LÜCHINGEN: Aufbruch in guter Erinnerung

Roman Langenegger ist der älteste noch lebende alt Präsident von Katholisch Lüchingen. Als vor fünfzig Jahren die Kirche geweiht wurde, war er Teenager. Ein Gespräch über das erwachende Pfarreileben.

Monika von der Linden
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Roman Langenegger war mit Ferdinand Gehr befreundet. Dieser gab der Kirchgemeinde Lüchingen die Druckrechte für eines seiner Blumenbilder (rechts im Bild). Mit dem Verkaufserlös liess sich ein Grossteil der Erweiterung des Pfarreiheims bezahlen. (Bild: Monika von der Linden)

Roman Langenegger war mit Ferdinand Gehr befreundet. Dieser gab der Kirchgemeinde Lüchingen die Druckrechte für eines seiner Blumenbilder (rechts im Bild). Mit dem Verkaufserlös liess sich ein Grossteil der Erweiterung des Pfarreiheims bezahlen. (Bild: Monika von der Linden)

LÜCHINGEN. Der 11. September 1966 war ein besonderer Tag im Dorf. Endlich weihte die junge Pfarrei «Maria, Königin des Friedens» ihre eigene Kirche ein. Roman Langenegger war damals fünfzehn Jahre alt.

«Bereits einige Jahre zuvor drehte sich im Dorf alles um die Kirche», sagt er. Es musste Geld gesammelt werden. Auch Roman Langenegger leistete einen Beitrag. Als Zehnjähriger zog er mit den älteren Brüdern jeweils am Neujahrstag durchs Dorf. «Wir läuteten an jeder Tür, gratulierten zum neuen Jahr und zogen zwei, drei oder fünf Franken für die Kirche ein.» Alle Zahlenden wurden jeweils an Silvester in der «Rheintalischen Volkszeitung» unter «Neujahrsgratulation Lüchingen» aufgeführt. Auch verkauften die Buben selbst gemachte Adventsgestecke. Die Einnahmen lieferten sie stolz bei Lehrer Stolz ab. Er war der Initiant des Kirchenbaus.

Erste und einzige Kilbi

Nach dem Kirchenbau erwachte das Pfarreileben. Die Katholiken von Lüchingen waren froh um ihre neue Eigenständigkeit. «Meine Brüder waren zur Jungwacht noch nach Marbach gefahren. Ich trat in den neu gegründeten Jugendkreis ein», sagt Roman Langenegger. Junge Erwachsene hatten hier Gelegenheit, etwas anzureissen und auszuprobieren. Sie trafen sich bei Pfarrer Zeno Helfenberger im Pfarrhaus, der sie mit Rat und Tat unterstützte.

Einmal organisierten die etwa zwanzig jungen Männer und Frauen zum Kirchweihfest eine Kilbi, mit Karussell und Marktständen. Es blieb aber bei der einen Ausgabe. Es folgten zwei Auflagen des Maskenballs, dem Vorläufer desjenigen, den die Frauenriege seit vierzig Jahren populär hält.

Die Jugendkreisler spielten auch Theater und organisierten in der Turnhalle Roosen eine der ersten Discos im Rheintal. «Mit Kuno Bont absolvierte ich damals die KV-Lehre. Er legte für uns die Platten auf.»

Rückkehrer wird Präsident

Nach seiner Jugendzeit verbrachte Roman Langenegger einige Jahre in der Innerschweiz und im Ausland. 1983 kehrte er ins Dorf seiner Kindheit zurück. An die früheren Kontakte zu den Kollegen bei den Tambouren und der Lavaria knüpfte er wieder an. Nachdem er ein grosses Tambourenfest mitorganisiert hatte, sprach ihn der damalige Kirchenpräsident Paul Thür als möglichen Nachfolger an. Roman Langenegger wurde gewählt und war von 1988 bis 1995 Präsident.

«Inzwischen war in der Kirchgemeinde der Alltag eingekehrt, wie in jeder anderen auch», sagt er. Die ersten Renovationen des Kircheninnern, des Turms und des Pfarrhauses standen an. Im 1971 eröffneten Pfarreiheim gab es keinen separaten Raum für Jugendliche. Als im Verwaltungsrat der Vorschlag für einen Erweiterungsbau eingebracht wurde, erinnerte sich Roman Langenegger gerne an den Jugendkreis: «Wir durften damals etwas Neues machen. Deshalb habe ich die Idee gerne unterstützt.»

Ausbau ohne Steuererhöhung

Auch hier sammelten Roman Langenegger und die Kirchenverwaltung mit mehreren Aktionen Geld. Etwa 300 000 Franken sollte die Aufstockung kosten. Der Kirchenpräsident war mit dem Altstätter Künstler Ferdinand Gehr gut bekannt. Gerne erteilte dieser die Druckrechte für eines seiner Blumenbilder. Alle 300 Exemplare verkauften sich rasant – rund ein Drittel der Kosten war gedeckt.

Langenegger sammelte persönlich bei wohlhabenden Altstättern und Lüchingern. Walter Schriber, ein ehemaliger Lüchinger, fertigte eine Bleistiftzeichnung an, die ebenfalls als Druck verkauft wurde. Schliesslich stellte das Dorf einen Basar auf die Beine, an dem selbst gemachte Waren verkauft wurden.

Der Erlös des zweitägigen Dorffestes war natürlich auch für das Lüchinger Pfarreiheim bestimmt. «Wir brachten den gesamten Betrag auf, ohne die Steuern erhöhen zu müssen.»

«Der Ausbau war eine gute Entscheidung für die Jugend und den Zusammenhalt im Dorf.» Bis heute nutzen viele Vereine die Räume.

In der Kirche fühlt sich Roman Langenegger wohl. «Sie ist heimelig wie ein Zelt und festlich. 1978 haben wir dort geheiratet.» Ihm gefalle, dass zwei grosse Fenster im Chor den Blick auf die Berge freigeben.

Auf das Fest zum 50-Jahr-Jubiläum (siehe Kasten) freut er sich sehr. «Die Pfarrei hat es verdient, zu feiern, was sie selbst verwirklicht hat.»

Das Wahrzeichen Lüchingens bleibt aber die Burg Neu Altstätten. Sein Enkel sagte einst, sie sei Grosspapis Lieblingsburg.

«Die Kirche gehört genauso zu Lüchingen.»