Leica startete mit 15 Thüringern

Mit ihrer Heerbrugger Belegschaft und später mit Gästen aus der regionalen Politik und Wirtschaft feierte gestern Leica Geosystems den 90. «Geburtstag» am Standort Heerbrugg. Das Unternehmen schrieb Rheintaler Wirtschaftsgeschichte.

René Schneider
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Jürgen Dold, CEO Leica Geosystems, schneidet für seine zwei Dutzend Gäste aus der regionalen Wirtschaft und Politik die Geburtstags-Torte an. (Bilder: René Schneider)

Jürgen Dold, CEO Leica Geosystems, schneidet für seine zwei Dutzend Gäste aus der regionalen Wirtschaft und Politik die Geburtstags-Torte an. (Bilder: René Schneider)

Heerbrugg. Als Leica, damals Wild Heerbrugg, am 26. April 1921 im Balgacher Entenbad in einem 150 Quadratmeter grossen Fabrikli startete, gab es im Rheintal noch kein Fachpersonal. Darum hatte Firmengründer Heinrich Wild 15 Spezialisten aus Thüringen mitgebracht, abgeworben bei Zeiss in Jena. Dort hatte auch der damals kaum 30-jährige Schweizer Vermessungs-Pionier Wild gearbeitet. Er hatte zuvor einen Theodoliten entwickelt und seine Idee an die Firma Zeiss verkauft, damals seit Jahrzehnten das weltweit führende Unternehmen der Branche mit ein paar Tausend Mitarbeitern. Warum zog dann Wild mit Ideen für einen verbesserten Theodoliten ausgerechnet ins Rheintal, um selber eine Vermessungs-Firma zu gründen?

Auch das erzählte Leica-CEO Jürgen Dold gestern seinen Gästen: Der Schweizer kannte aus dem Militär den Heerbrugger Industriellen Jacob Schmidheiny und auch den Vermesser Robert Helbling. Zu dritt (und mit Schmidheinys Finanz-Unterstützung) legten sie den Grundstein zum heutigen Weltunternehmen.

Auf Ausbildung gesetzt

Für das Jahr 1924, also drei Jahre nach der Gründung, sah der Businessplan die Produktion von 350 Theodoliten vor. Tatsächlich konnten in jenem Jahr erst 27 ausgeliefert werden. Das Unternehmen schieb in den ersten sieben Jahren rote Zahlen. Dass die Gründer (und Geldgeber) «einen langen Atem» hatten, wirkte sich segensreich aus – nicht nur für die Region, freute sich der St. Galler Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor Benedikt Würth in seiner kurzen Ansprache. Wild und das Nachfolgeunternehmen Leica Geosystems seien bis in die Gegenwart geprägt von Mut, Innovationskraft und Nähe zum Markt; «risikofreudig aber auch mit Augenmass». Schon ab dem Start setzte das Unternehmen im eigenen Interesse, aber auch zum Segen der Region, auf Aus- und Weiterbildung, indem es in eigenen Lehrlingsabteilungen den Nachwuchs wie Feinmechaniker oder Optiker selber ausbildete. Bald war das Rheintal neben Thüringen selber ein Werkplatz mit einem grossen Potenzial an Fachkräften in den Bereichen Optik und Feinmechanik, später auch Elektrotechnik und Elektronik.

Die Region geprägt

René Wuffli, Präsident des Arbeitgeber-Verbandes Rheintal betonte, wie wichtig die Leica-Entwicklung aber auch jene etwa von Jansen oder SFS war, um in der von der niedergehenden Textilindustrie gebeutelten Region einen starken Werkplatz und Wirtschaftsstandort entstehen zu lassen. Ein Indiz dafür sei die Entwicklung des AGV: Dieser hatte 1936, im Gründungsjahr, 16 Mitglieder. Heute sind es 510. Viele sind Zulieferer von Leica und den anderen Grossunternehmen oder aber direkt von deren Kunden. Leica macht eben nicht mehr, wie Wild zu Gründungszeit, jede Schraube und jede Linse selber. In Heerbrugg wird vor allem geforscht und entwickelt. Und zu den Theodoliten und Reisszeugen kamen Dutzende von Produkten in den Bereichen Messen, Vermessen und GPS.

Ernst Metzler Gemeindepräsident Balgach

Ernst Metzler Gemeindepräsident Balgach

René Wuffli Präsident AGV Rheintal

René Wuffli Präsident AGV Rheintal