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Leider kann Herr Straub das nicht mehr lesen

Der nicht gewählte Markus Straub, der Rüthis Gemeindepräsident werden wollte, beschwert sich über den Kommentar (Zeitung vom 26. September), der ihn betrifft. Natürlich bekommt er darauf eine Antwort.

Vorauszuschicken ist: Straubs Wortmeldung kam nicht nur per E-Mail zur Redaktion, sondern ist auch auf seiner Webseite aufgeschaltet: markusstraub.ch

Straubs Brief

Sehr geehrter Herr Bruderer

Ich kann Ihren Blick in die Kristallkugel, wie viele andere Leute auch, nicht nachvollziehen. Die Wählerinnen und Wähler hatten die Wahl zwischen einem politisch und wirtschaftlich erfahrenen Kandidaten mit Lebenserfahrung und einem jungen und netten Gemeindeangestellten, den man nur vom Rathausschalter kennt.

Die Wahl fiel auf den Gemeindeangestellten, weil man keine wirkliche Veränderung will. Es soll in Rüthi einfach so weitergehen, wie in den vergangenen 19 Jahren nach Kuno Bont nach dem Motto: «Verwalten statt gestalten». Und trotz meiner grossen politischen Akzeptanz in Kantonsrat und Regierung spielte meine Parteizugehörigkeit wohl auch noch eine Rolle. Die versprochene, aber fehlende Unterstützung durch die FDP war im Wahlresultat spürbar. Mein Resultat lässt sich darum nicht einfach auf mein Alter reduzieren.

Ich hoffe einfach für Rüthi, dass es nicht gleich heraus kommt wie in anderen St. Galler Gemeinden, wo der Gemeindeschreiber zum Gemeindepräsidenten gewählt wird und an der neuen Aufgabe scheitert. Nicht umsonst gibt es einen Spruch: «Jung, dynamisch und erfolglos». Das im Gegensatz zu Ihrer weit her geholten, fast schon überbordenden Freude im Kommentar. Der Beweis muss nun zuerst einmal noch erbracht werden!

Da ich Ihre Haltung betreffend Leserbriefen vor Wahlen und auch Ihre politisch eingefärbten Kommentare nicht teile, ist verständlicherweise nachvollziehbar, dass die «Rheintalische Volkszeitung» in Zukunft ungelesen ins Altpapier wandert und mein Abonnement nicht verlängert wird.

Schade, dass die «Rheintalische Volkszeitung» die Vielfalt scheut und neuen Chancen keinen Raum gibt. Einen politischen Fehlstart, der im Sport mit Disqualifikation bestraft wird, als grossen Wurf zu bezeichnen, lässt tief blicken.

Freundliche Grüsse

Markus Straub

Die Entgegnung

Sehr geehrter Herr Straub

Ihre Qualitäten als Politiker und Berufsmann mögen unbestritten sein. Aber die Wählerschaft hat nicht Sie gewählt, sondern mit deutlichem Resultat «einen jungen und netten Gemeindeangestellten, den man nur vom Rathausschalter kennt», wie Sie schreiben. Natürlich ist Ihr Alter nicht der einzige Grund für Ihre Nichtwahl. Aber es hat meines Erachtens «den Ausschlag gegeben», wie es im Kommentar heisst. Gewiss hat nebenher Ihre Parteizugehörigkeit eine Rolle gespielt, und die FDP hat Sie tatsächlich nicht mit besonderer Leidenschaft unterstützt. (Ich selbst halte übertriebenes Schielen auf die Parteizugehörigkeit grundsätzlich für falsch, aber vielleicht hat ja ein anderer Grund die FDP geleitet.)

Ihr Konkurrent wurde Ihres Erachtens gewählt, weil Rüthi «keine wirkliche Veränderung will». Das ist Ihre unantastbare Interpretation, der ich als Einschätzung entgegenhalte: Doch, Rüthi möchte eine neue Perspektive und einen Gemeindepräsidenten, der auch gestaltet.

Als grosser Wurf, wie Sie unterstellen, ist die neue politische Gegebenheit in Rüthi nicht dargestellt worden, aber die mutmassliche Lust des Dorfs auf einen jungen, dynamischen Anpacker, der auf neue Perspektiven scharf ist, gestatte ich mir nochmals zum Ausdruck zu bringen. Verbunden ist damit eine Erwartung! Es geht nicht um Vorschusslorbeeren, wogegen Sie selbst die Wahl Ihres Gegners kühn als «politischen Fehlstart» bezeichnen.

Zum Schluss ein paar Worte zu Ihrem Unwillen, missliebige Kommentare künftig zur Kenntnis zu nehmen. Ich selbst lese regelmässig die «Weltwoche», die ich als Beispiel heranziehe, weil Sie dieses Magazin womöglich schätzen. Es beglückt mich öfter nicht, trotzdem lese ich sehr gern und ohne Scheu die Texte, auch die Kommentare.

Von einem amtierenden oder ehemaligen Politiker, ganz gleich welcher Partei, erwarte ich die gleiche Offenheit, ob er sich ärgert oder nicht. Doch leider können Sie das nicht mehr lesen, weil die Zeitung, wie Sie schreiben, fortan ungelesen zum Altpapier wandert.

Freundliche Grüsse

Gert Bruderer

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