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Leasing-Porsche verkauft

Das Kreisgericht Rheintal sprach am Mittwoch einen Mann schuldig, der in Serbien einen Autodiebstahl vorgetäuscht hatte. Er wollte Versicherungsgelder einstreichen, die ihm nicht zustanden.
Remo Zollinger

Der 28-jährige Rheintaler Kleinunternehmer hatte im November 2011 bei der Polizei eine Diebstahl-Anzeige für einen geleasten Porsche Cayenne aufgegeben. Das Auto sei ihm in den Wochen davor in seiner Heimat in Südserbien, wo er ihn parkiert hatte, gestohlen worden. Bemerkt habe er dies, als er einige Wochen nach einem Familienurlaub mit einem Freund aus Rebstein nach Serbien reiste, um den Sportwagen wieder zu holen, er ihn dort aber nicht wieder fand.

Weil sich der Familienvater im Verlauf der Befragung in Widersprüche verstrickte, verurteilte ihn das Gericht nach der Forderung des Staatsanwaltes zu 180 Tagessätzen à 60 Franken auf Bewährung, bei einer Probezeit von vier Jahren. Zudem erhielt er eine Busse von 400 Franken und muss die Verfahrenskosten übernehmen. Auch die Zivilforderung der Versicherung wurde – leicht reduziert – gutgeheissen. Sie erhält zudem eine Entschädigung für ihren anwaltlichen Aufwand.

Rätselhafte Verletzung, keine Einbruchsspuren

Der Angeklagte gab an, im Sommer 2011 mit seiner Familie in zwei Autos nach Serbien gefahren zu sein. Dort habe sein Vater sich den Fuss gebrochen, weshalb er nicht zurückfahren konnte. Er liess den Porsche dort stehen, während die Familie in einem Auto zurück reiste.

Dies stimmt nicht mit den Spitalakten überein: Nach diesen zog sich der Vater die Verletzung schon vor der Abreise zu und wurde auch noch zuvor operiert. Kurz nach der Rückkehr habe eine Folgeuntersuchung keine weiteren Verletzungen ergeben. Im Gegenteil, der Heilungsprozess verlief geradezu optimal. Mit ein Grund für das Urteil waren fehlende Einbruchsspuren am Haus, aus dem das Auto angeblich gestohlen worden war. Der Angeklagte sagte, es sei aus der Garage entwendet worden, wobei weder das Garagentor noch die Tür zur Garage Spuren einer Gewaltanwendung aufgewiesen haben. Die Tür sei nur von der Garage her geöffnet worden, mit Werkzeug, das schon da war. «Warum soll ein Dieb sich die Mühe machen, nach gelungenem Diebstahl das Garagentor wieder fein säuberlich zu verschliessen?», fragte der Richter beinahe rhetorisch. Der Angeklagte konnte diese Frage nicht beantworten.

Auch am Auto fanden sich keine Aufbruchspuren. Der Wagen wurde – brisanterweise am gleichen Tag, an dem der Angeklagte bei der Polizei Anzeige erstattete – in Deutschland gefunden. Ein Mann aus Hockenheim hatte das Auto online erstanden und durfte es behalten, weil sein guter Glaube beim Kauf nicht angezweifelt wurde. Er wusste nichts von der turbulenten Vorgeschichte seines Porsches.

Die erfolglose Suche nach dem zweiten Schlüssel

Der Dieb musste einen Schlüssel gehabt haben, um das Auto zu fahren. Die Frage, woher er diesen hatte, beantwortete niemand. Der Angeklagte sagte, er habe beim Autokauf nur einen Schlüssel erhalten, ein zweiter sei später geliefert worden. Die Verteidigung vermutete, dass in der Zeit eine Kopie gefertigt wurde.

«Dann müsste der Dieb ja immer gewusst haben, wo sich das Auto gerade befindet – das halte ich für unwahrscheinlich, zumal es ja spontan in Serbien geblieben sein soll», sagte der Richter. Dazu kommt, dass am Bart eines Schlüssels des Angeklagten Spuren einer Kopier-Fräsmaschine gefunden wurden. Den zweiten Schlüssel habe er verloren, sagte der Beschuldigte.

Die Verteidigung berief sich auf mangelnde Beweismittelaufnahme. Es seien weder der Autoimporteur noch der Schlüssel-Kopierer oder die polnischen Zwischenhändler je befragt worden. Ohnehin klaffe in der Zeit zwischen Ferien-Rückkehr und Wiederauftauchen des Autos ein grosses Loch, die Zwischenwege des Wagens würden fehlen und «wären noch interessant», sagte der Verteidiger.

Der Angeklagte sei zudem zu Ereignissen befragt worden, über die er nichts sagen könne, weil er nicht da gewesen sei. Auch sei die Sprache bei der Befragung ein Problem gewesen: Der Angeklagte blieb zwar stets ruhig, muckte nie auf, verstand aber viele Fragen nicht. Als ihm sein Verteidiger bei «Übersetzung» und Beantwortung helfen wollte, wurde er vom Richter zurechtgewiesen. Dieser wiederum war über die vielen «Ich weiss nicht»-Antworten des Beschuldigten nicht erfreut und wirkte hin und wieder etwas ungeduldig.

Die Argumente der Verteidigung stiessen beim Gericht nicht auf offene Ohren. Es verurteilte den Angeklagten in vier Punkten: Veruntreuung, versuchter Betrug, Irreführung der Rechtspflege zum Nachteil von Versicherung und Leasinggesellschaft sowie Übertretung der Verkehrsregelverordnung. Letzteres – das Versäumen einer Abgaskontrolle – hatte der Beschuldigte übrigens ohne Gegenrede eingestanden.

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