Lieder einer starken Frau

Melodien aus dem 17. und 18. Jahrhundert interpretierte Fons Musica auf zeitgenössischen Instrumenten. Gefühlsstarke Lieder trug die französische Sopranistin Dorothée Leclair vor.

Max Pflüger
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Begeisterndes Konzert mit Fons Musica (von links): Martin Keller, Barockcello, Dorothée Leclair, Sopran, Aline Zylberajch, Cembalo, Priska Weibel, Barockgitarre, und Yasunori Imamura, Theorbe und Leitung. (Bild: Max Pflüger)

Begeisterndes Konzert mit Fons Musica (von links): Martin Keller, Barockcello, Dorothée Leclair, Sopran, Aline Zylberajch, Cembalo, Priska Weibel, Barockgitarre, und Yasunori Imamura, Theorbe und Leitung. (Bild: Max Pflüger)

«Fons Musica», das bedeutet in etwa «Quell der Musik». Zu einer der Quellen meisterlicher Musik führte das Ensemble seine Hörer im ersten Konzertteil mit wenig bekannten Kompositionen aus der Barockzeit.

Die Künstler interpretierten die herrliche Musik auf zeitgenössischen Instrumenten. Und so führten sie die sieben abwechslungsreichen, kurzen Werke formschön und nahe am ursprünglichen Originalklang auf. Nach der Pause folgten im zweiten Teil Kompositionen aus dem 18. Jahrhundert.

Fons Musica, das sind die vier Instrumentalisten Martin Keller, Barockcello, Aline Zylberajch, Cembalo, Priska Weibel, Barockgitarre, und Yasunori Imamura, Theorbe und musikalischer Leiter von Fons Musica. Die junge Sängerin Dorothée Leclair, Sopran, bereicherte das Konzert mit ihrer ausdrucksstarken Stimme.

Kompositionen aus weiblicher Hand

Kompositionen aus der Barockzeit, vorwiegend Lieder, brachte das Programm vor der Pause. Dazwischen erklangen zwei zauberhaft feine Soli auf dem Cembalo. Virtuos brachte Aline Zylberaich die gezupften Saiten des historischen Tasteninstruments zum Klingen und liess die perlenden Tonkaskaden von Tarquinio Merula (1595 – 1665) und Girolamo Frescobaldi (1583 – 1643) dynamisch reich und in wechselnden Tempi erstrahlen.

Dass eine Frau komponierte, war im 17. Jahrhundert und auch noch lange danach keineswegs üblich. Barbara Strozzi war da eine seltene Ausnahme. Sie wurde 1619 in Venedig geboren. Sie war Adoptivtochter des Juristen, Dichters und Librettisten Giulio Strozzi (1583 – 1652).

Er gründete 1637 die Accademia degli Unisoni, vor deren Mitgliedern Barbara rezitierte und eigene Werke sang. Sie vertonte Texte ihres Vaters. Barbara Strozzi komponierte vorwiegend für den Eigengebrauch, das heisst für Sopran solo.

Ihre Lieder zeugen von einer starken und selbstbewussten Frau. Der französischen Sopranistin Dorothée Leclair gelang es hervorragend, die verschiedenen Stimmungen zum Ausdruck zu bringen, die die Komponistin in ihren Melodien verarbeitet hatte: Freude, Melancholie, Schmerz bis hin zu Zorn und Wut. Temperamentvoll, hervorragend artikuliert und dynamisch durchgestaltet trug Leclair von den Instrumentalisten einfühlsam begleitet vier dieser Lieder vor.

Viel zur Kraft der Interpretationen trug auch die starke Mimik und Gestik der Sängerin bei. Allein der Genuss dieser unbekannten Lieder war der Besuch des Altstätter Karfreitagskonzertes wert. Nach der Pause füllte die Klangwelt des 18. Jahrhunderts das evangelische Altstätter Kirchenschiff.

Der gebürtige Japaner Yasunori Imamura spielte auf der Theorbe, einer langhalsigen Laute mit zehn Saiten, die eigens dafür transkribierte Bachsuite in G-Dur BWV 1007. Martin Zeller brillierte auf dem Barockcello in der Sonata Sesta in a-Moll für Violoncello und Basso continuo von Giovanni Benedetto Platti (1697 – 1763).

Zum Schluss stellte sich die Sängerin wieder zu den Instrumentalisten. Und noch einmal liess sie das Publikum die Verzweiflung einer starken Frauenpersönlichkeit spüren mit «O Numi eterni!» aus der weltlichen Kantate «La Lucrezia» von Georg Friedrich Händel. So beendete sie das Karfreitagskonzert mit einem letzten temperamentvollen Gefühlsausbruch.

Hinweis

Mehr Bilder auf rheintaler.ch unter Bilderstrecken.

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