Interview

Lea Herrsche: «Es war richtig, Social Media zu löschen»

Tschüss Instagram und Facebook: Seit bald drei Jahren ist die erfolgreiche Kugelstösserin Lea Herrsche aus Montlingen nicht mehr auf Social Media aktiv.

Hildegard Bickel
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«Offline» tut ihr gut: Lea Herrsche stieg bei Social Media aus.

«Offline» tut ihr gut: Lea Herrsche stieg bei Social Media aus.

pd

Lea Herrsche, wie fühlte es sich an, als Sie Ihre Social Media Accounts gelöscht haben?

Lea Herrsche: Ich befürchtete zuerst, dass ich mich von einem Infofluss abschneide. Doch ich bin froh, habe ich diesen Schritt gemacht. Wenn ich manchmal erfahre, welche Themen gerade auf Social Media kursieren, denke ich oft: «Das muss ich nun wirklich nicht auch noch wissen.»

Warum wollten Sie nicht mehr dabei sein?

Auslöser waren Viren bei Facebook. Plötzlich wurden Pornoseiten an meine Kollegen verschickt. Das reichte mir und ich löschte mein Profil. Bei Instagram folgte ich Sportlern und Foodbloggern. Es wurden immer mehr. Ich wollte wissen, wie sie trainieren. Dabei liess ich mich blenden von den Momentaufnahmen, die perfekt in Szene gesetzt waren. Der ständige Vergleich mit den Trainingsfortschritten anderer wurde mir zu viel.

Wie hat sich das bei Ihnen ausgewirkt?

Ich setzte mir hohe Ziele und spürte nicht mehr, was mir eigentlich gut tut. Die Vergleiche machten mich unzufrieden. Ich wollte Übungen von Kraftsportlern in mein Training einbauen, doch das sind Profis. Ich hingegen arbeite 80 Prozent und betreibe den Sport in der Freizeit mit sechs bis acht Trainings pro Woche. Meine eigenen Bedürfnisse rückten in den Hintergrund. Ich musste wieder mich selber finden. Deshalb verabschiedete ich mich von Instagram.

Das war vor drei Jahren. Können Sie sich heute vorstellen, wieder aktiv zu werden?

Nein, im Gegenteil. Am liebsten würde ich auch WhatsApp löschen. Da wir aber im Verein in Gruppenchats oft Termine austauschen, möchte ich nicht darauf verzichten. Es wäre umständlich, wenn man mich auf anderen Kanälen erreichen müsste. Mein Freund hingegen ist seit einem Jahr nur noch per SMS und Telefon erreichbar. Bei ihm geht das ganz gut.

Wie oft schauen Sie aufs Handy?

Meistens am Mittag und am Abend. Dazwischen verbringe ich kaum Zeit am Handy. Meine Freunde und Familie wissen das und stören sich nicht daran, wenn ich mal spät antworte. Grundsätzlich telefoniere ich lieber.

Viele Sportler stellen sich auf einer Website vor. Zu Ihnen führt aber kein Link.

Ich werde manchmal gefragt, ob ich eine persönliche Website mit Fotos, Berichten und Resultaten betreibe. «Du musst doch up to date sein», sagt man mir. Das lasse ich aber bewusst bleiben. Das wäre zwar betreffend Sponsorenverpflichtungen interessant, doch es gibt auch andere Möglichkeiten. Logos sind beispielsweise auf meinem Auto und den Sportkleidern platziert.