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Lebensmittel ins eigene Geschirr packen

Plastikmüll zu vermeiden, liegt im Trend. Grossisten verbannen Plastikverpackungen und für den Einkauf an der Frischetheke können eigene Behälter mitgebracht werden. Noch nutzen nur wenige das Angebot.
Benjamin Schmid
Das plastiklose Einkaufen wird immer einfacher und beliebter. (Bild: Cristin Manser)

Das plastiklose Einkaufen wird immer einfacher und beliebter. (Bild: Cristin Manser)

Gemäss Bundesamt für Umwelt (BAFU) sind in der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein im Jahr 2017 5,992 Mio. Tonnen Siedlungsabfälle angefallen. Das sind mehr als 700 Kilogramm pro Person. Etwas mehr als die Hälfte wird rezykliert und der Rest verbrannt. «Immer mehr Menschen kämpfen gegen die Abfallberge und achten auf einen umwelt- und ressourcenschonenden Lebensmitteleinkauf», sagt In­grid Caviezel, Caviezel Molkerei und Mosterei St. Margrethen. Kunden brächten ihre eigenen Behälter mit, seien es Eierschachteln, Plastik- und Glasbehälter oder Gemüsesäcke.

«Wir haben unsere Kunden noch nicht dazu angehalten, eigene Behälter mitzubringen», sagt Esther Ulmann, Filialleiterin Carna Center Heerbrugg. Bis jetzt sei dies jedoch sehr selten der Fall gewesen. Reto Inauen, Inhaber der Metzgerei Ritter AG in Altstätten, begrüsst das plastiklose Einkaufen, verweist aber darauf, dass die Hygienevorschriften eingehalten werden müssen. «Die Qualität der Lebensmittel darf unter keinen Umständen darunter leiden.» Alle Produkte dreifach einzupacken sei ebenso suboptimal, wie das Fleisch ohne Verpackung zu verkaufen. Der Metzger weiss, dass lediglich fünf bis sechs Kunden ihre eigenen Boxen und Stofftaschen mitbringen, um Fleischware darin einpacken zu lassen. Er sei offen für neue Verpackungen und Möglichkeiten, Kunststoff zu vermeiden. Nebst den Hygienevorschriften spielen die Kundenwünsche und die Produktpreise für z. B. Ökotaschen eine gewichtige Rolle in seinen Bemühungen.

Plastikfreie Verpackungen sind teuer

«Ökotaschen kosten viermal mehr als Plastiktaschen», sagt Reto Inauen, «solange diese Preisdiskrepanz besteht, fehlen die Anreize, auf die ökologischen Alternativen umzusteigen.» Für Esther Ulmann stehen die Kundenbedürfnisse vor dem Umweltschutz: «Natürlich sind wir als Privatunternehmen gewinnorientiert, dennoch sind uns Umweltschutz und Nachhaltigkeit ein grosses Anliegen.» Um eine Kontamination der Fleischwaren zu vermeiden, habe die Einhaltung der Hygienerichtlinien Priorität. Stefanie Manser von der Chäsi Manser in Altstätten möchte die Kundschaft zu einem Umdenken anregen. Wenige Kunden bringen ihre eigenen Behälter mit. Aber immer mehr Kunden kaufen Rohmilch, Joghurt oder Quark im Glas. «Uns ist es wichtig, dass wir, aufgrund des Zero-Waste-Gedankens nicht Food-Waste produzieren», sagt die Käsemeisterin. Daher sei es wichtig, dass unterschiedliche Käsesorten in separaten Boxen oder Gläser abgepackt werden. Für Halbhartkäse eignen sich Bienenwachstücher und für Reib­käse grosse Gläser.

Hygienerichtlinien stehen an erster Stelle

Ob Metzgerei oder Käserei, die Lebensmittelhygiene ist unantastbar. «Als Mitglied im Metzgereifachverband der Schweiz haben wir uns verpflichtet, die aufgestellten Hygieneleitlinien einzuhalten», sagt Esther Ulmann. Reto Inauen ist klar, Lebensmittel brauchen einen gewissen Schutz. Damit lasse sich nicht nur die Hygiene, sondern auch die Haltbarkeit und die Qualität erhöhen. Walter Kast, Inhaber Kast Metzgerei, Berneck, sieht bei seinen Kunden kein Bedürfnis, Fleischerzeugnisse in mitgebrachte Behälter zu verstauen. «Die Kunden erwarten in der Metzgerei sichere Lebensmittel. Der Kampf gegen das Plastik müsse woanders ausgefochten werden.» Käme es bei den Produzenten der Molkerei Caviezel zu einem Umdenken und würden sie ökologischer verpacken, wäre Ingrid Caviezel sofort dabei. «Wichtig ist, dass die Qualität der Produkte nicht beeinträchtigt wird.» Gemäss dem St. Galler Kantonschemiker Pius Kölbener sind die rechtlichen Anforderungen an Lebensmittelverpackungen so, dass das Lebensmittel durch die Verpackung nicht nachteilig beeinflusst werden darf. «Aus welchem Material die Verpackung besteht – Plastik, Alufolie oder beschichtetes Papier – darüber gibt es keine spezifischen Anforderungen.» Sofern die mitgebrachten Boxen gereinigt sind und sie nicht über offene Lebensmittel hinweg gereicht werden, bestehen keine Probleme. Aktuell sind Pius Kölbener wie Susanne Köhler, Kommunikations- verantwortliche des Schweizerischen Verpackungsinstituts (VPI) keine alternativen Verpackungen bekannt, bei denen der Lebensmittelschutz analog zur Barrieretechnologie bei Kunststoffverpackungen gewährleistet wird.

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