Liebäugeln mit dem Morbiden

HEERBRUGG. Die Altstätter Keramikkünstlerin Ursula Federli-Frick stellt ihre neuesten Objekte bis Ende November im «Stellwerk» in Heerbrugg aus. Vernissage ist am Freitag, 21. November, um 18 Uhr.

Cécile Alge
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Die Werke von Ursula Federli-Frick sind unbestritten eigenwillig. (Bild: pd)

Die Werke von Ursula Federli-Frick sind unbestritten eigenwillig. (Bild: pd)

Ursula Federli-Frick ist immer wieder für eine Überraschung gut. Auch jetzt, beim Betrachten ihrer neuesten Keramik-Werke, muss man zuerst einmal leer schlucken. Es sind schwarze Dosen und Gefässe, aus denen Teile von Porzellanpuppen ragen – Ärmchen, Beinchen, Köpfe. Ebenfalls schwarz, aber in Hochglanz. Doch wer genau hinschaut, sieht, mit welch grossem Gespür für Material und Form sie die Objekte geschaffen hat, wie speziell die Technik der Glasur daherkommt und wie gross die Wirkung der ganzen Serie ist.

Grosse Experimentierfreude

Die Puppendosen muten auf den ersten Blick zwar etwas morbid an, aber es ist wie mit fast allen Werken der Altstätter Keramikerin Ursula Federli-Frick: Sie sind aus grosser Experimentierfreude, mit einem Augenzwinkern oder einem Seitenhieb an die moderne Gesellschaft und deren Errungenschaften oder Begleiterscheinungen entstanden. Es sind die Kontraste, die die Arbeit der Künstlerin so speziell machen. Denn der Werkstoff Ton ist sehr alt, die Themen wiederum topaktuell. Was dabei entsteht, überrascht oder erschreckt eben manchmal – ab und an sogar die Künstlerin selbst.

Stauchen, spritzen, aufbauen

Die Palette ihrer Werke und Themen ist breit gefächert, reicht von überdimensionalen Parfumflacons über genagelte Vasen bis hin zum vergoldeten Embryo.

Dafür verwendet sie verschiedenste Verarbeitungsarten. Sie staucht, spritzt oder baut den Ton auf und wölbt ihn mit der Daumentechnik. Sie dreht, krümmt, drückt und streicht ihn letztlich zu einem harmonischen Ganzen. Auch beim Lackieren und Brennen setzt die 48-Jährige aufs Experimentieren. Um spezielle Optiken zu erzeugen, schiebt sie ein Werk auch mal kurzerhand in den Kachelofen – meist mit einem verblüffenden Ergebnis.

Sich treu bleiben

Die Werke von Ursula Federli-Frick sind unbestritten eigenwillig. Wer sich darauf einlässt, wird oftmals überrascht, aber nicht vor den Kopf gestossen, denn sie sind nie respektlos. Über all die Jahre ihres Schaffens hat sich die Keramikerin denn auch immer wieder kritisch mit ihren Objekten und deren Wirkung auseinandergesetzt.

Kein Wunder, überlegte sie diesmal lange hin und her, ob sie die Puppengefässe auf die Ausstellungs-Einladungen drucken soll oder nicht. Letztlich hat sie's getan. Und ist sich damit treu geblieben.