Kräftig durchspülen gegen Keime

Lauern nach Corona die Legionellen? Die Wasserhygiene in wenig genutzten Gebäuden kann derzeit leiden.

Hildegard Bickel
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Keine Chance den Keimen: Zwischendurch die unbenutzten Wasserhähne aufdrehen und, als wäre man in den Ferien gewesen, das Wasser durch die Leitungen spülen lassen.

Keine Chance den Keimen: Zwischendurch die unbenutzten Wasserhähne aufdrehen und, als wäre man in den Ferien gewesen, das Wasser durch die Leitungen spülen lassen. 

Archivbild: Bild: Susann Basler

Viele Büros sind verwaist, Schulen und Kindergärten wenig genutzt und Restaurants ganz oder teilweise geschlossen. Unzählige Wasserhähne bleiben während des Corona-Lockdown zugedreht. Dieser Umstand begünstigt die Gefahr von Mikroorganismen, die sich in den Wasserleitungen ausbreiten können.

Handeln nach drei Tagen Stillstand

Stillstehendes Trinkwasser in den Leitungen sei ein Problem, das nicht nur während der Coronakrise auftauche, sagt Norbert Lüchinger, Bereichsleiter Haustechnik bei Spirig Vogel in Widnau. Die Situation sei vergleichbar mit einer Ferienabwesenheit von zu Hause oder unbenutzten Ferienwohnungen. Um die Wasserhygiene sicherzustellen, gilt folgende Regel: Wenn Wasserhähne länger als drei Tage nicht benutzt wurden, soll man sie in einem betroffenen Gebäude ganz öffnen. Das in den Leitungen befindliche Kalt- und Warmwasser soll für mindestens 30 Sekunden abfliessen. Vorzugsweise geschieht diese Spülung im Gebäude von unten nach oben.

Wer nicht die Gelegenheit hat, diesen Zeitraum einzuhalten, muss sich deshalb keine Sorgen wegen unerwünschter Keime und Bakterien machen. Norbert Lüchinger entwarnt: «Es braucht viel, bis tatsächlich Probleme entstehen.» Von Vorteil sei jedoch eine periodische Spülung jede Woche. Die Durchführung liegt in der Eigenverantwortung der Haus- und Liegenschaftsbesitzer.

Gesetzliche Normen gewährleisten grundsätzlich eine hohe Wasserqualität. Die Gemeinden messen der Wasserhygiene das ganze Jahr über eine hohe Priorität bei, sagt Rolf Huber, Gemeindepräsident von Oberriet. Die Wasserversorgung spült zum Beispiel alle vier Wochen Stumpenleitungen, die wie in einer Sackgasse ohne abzweigende Verbindungen enden.

Lehrer beleben die Schulhäuser

Hinzu kommt momentan der «positive» Einfluss einer angespannten Lage. Die Bauern müssen wegen der Trockenheit stark bewässern. Das führt zu einer hohen Wasserzirkulation. «Mit dem erhöhten Bezug entsteht eine positive Spülwirkung im Leitungsnetz», sagt Rolf Huber. In Schulhäusern dürften Keime kein gesundheitliches Risiko darstellen. Wasserhähne und Toilettenspülungen bleiben in Betrieb. Denn obwohl die Lehrpersonen auch die Möglichkeit hätten, zu Hause zu arbeiten, seien stets einige vor Ort, sagt Roland Züger, Schulleiter in Oberriet. «Auch während der Frühlingsferien gab es keinen Tag, an dem nicht jemand im Schulhaus war und Unterrichtsmaterial für die Kinder vorbereitete.»

An der Oberstufe St. Margrethen ist ebenfalls meist ein Teil der Lehrpersonen in den Schulräumen anwesend. Das Problem stillstehender Wasserhähne drängt sich nicht auf. Dazu tragen auch die Hauswarte bei, die derzeit ein besonderes Augenmerk auf die Hygiene in den Schulgebäuden und Sportanlagen legen.

Der kantonale Führungsstab verschickte Anfang April Informationen zur Wasserhygiene während der Covid-19- Pandemie an die Gemeinden. «Wir haben diese unseren Schulgemeinden zugestellt, da vor allem Schulhäuser betroffen sind», sagt Rolf Huber. Vor dem angekündigten Schulstart am 1. Mai reinigen und desinfizieren die Hauswartteams die sanitären Anlagen gründlich und drehen die Wasserhähne, wie jeweils nach den Ferien, kräftig auf.