Leichtathletik-Hochburg Rheintal

37 Medaillen brachten Rheintaler Leichtathleten 2011 von Schweizer Meisterschafts-Wettkämpfen nach Hause. So viele wie noch nie. Sie trainieren beim KTV Altstätten oder STV Oberriet-Eichenwies. In einer losen Folge werden die erfolgreichen Medaillengewinner vorgestellt.

Reto Wälter
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LEICHTATHLETIK. Neun Gold-, 16 Silber- und zwölf Bronzemedaillen verzieren seit Anfang Jahr Wände oder Medaillen-Schränke in Rheintaler Haushalten – allesamt an nationalen Titelkämpfen gewonnen.

Positive Eigendynamik

Speziell ist, dass alle diese Erfolge von Athleten aus nur gerade zwei Vereinen erreicht wurden. «In der Vergangenheit dauerte ein Zyklus etwa sieben Jahre», sagt Michele Bellino, Leichtathletik-Cheftrainer vom KTV Altstätten. In dieser Zeit seien Athleten aufgebaut worden, hätten ihre grössten Erfolge erzielt, und dann sei die Erfolgskurve jeweils etwas eingebrochen, bevor sie wieder anstieg. Er glaubt denn auch, dass andere Rheintaler Vereine, wie beispielsweise Balgach, wieder erfolgreiche Athleten hervorbringen werden. «Vieles steht und fällt mit dem verantwortlichen Leiterteam.»

«Wir trainieren zurzeit in drei Altersstufen. Gegenüber früher hören die Athleten nicht auf, wenn sie in die Lehre und dann ins Erwachsenenalter kommen, sondern machen weiter», sagt Bellino. Dadurch entsteht eine positive Eigendynamik: Die Erfolge ermutigen die Jüngeren, dranzubleiben, und innerhalb der Altersgruppen puschen sich die Athleten zu Höchstleistungen.

Erfolgs-Tsunami

«Für mich ist der gute Teamgeist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Gerade in einer Einzelsportart wie der Leichtathletik ist es extrem wichtig, dass ein Sportler gute Freunde um sich hat, die ihn auch bei der Stange halten, wenn er nicht vorwärtskommt oder nicht so erfolgreich ist.» Zumal dies nicht einfach ist, wenn man mit mindestens dreimal wöchentlichem Training seine ganze Freizeit in die Leichtathletik investiert. Das Team des KTV Altstätten sei dabei genügend gross, um Leistungsschwankungen einzelner Athleten abzufangen. 20 Schweizer Meisterschafts-Medaillen, wovon fünf goldene, acht silberne und sieben bronzene, zeugen davon. Ebenfalls genügend gross ist der STV Oberriet-Eichenwies, der 17 nationale Medaillen (viermal Gold, achtmal Silber und fünfmal Bronze) erreichte. «Auch wir haben erfolgsmässig Wellenbewegungen. Um beim Bild zu bleiben, würde ich im Moment aber nicht von einer Erfolgswelle, sondern geradezu von einem Tsunami sprechen», sagt Cheftrainer Martin Steger vom STV Oberriet-Eichenwies. Für ihn ist ein wichtiger Erfolgsfaktor die gute Zusammenarbeit im Leiterteam, die nun schon seit Jahren hervorragend funktioniert. Dies ist umso wichtiger, weil sich der STV nicht nur auf die technischen Leichtathletik-Disziplinen, wie der KTV, sondern auch auf die Lauf-Kategorien konzentriert.

Dazu kommt die ebenfalls relativ neue Zusammenarbeit mit der LG Rheintal, der zehn Vereine angeschlossen sind. Dadurch sahnen die Rheintaler nun auch in den Staffel-Bewerben ab. Die SM-Silbermedaillen über 4×100 Meter zeugen davon.

Hohe Selbstdisziplin

Beide Cheftrainer loben die Selbstdisziplin der Athleten, die permanent und mit gleich hohem Einsatz an sich arbeiten, dabei auch einander helfen und sich über die Erfolge der anderen freuen können. «Regelmässiges Trainieren macht 50 Prozent des Erfolges aus», sagt Michele Bellino. Weitere Prozente steuert für Martin Steger das gestiegene Selbstbewusstsein der Sportler bei: «Sie wissen, dass sie mit unserer Vorbereitung gewinnen können; Kollegen machens vor.»

Früher verliessen ambitionierte Sportler oft den Heimverein und trainierten beim LC Brühl – was von der Umstellung her (Trainer, Weg, neues Team) nicht immer einfach war. Heutzutage ist dies nicht mehr nötig, denn zurzeit ist das Rheintal kantonal, ja national eine Leichtathletik-Hochburg.