«Lippenstifte sind kein Thema mehr»

Drei Jahre nach der Krönung zur Miss Ostschweiz wurde die 22-jährige Corinne Schädler zur neuen Miss Earth Schweiz gekürt. Von Schönheitswettbewerben hat die Berneckerin vorerst genug – modeln will sie nur noch für den guten Zweck. Und vielleicht für die Heimat.

Seraina Hess
Drucken
Teilen
Die «Habsburg» in Widnau gehört zu Corinne Schädlers Lieblingsplätzen im Rheintal. (Bild: Seraina Hess)

Die «Habsburg» in Widnau gehört zu Corinne Schädlers Lieblingsplätzen im Rheintal. (Bild: Seraina Hess)

Frau Schädler, vor drei Jahren wurden Sie zur Miss Ostschweiz gewählt, nun zur Miss Earth Schweiz. Welche Miss-Wahl steht als nächste an?

Corinne Schädler: Keine. Das war die letzte, abgesehen von der internationalen Miss-Earth-Wahl im Dezember.

Weshalb?

Schädler: Bestimmt nicht, weil mir das Miss-Sein nicht gefällt. Aber es gibt keine andere Wahl, die mir so sinnvoll erscheint wie jene der Miss Earth. Deshalb habe ich mich nicht für die Miss-Schweiz-Wahl beworben.

Warum das? Immerhin wären Sie als Miss Schweiz öfter in den Medien, hätten einen höheren Verdienst und vielleicht noch jahrelangen Ruhm aus dem Amtsjahr.

Schädler: Genau aus diesen Gründen. Bei dieser Wahl geht es ums Aussehen, ums Promi-Sein, und nicht um das, was die Gewinnerin im Amtsjahr mit humanitären Projekten erreichen will.

Die neue Miss Ostschweiz 2012 heisst Corinne Schädler und kommt aus Berneck. (Bild: Nana Do Carmo)
14 Bilder
An ihr gekröntes Haupt muss sie sich erst noch etwas gewöhnen. (Bild: Nana Do Carmo)
Zwei weitere Titel wurden vergeben: Miss Body an Corinne Schädler und Miss Swiss Casinos für Vivien Sennhauser. (Bild: Nana Do Carmo)
Ein weiterer Titel, die «Miss Popular», ging an Chantal Maag. (Bild: Nana Do Carmo)
Corinne Schädler aus Berneck zusammen mit der zweiten Michelle McLuckie aus Appenzell der drittplatzierten, die Thurgauerin Vivien Sennhauser aus Wängi. (Bild: Nana Do Carmo)
Gruppenbild mit Siegerin. (Bild: Nana Do Carmo)
Alle Finalistinnen sind Gewinnerinnen. (Bild: Nana Do Carmo)
Marco Fritsche im Gespräch mit der Ex-Miss Ostschweiz Patricia Rimle. (Bild: Nana Do Carmo)
Die Finalistinnen zeigten sich auch in legerer Freizeitkleidung. (Bild: Nana Do Carmo)
Gemeinsamer Auftritt der Schönen. (Bild: Nana Do Carmo)
Der Durchgang im Bikini wird jeweils stark beachtet. (Bild: Nana Do Carmo)
Marco Fritsche führte frisch wie immer durch die Show. (Bild: Nana Do Carmo)
Die 13-jährige Liechtensteinerin Laura Grässli hätte mit ihrem Gesang auch einen Krone verdient. (Bild: Nana Do Carmo)
Marco Fritsche im Gespräch mit Laura. (Bild: Nana Do Carmo)

Die neue Miss Ostschweiz 2012 heisst Corinne Schädler und kommt aus Berneck. (Bild: Nana Do Carmo)

Aber bei der Miss-Ostschweiz-Wahl ging es ja auch ums Aussehen, oder? Und dort haben Sie mitgemacht und gewonnen.

Schädler: Ich wurde damals von einer Kollegin, die bei der Organisation arbeitet, angefragt. Und stellen Sie sich vor, wie sich eine 19-Jährige fühlt, der man vorschlägt, Miss Ostschweiz zu werden. Ich war natürlich geschmeichelt und wollte wissen, ob ich tatsächlich das Zeug dazu habe.

