Lehrlingslohn reichte nicht

Ein Lehrling hat zu Hause mit seinem Drucker Geld gefälscht und erfolgreich in Umlauf gebracht. Damit hat er sich jedoch mit der Bundesanwaltschaft angelegt.

Elisabeth Reisp
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Wird Geld gefälscht, ermittelt die Bundesanwaltschaft. (Bild: Archiv/Urs Jaudas)

Wird Geld gefälscht, ermittelt die Bundesanwaltschaft. (Bild: Archiv/Urs Jaudas)

FRAUENFELD. «Mein Mandant verfügt offensichtlich nur über beschränkte intellektuelle Fähigkeiten.» Der Pflichtverteidiger liess nichts unversucht, seinem Mandanten die Schlinge um den Hals zu lockern. Diese sass ziemlich fest. Der mittlerweile 20-jährige Gipser aus dem St. Gallischen wurde der mehrfachen Geldfälschung, mehrfachen Inumlaufsetzens falschen Geldes, gewerbsmässigen Betruges und der falschen Anschuldigung angeklagt. Und bei Geldfälschung ermittelt die Bundesanwaltschaft.

Zwei Wochen lang getüftelt

Diese übertrug den Fall ans Frauenfelder Bezirksgericht, da unter anderem am Open Air Frauenfeld einige dieser Blüten in Umlauf gebracht worden waren. Der junge Mann mit den «beschränkten intellektuellen Fähigkeiten» hat es fertiggebracht, mit einem handelsüblichen Farbdrucker und ein paar Dosen Klarlack Hundert-Franken-Blüten herzustellen. Zwei Wochen lang hatte er getüftelt, bis die Qualität zufriedenstellend war. Er hatte 109 Noten mit zwei verschiedenen Seriennummern kopiert. Mindestens 56 Blüten hatte er erfolgreich in Umlauf gebracht.

In weissem T-Shirt, Jeans und Turnschuhen sass der junge Mann auf der Anklage-Seite. Fast so, als ob ihm vor der Verhandlung noch nicht bewusst war, welch groben Deliktes er sich vor zwei Jahren strafbar gemacht hat. Er hat sich mit dem Staat angelegt. Und der kennt kein Pardon, wenn's ums Geld geht. Je länger die Verhandlung dauerte, desto gebückter sass er da. Er wollte seinen knappen Lehrlingslohn aufbessern. Er sei ein Mensch, der viel Geld braucht.

Der Hauptstreitpunkt war die Frage, wie oft er an seinem Drucker Falschgeld produziert hatte. Ironie der Rechtsprechung: Je öfter, desto besser für den Angeklagten. Das hiesse nämlich, er hätte die magische Schwelle von etwa 35 Blüten pro Durchgang nicht deutlich überschritten und es handelt sich somit um einen privilegierten Tatbestand. Einen, der nicht so streng geahndet wird. Aufgrund der Seriennummer nachweisbar, hatte er nur zwei Hunderter-Scheine als Vorlage. Den einen hat er nachweislich 37-mal kopiert, was gerade noch privilegiert wäre. Den anderen aber ganze 72-mal.

Erinnert sich an nichts mehr

Der Pflichtverteidiger pochte darauf, dass es mit der zweiten Vorlage mehrere Durchgänge hätten sein können. Der Mandant selbst konnte sich – nach zuvor widersprüchlichen Aussagen bei Polizei und Staatsanwaltschaft – vor Gericht beim besten Willen nicht mehr erinnern, wie oft er an seinem Drucker kopiert hatte. Die Staatsanwältin jedoch folgerte aus den zwei Seriennummern, dass er nur zweimal produziert habe, bevor er erwischt wurde.

Da die Staatsanwaltschaft ihre Folgerung nicht beweisen konnte, entschied das Gericht – in dubio pro reo – der Angeklagte sei nur eines privilegierten Vergehens schuldig. Die happige Strafe von 360 Tagessätzen à 90 Franken sprach es bedingt aus, zwei Jahre auf Bewährung. Dennoch muss der junge Mann mit Verfahrens-, Untersuchungs- und Entschädigungskosten von 10 000 Franken rechnen.

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