LEICHTATHLETIK: Weltklasse-Luft geschnuppert

Athletissima Lausanne 2017 begeistert den Nachwuchsläufer Erik Schegg vom KTV Oberriet, obwohl er angeschlagen nicht sein ganzes Potenzial abrufen konnte.

Ramon Mattle
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Hier will Erik Schegg wieder hin, aber das nächste Mal topfit. (Bild: pd)

Hier will Erik Schegg wieder hin, aber das nächste Mal topfit. (Bild: pd)

Am diesjährigen IAAF Diamond League Meeting in Lausanne war Erik Schegg, der junge Nachwuchsläufer des KTV Oberriet, mit dabei. Er wurde mit weiteren 19 Crossläufern vom SLV Cross Cup dazu eingeladen, die 1500 Meter in der U18 zu bestreiten. Eine tolle Belohnung für die harten Crossläufe im Winter. Für die meisten wird es sicher eine einmalige Chance gewesen sein, in einem Atemzug mit den Besten der Welt ein Meeting zu bestreiten, denn beim Erhalten der Akreditierungskarte wurde ihnen mitgeteilt, dass sie behandelt werden wie die Stars.

Zusammen mit den Stars

Bereits auf dem Einlaufplatz begegneten sie den Athleten mit klingenden Namen wie Lavilleni, Van Niekerk, Sprunger, Büchel, Kambundji, Schippers, Dibaba, Hussein, Jngebrigtsen und vielen mehr, die an der beliebten Athletissima die Zuschauer entzückten. In der Tat wurden sie dann auch gleich behandelt wie die Stars – einmarschieren ins Stadion, vorstellen via Grossbildschirm, Übertragung des Rennens – eben wie bei den Grossen. Das Stadion, das zu dieser Zeit mit gegen 6000 Zuschauern besetzt war, pushte auf jeden Fall die jungen Cracks gewaltig über die drei und dreiviertel Runden. «Es ist schon speziell, mit einer solchen Unterstützung zu laufen, man fliegt förmlich, das Laufen geht von selber», meinte ein zufriedener Erik Schegg. Für ihn war es das Grösste, was er bisher im Laufen erlebt hatte.

Nach den gemeldeten Zeiten, die die Startliste hergab, stand er an dritter Stelle und fokussierte sich voll auf dieses Rennen. Dass er überhaupt an den Start gehen konnte, hing aber trotzdem an einem dünnen Faden: Eine Woche vor dem Start knickte der Fuss beim Spielen in der Schule um. Die Athletissima schien unerreichbar, denn zwei Wochen Pause wurden vom Arzt verschrieben. Aber Betreuerin Rebecca Ammann griff tief in die Therapeutenkiste, um mit Tapen einen runden Laufstil auf die Bahn zu bringen.

Bereits alle SM-Limiten gelaufen

Allerdings konnte Erik Schegg nicht anders als vom Startschuss weg im hinteren Teil des Feldes mitzulaufen – die letzten Trainings fehlten. So lief er als Letzter ins Ziel, mit der Zeit von 4.28 Minuten. Für ihn war das nebensächlich. Er freute sich mit seinen Alterskollegen, dabei gewesen zu sein und genoss danach das Meeting von der VIP-Tribüne aus. Auf der Rückfahrt wurden die Wettkämpfe dann genauestens analysiert. Irgendwann war der Spruch zu hören: «Da gehe ich mit Bestimmtheit wieder einmal hin.» Nach der Genesung heisst es, sich auf die Schweizer Meisterschaften in Winterthur vorzuberei- ten. Schegg muss sich dort wohl festlegen, wo er an den Start gehen möchte. Über 800, 500 oder 3000 Meter. Die Limits, um dort zu starten, hat er bereits in allen Disziplinen erreicht. Man darf gespannt sein, was der angehende Zimmermannslehrling ohne abgeknickten Fuss dort laufen kann.

Ramon Mattle