleitung, wo sie über die Gefahren des Flusses und das vorbereitete Notfallszenario informiert wurden.

Gernot Grabher
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Die Rettungsorganisationen zeigten die Gerätschaften, mit denen Menschen in Sicherheit gebracht werden können. (Bild: Gernot Grabher)

Die Rettungsorganisationen zeigten die Gerätschaften, mit denen Menschen in Sicherheit gebracht werden können. (Bild: Gernot Grabher)

LUSTENAU. Die Sprecher bei der Grossveranstaltung, Bürgermeister Kurt Fischer, Rheinbauleiter Mathias Speckle und Markus Mähr, Leiter von Rhesi, liessen durchblicken, dass es sich keineswegs um Angstmacherei handle, man wolle vielmehr auf die Gefahren eines extremen Hochwassers, die Folgen von Dammbrüchen und die Notfallpläne zur Evakuierung der Bevölkerung und die Vorbereitungen zur Verhinderung von noch grösseren Schäden informieren.

Weiter ein kaum berechenbarer Wildbach

Aufmerksame Zuhörer fand der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer, der über das Projekt «Katastrophenbekämpfung Rheinhochwasser» berichtete, zu dem sich Land Vorarlberg, der Kanton St. Gallen, die Rheingemeinden und Behörden zusammenfanden. Es wurden Konzepte des Katastrophenschutzes und Kommunikationsstrategien erarbeitet. Fehler wie beim Dammbruch in Fussach 1987, als die Informationen über höchst bedrohliche Wasserstände in Chur in den Mündungsgemeinden erst verspätet eintrafen, sollen der Vergangenheit angehören. Wie Fischer erläuterte, sei der Alpenrhein weiter ein kaum berechenbarer Wildbach. Zwar habe die internationale Rheinregulierung grössere Katastrophen seit über 100 Jahren verhindert, für die Zukunft könne aber nicht vorausgesagt werden, welche Wassermassen im Zuge der Klimaverschiebung dem 6120 km² grossen Einzugsgebiet des Rheins drohen könnten, führte Rheinbauleiter Speckle aus. Der Leiter des Projektes «Rhein, Erholung und Sicherheit» (Rhesi), Markus Mähr, trug über die Notwendigkeit der Pläne zur Umgestaltung des Rheinbettes vor, das die Siedlungsgebiete links und rechts des Flusses bis zu einer Duchflussmenge von 4300 Kubikmetern pro Sekunde – ein 300-jähriges Hochwasser – schützen soll.

Kaum zu denken wagen aber Flussbautechniker an ein Extremereignis. Sie haben berechnet, dass im schlimmsten Fall der Rhein bis zu 7000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde führen würde. Ein solches Ereignis ginge im Rheintal nicht ohne Todesopfer und Milliardenschäden ab.

Kaum ein Besucher liess bei der Veranstaltung den «Überflutungschecker» aus. Dort konnte die Adresse des eigenen Hauses eingegeben werden. Dann erschien der Pegelstand, mit dem das Heim bei verschiedenen Hochwassern infolge Dammbruchs zu rechnen hätte.

Im Rheinvorland demonstrierten Rettungsorganisationen die Gerätschaften, die im Ernstfall eingesetzt werden könnten.