Bereuen Sie es jetzt, damals um das Krönchen gekämpft zu haben?

Schädler: Überhaupt nicht. Ich habe viele Kontakte geknüpft, auf die ich heute nicht verzichten will. Aber ich weiss heute eben auch, dass ich mich für mehr interessiere als für Schönheit. Ich möchte über Sinnvolles reden, nicht mehr darüber, welcher Lippenstift mir am besten gefällt.

Als Miss Earth werden Sie nicht mehr auf Ihr Äusseres reduziert?

Schädler: Nein, ich wirke schliesslich in humanitären Projekten mit. Viele davon sind gegeben, aber ich darf die Botschaft auf meine Weise hinaustragen.

Und trotzdem ist es ein Missen-Titel, an dem ausschliesslich schöne Frauen interessiert waren.

Schädler: Der Slogan der Miss Earth lautet «Beauty with a cause». Das heisst, die Schönheit steht bei der Miss Earth nicht nur für das Äussere, sondern auch für die inneren Werte. Ich finde es deshalb nicht verwerflich, dass man einen Schönheitswettbewerb mit der Arbeit für humanitäre Projekte koppelt – denn im Vordergrund steht stets der gute Zweck.

Für was möchten Sie die Menschen denn begeistern?

Schädler: Für Umwelt- und Hilfsprojekte. Besonders freue ich mich, mit der Organisation Plan Schweiz nach Nepal zu reisen, wo die Situation der Mädchen verbessert werden soll. Als Spender weiss man nie genau, ob das Geld ankommt. Ich habe die Chance, stellvertretend für alle hinter die Kulissen zu sehen.

Wie ausgelastet muss man sich den Alltag einer Miss Earth Schweiz vorstellen?

Schädler: Es läuft schon immer etwas, fast täglich habe ich Termine wegen meines neuen Amtes. Ausserdem arbeite ich 100 Prozent als Flugbegleiterin.

Die Medien verkaufen Sie als Berneckerin. Ihr Beruf vermittelt jedoch nicht den Eindruck, als wären Sie oft im Rheintal.

Schädler: Ich bin jede freie Minute zu Hause in Berneck, und ich zahle auch hier meine Steuern. Wegen der Abrufbereitschaft brauche ich aber zusätzlich eine kleine Wohnung in Zürich, da ich im Notfall in einer Stunde am Flughafen sein muss.

Auch Ihre Termine als Miss Earth haben Sie hauptsächlich im Raum Zürich. Weshalb lassen Sie sich nicht ganz in der Stadt nieder?

Schädler: Ich fühle mich als St. Gallerin und mag das Rheintal. Es ist ein Erholungsgebiet – das fand auch meine Freundin aus Winterthur, der ich die Region kürzlich gezeigt habe. Müsste ich zwischen Zürich und Berneck wählen, wäre der Fall klar. Doch aufgrund meines Jobs bin ich auf einen grossen Flughafen in der Nähe angewiesen.

Sie sind erst vor vier Jahren hierher gezogen. Weshalb fühlen Sie sich so verwurzelt?

Schädler: Die Leute aus dem Rheintal sind anders als jene aus der Stadt. Man sagt sich Du, und man kennt sich, wenn man sich beispielsweise am Torkelfest begegnet. Inzwischen habe ich auch einen guten Freund in Berneck, einen Fotografen, von dem ich mich hie und da ablichten lasse.

Sagten Sie nicht, Sie wollen nicht mehr modeln, respektive auf ihr Aussehen reduziert werden?

Schädler: Das kommt darauf an – auf den Zweck, für den ich vor der Kamera stehe.

Für Lippenstifte würden Sie nicht mehr werben?

Schädler: Wenn es sich um Naturkosmetik handelt, die fair hergestellt wurde, wieso nicht. Genauso ist es mit anderen Produkten.

Das Rheintal haben Sie bereits gelobt, als hätten Sie einen Werbevertrag für Standortmarketing unterzeichnet.

Schädler: Bisher nicht. Aber das wäre eine gute Idee. Zumindest könnte ich bestimmt voll und ganz dahinterstehen.