Liebesblumen

Garten

Urs Stieger
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Pflanzennamen sagen manchmal viel über ihre Erfinder. Rosenzüchtungen werden heutzutage vielfach einer wichtigen oder einer sich wichtig findenden Person gewidmet. Manchmal kann man sich auch ein botanisches Denkmal mit seinem eigenen Namen kaufen.

Die Botaniker, heutige wie in der Barockzeit, haben so hin und wieder einen Zusatzverdienst generiert. Andere liessen sich treiben von den Empfindungen der Zeit. So ist auch der Name dieser verbreiteten Kübelpflanze entstanden: Agapanthus. Das griechische Wort «agápe» (Liebe) und «ánthos» (Blume) gab den südafrikanischen Schönheiten den botanischen Namen.

Südafrika ist das Paradies für botanisch Interessierte. Nirgends auf der Welt gibt es so viele Pflanzenarten, von keinem Land sieht man mehr Pflanzen in unseren Gärten als dem Land am Kap. Südafrika ist ja nicht tropisch, wie man vielleicht denkt, weil es in Afrika liegt. Heute ist Gärtnern in Südafrika auch bei den ärmsten Bevölkerungsschichten populär. Nelson Mandela, der grosse Mann Südafrikas, war der Gärtnerlehrmeister der Nation. Sein Leitmotiv: «Das Leben beginnt mit dem Tag, an dem du einen Garten anlegst!» praktizierte er und andere Gefangene unter schwierigsten Bedingungen in seiner Gefangenschaft. «Ich gärtnere, also bin ich», half die vielen Jahre in Haft als aufrechter Mann zu überstehen. Schon in der Zeit als Untergrundkämpfer in den Siebzigerjahren tarnte er politische Schriften als Anleitungen für den Gartenbau.

Aus Südafrika bekam ich vor vielen Jahren Agapanthus-Samen von Naturformen. Alle behalten die Blätter im Winter, sind also nicht für das Auspflanzen oder die dunkle Überwinterung geeignet. Trotzdem habe ich sie schon nach dem ersten Frost in den Keller gestellt, nicht mehr gegossen und Ende Februar ans Licht im Wintergarten gebracht. Die Stöcke sind inzwischen riesig geworden, trotzdem ist der Blüherfolg ziemlich mässig.

Wir haben über Jahre den üblichen Kapitalfehler gemacht: Die Pflanzen hatten es im Winter zu warm. Lernen aus Fehlern sieht anders aus. Der Wintergarten ist zwar kühl, aber wenn die Sonne scheint, gibt es schnell warme Tage. Dabei kann die blaue Schönheit auch einmal wenig Grade unter Null ertragen. Viel Wasser mag sie nicht.

Auch geistert überall die Vorstellung herum, übervolle Töpfe von Wurzeln würden die Pflanze zum Blühen bringen. Der Effekt ist aber, dass sie verhungern, da ja keine Erde mehr vorhanden ist. Schmucklilien, zu denen die sechs Arten Agapanthus gehören, kann man gut teilen. Einfach mit dem Küchenmesser zerschneiden, die Schnittstellen mit Asche oder Holzkohle einpudern. So können, wie bei uns, sogar schon eintriebige Pflanzen blühen.

Agapanthus und Nelson Mandela haben die gleichen Eigenschaften: Elegant, ausdauernd, zäh, nicht nachtragend …

Da gibts was zu lernen.

Urs Stieger

Berneck

www.u-stieger.com