Leben in Schachteln oder im Cabrio

Aus christlicher Sicht

Christian Wermbter
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Fest verzurrt: Langer Neapolitaner. (Bild: Urs Stieger)

Fest verzurrt: Langer Neapolitaner. (Bild: Urs Stieger)

«Wir wohnen in Schachteln, wir arbeiten in Schachteln und am Ende, wenn dann alles aus ist, liegen wir wieder in einer Schachtel. Wem das reicht – dem wird unser Cabrio nichts bedeuten.»

Dazu zeigt der Werbespot im Fernsehen graue Schachteln, mal eher breit und mal eher hoch – und am Ende das klassische Sarg-Format: Zwei Meter mal siebzig Zentimeter. Dazwischen allerdings jagt ein metallic-rotes Cabrio durch das Bild, kreuz und quer. Lebendiges gegen Statisches, das tolle Auto gegen blödes graues Einerlei.

Sicher gibt es etwas Schöneres als 08/15-Wohnungen aus dem Katalog oder die genormten Arbeitsplätze in seelenlosen Bürocontainern. Und natürlich: Im Sarg lässt sich nicht Autofahren. Aber ob das wahre Leben durch ein rasend gefahrenes Cabrio repräsentiert wird; da gibt’s doch Zweifel anzumelden.

Werbung darf übertreiben – klar, aber ein Sportwagen als Überlebensmittel, gegen das Schachtelwohnen und Schachtelarbeiten, gar gegen die Sargschachtel, das ist doch zu platt. Zudem: Wer sagt denn, dass in den Schachteln nur Einerlei herrscht? Und dass am Ende «alles aus ist», ist das wirklich ausgemacht?

Vielleicht ist das Leben jenseits der Schachteln immer noch möglich, dann – und auch schon jetzt.

Viele suchen und versuchen das. In der Hoffnung, dass die vielen Baukräne und Baustellen keine neuen Schachteln, sondern hübsche Häuser und Wohnungen, besonders auch für Einheimische, zum Vorschein bringen. Da ist noch viel Leben und Buntheit und Kreativität drin!

Oder auch gerade jetzt, in der, von der reformierten und katholischen Landeskirche, gefeierten Schöpfungszeit, in der aus Liebe und Dankbarkeit der Erde ge­genüber zu konkretem, vielfältigem Handeln aufgemuntert wird: Energiesparen, Energieeffizienz steigern und die erneuerbaren Energiequellen fördern! Jede Solaranlage im sonnigen Kanton St. Gallen ist ein Symbol für diese neue Blüte des Lebens.

So werden unsere grauen Schachteln wieder farbig und bunt. Dafür braucht es kein Cabrio – vielleicht nur ein paar Freunde, eine Aufgabe, die fesselt, und ein freundliches Dankeschön ab und an.

Also, die Energie lieber zum Erhalt des Schöpferischen einsetzen!

Viel Freude dabei!

Christian Wermbter

Pfarrer in Rheineck

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