Lüchingen
Mit Schwung fährt das Bobteam mit Marco Tanner aus Lüchingen in die Olympia-Saison

Das Bobteam Kuonen mit Anschieber Marco Tanner aus Lüchingen überzeugte an den Schweizer Meisterschaften.


Yves Solenthaler, St.Moritz
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Nur vom Juniorenweltmeister besiegt: Das Viererbob-Team mit (von links) Pilot Michael Kuonen sowie den Anschiebern Marco Tanner, Sandro Ferrari und Marco Dörig.

Nur vom Juniorenweltmeister besiegt: Das Viererbob-Team mit (von links) Pilot Michael Kuonen sowie den Anschiebern Marco Tanner, Sandro Ferrari und Marco Dörig.

Bild: Yves Solenthaler

Michael Vogt war an den Schweizer Meisterschaften im Viererbob eine Klasse für sich. Auf dem Olympia Bob Run im Oberengadin, wo der 24-jährige Schwyzer Juniorenweltmeister wurde, liess er mit den Anschiebern Cyrill Bieri, Alain Knuser und Oliver Gyger die Konkurrenz schon im ersten Lauf um 33 und mehr Hundertstelsekunden hinter sich.

Schliesslich setzte sich Vogt mit einem Vorsprung von 0,46 Sekunden auf Michael Kuonen durch. Der 29-jährige Walliser sowie seine Anschieber Marco Dörig, Sandro Ferrari und Marco Tanner behielten im Kampf um Silber gegen die Teams von Simon Friedli (0,04 s zurück) und Timo Rohner (0,08 dahinter) knapp die Oberhand. Nach dem ersten Lauf waren Kuonen & Co. noch hinter Rohner auf dem dritten Rang klassiert.

Schweizer Meistertitel und Europacup-Gesamtsieg

Im Zweierbob am Mittwoch hatten Kuonen/Tanner sogar die Goldmedaille gewonnen. Das war eine Ansage im Hinblick auf die kommende Olympia-Saison. Denn die Schweiz hat in Peking 2022 zwei Startplätze. Vogt und Friedli, die im Weltcup und auch an der WM in Altenberg überzeugten, hatten die Pole-Position inne. Kuonen und Tanner hatten derweil im Europacup ihre Stärke gezeigt: Sie gewannen erstmals ein Rennen und auch die Gesamtwertung. Im einzigen Weltcupeinsatz in Königssee liessen Kuonen und Tanner mit dem achten Rang aufhorchen.

Im Viererbob hatten Kuonen und seine Männer während der ganzen Saison mehr Mühe. Deshalb ist die Silbermedaille an den Schweizer Meisterschaften als Erfolg zu werten. «Vogt ist mit dem grossen Schlitten eindeutig stärker, gerade auf dieser Bahn», anerkennt Marco Tanner, «erfreulich ist, dass wir hinter dem klaren Sieger – wenn auch knapp – die Besten waren.» Der zweite Lauf an den Schweizer Meisterschaften im Viererbob sei der beste dieser Saison gewesen, bestätigt Pilot Kuonen. Allerdings ist ihm nicht entgangen, dass Friedli im unteren Teil der Strecke aufgeholt hat. «Das liegt auch am Material», sagt Kuonen.

Mit einem Topspeed von 143,9 km/h lag er auf der gestern sehr schnellen Bahn 0,6 km/h hinter Friedli. «Besseres Material wäre aber sehr teuer», sagt der Walliser. Aktuell zu teuer, deshalb hofft Kuonen, dass er dank Sponsorenunterstützung für kommende Saison einen neuen Schlitten kaufen kann.

Die nächste Saison ist die wichtigste – das gilt erst recht in einem olympischen Winter. Die Olympia-Qualifikation läuft über den Weltcup, wo die Schweiz auch nur zwei Startplätze zur Verfügung hat. Die Rechnung ist einfach: Wer im Weltcup antritt, hat den Startplatz an den Olympischen Spielen nahezu sicher – wer nicht, muss in einem Jahr auf die Reise nach China verzichten. Allerdings haben die Schweizer Meisterschaften gezeigt, dass im Zweierbob drei Teams auf ähnlichem Niveau fahren. «Es war wichtig, dass wir Druck machten auf die Weltcup-Teams», sagt der 26-jährige Marco Tanner, «so kann der Verband nicht einfach so die bisherigen Teams im Weltcup aufstellen.» Wie das Qualifikationsprozedere für Weltcup und Olympia aussieht, ist allerdings noch nicht bekannt.

Im Zweierbob sind drei Teams ähnlich stark

Gibt es wie vor einem Jahr Ausscheidungsrennen im Herbst oder teilen sich die drei Teams die Weltcup-Startplätze vor Olympia? Jedenfalls ist das Team Kuonen nach dieser Saison bestimmt nicht chancenlos, und so sagt Marco Tanner: «Der nächste Sommer wird der Wichtigste meiner Karriere.» Denn in der Vorbereitung müssen er und seine Kollegen die Basis schaffen, um sich für einen olympischen Start zu empfehlen.

Wegen Corona kam die Saison 2020/21 nur langsam in Schwung, «aber am Schluss hatten wir doch viele Auftritte», sagt Kuonen. So spürt auch Marco Tanner die Müdigkeit einer langen Saison: «Jetzt mache ich ein paar Wochen Pause. Dann geht’s mit Vollgas und dem Schwung der erfolgreichen Schweizer Meisterschaft in die Sommervorbereitung.»