Lernende belohnen statt bestrafen: Rheintaler Firmen gehen unterschiedlich vor

Wie sollen Arbeitgeber ihre Lernenden disziplinieren?

Benjamin Schmid
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Für die Förderung vom gewünschten Verhalten von Lernenden gibt es kein Patentrezept.

Für die Förderung vom gewünschten Verhalten von Lernenden gibt es kein Patentrezept.

Symbolbild: Sandra Ardizzone / LTA

In einem Punkt sind sich alle einig: Der Jugend von heute mangelt es nicht unbedingt an Disziplin. Zumindest lässt sich dies nicht pauschalisieren.

Es gibt kein Patentrezept

Es gibt unterschiedliche Methoden, wie gewünschtes Verhalten von Lernenden gefördert werden kann. Bei «libs – industrielle Berufslehren Schweiz» greift man auf die Erfahrung der Berufsbildner zurück und pflegt einen wertschätzenden Umgang sowie eine Kommunikation auf Augenhöhe. «Die Generation Z ist in der Lehre angekommen», sagt Peter Van Caenegem, Standortleiter bei libs, «sie arbeitet nicht mehr für ihren Arbeitgeber, sondern mit ihm.» Respekt und Achtung sind ebenso wichtig, wie Grenzen zu setzen. Unter den Lernenden wird diskutiert, sich untereinander ausgetauscht, man will sich wohlfühlen. Peter Van Caenegem sagt:

«Statt zu strafen, belohnen wir.»

Nebst einer hohen Wertschätzung werden regelmässig Lernende des Monats auserkoren. Dabei zählen nicht nur Noten und Leistung, sondern auch die Hilfsbereitschaft, Loyalität, Teamarbeit und Motivation. Trotzdem sei es wichtig, den Lernenden zu zeigen, dass ihr Verhalten Konsequenzen haben kann. Wenn Gespräche und schriftliche Zielvereinbarungen nicht zum gewünschten Erfolg beitragen, zielen nachhaltigere Fördermassnahmen auf die Freizeit der Lernenden ab. «Diese ist ihnen wichtig und es schmerzt sie, wenn sie abends mal länger bleiben müssen», sagt der Standortleiter von libs.

Bei der Jansen AG gibt es ein Anstellungsreglement für alle Mitarbeiter, zusätzlich wird den Lernenden ein Reglement ab­gegeben. «Ausserdem können die verschiedenen Abteilungen auch Sonderregeln erstellen», sagt Mathias Baumgartner, Verantwortlicher Berufsbildung bei Jansen. Bei problematischem Verhalten komme die Erfahrung der Berufsbildner zum Tragen: «Bringt das bilaterale Gespräch keinen Erfolg, werden Massnahmen schriftlich festgehalten und Zielvereinbarungen notiert.»

In Zusammenarbeit mit dem Berufsbildner, dem Lernenden und den Eltern komme es zu einer stufenweisen Verschärfung der Massnahmen. Die Leistung im Betrieb, in der Schule, und das Verhalten des einzelnen Lernenden werden halbjährlich beurteilt und mit dem Lernenden besprochen. Die Lernenden erhalten einen Leistungslohn, so ist der Anreiz, gute Leistungen zu erbringen, vorhanden.

Cornelia Grill, Leiterin Berufsbildung bei der Sefar AG, glaubt nicht, dass Lernende heute grössere Probleme mit der Disziplin haben als früher. «Die Schwierigkeiten entstehen mit dem Übertritt von der Oberstufe in die Lehre», sagt sie. Haben die Lehrer früher vieles bestimmt und die Eltern die Kinder von der Schule abgemeldet, so müssen sie plötzlich alles selber machen. Die Leiterin Berufsbildung sagt:

«Gefragt sind mehr Eigenverantwortung und Selbständigkeit.»

Daher sei es nötig, bei der Schnupperlehre nicht nur die positiven Aspekte der Lehre hervorzuheben, sondern auch die negativen Seiten anzusprechen. «Generell ist es unsere Philosophie, der Vorauswahl der Lernenden besonderes Gewicht zu geben», sagt Simone Gmeiner, Lehrlingsbetreuerin der Dachcom.ch AG. Es gehe darum, die richtige Berufswahl zu treffen und herauszufinden, ob sie dem Talent und den Wünschen der Bewerbenden entspricht.

«Damit ist die Basis für einen motivierten Berufseinstieg gelegt.»

Jedes Quartal ein Gespräch

Auch Jürg Federer, technischer Kaufmann bei Bruno Federer Metallbau – Heizungen, findet, Lernende seien nicht weniger diszipliniert als früher. «In den letzten Jahren mussten wir keine disziplinarischen Massnahmen ergreifen. Bei uns gibt es jedes Quartal ein Gespräch, in dem allfällige Probleme frühzeitig angesprochen werden.» Nur wenn beide Seiten genau wissen, worauf sie sich einlassen, komme es zu einem guten Abschluss der Lehre.