LUSTENAU: Lauter Rock, dreckige Schuhe

Das Szene-Open-Air am Alten Rhein zwischen Schmitter-Zoll und «Krummboali» ist das grosse Festival der Rheintaler. Diese lassen sich auch von einem heftigen Wolkenbruch die Partylaune nicht verderben.

Remo Zollinger
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Hände hoch, wem der Regen nichts ausmacht: Das Konzert von Billy Talent war trotz Wolkenbruchs der grosse Höhepunkt des 28. Szene-Open-Airs. (Bilder: Remo Zollinger)

Hände hoch, wem der Regen nichts ausmacht: Das Konzert von Billy Talent war trotz Wolkenbruchs der grosse Höhepunkt des 28. Szene-Open-Airs. (Bilder: Remo Zollinger)

Remo Zollinger

Was hatten sich die Rheintaler in den letzten Tagen drückender Hitze nach einem kleinen bisschen Abkühlung gesehnt! Am Samstagabend bricht sie – endlich – über das Tal herein: Kurz nach dem Konzert der deutschen Band Jennifer Rostock beginnt es auf dem Festivalgelände zu tröpfeln, als wenig später der Hauptact Billy Talent die Bühne betritt, ist der Wolkenbruch perfekt und es giesst wie aus Kübeln.

Benjamin Kowalewicz, dem Leadsänger der kanadischen Rock-Band, gefällt dies erst gar nicht. Er beschimpft den Regen mit nicht jugendfreien Worten, ganz wie es sich für einen Rockstar gehört.

Die Menge jubelt dem charismatischen Kowalewicz zu. Dann schmettert er eine Punkrock-Hymne um die nächste ins Publikum, wo sich fünftausend als Sängerinnen und Sänger versuchen und enthusiastisch mitgrölen. Für das Publikum gibt es beim ausverkauften Szene-Open-Air gar keine andere Wahl, als trotzdem mitzugehen. Bei manch einem hat der Regen nach den schwülen letzten Tagen ohnehin eine erlösende Wirkung. Der Stimmung tut das Nass auf jeden Fall gar keinen Abbruch. Wohl sogar im Gegenteil.

Flucht in die Zelte freut die unbekannteren Musiker

Viel Freude bereitet der Regen den weniger bekannten Bands, die auf den kleineren Bühnen auftreten. Sie haben, weil viele in die Zelte flüchten, plötzlich viel mehr Publikum als erwartet und kosten die Zeit zwischen den grossen Konzerten aus.

Die Besucher geniessen die Musik, verpflegen sich an der Bar oder lassen einfach die frische Luft ein wenig wirken. Viele waren über die Grenze gekommen – ein Indiz dafür ist die Taxischlange, die sich am Schmitter-Zoll nach Mitternacht bildet und auf Kunden wartet. Die Taxifahrer dürften wegen der dreckigen Schuhe der Festbesucher am Sonntag zwar das Auto gründlich putzen müssen, ein schöner Umsatz ist ihnen aber sicher.

Mit sauberen Schuhen geht bei diesem Schlamm nämlich niemand nach Hause. Wer in Lustenau seine neuesten Sneakers präsentieren wollte, dürfte dies bereuen – gut bedient ist, wer auf Springer- und Militärstiefel setzt. Diese bewähren sich spätestens, als der Boden nach Billy Talent komplett aufgeweicht, der Abend aber noch lange nicht zu Ende ist.

Als nächstes ist die Hamburger Gruppe Meute dran. Sie bietet eine Mischung aus Techno und Guggenmusik, interpretiert elektronische Tanzmusik ausschliesslich instrumental – und verursacht mit diesem ungewöhnlichen Musikstil beim Publikum jede Menge Heiterkeit. Zum Abschluss geht’s dann noch wirklich in die Elektronik: Der Berliner House-DJ Alle Farben rundet den Abend mit seiner schnellen Tanzmusik gekonnt ab. Die Schuhe werden bei niemandem sauberer.

Mehr Bilder unter rheintaler.ch/bilderstrecken.