LAUFSPORT: Zwischen Leidenschaft und Wahnsinn

Felix Benz und Roger Coray zeigen beim fünften Eiger Ultra Trail mit Start und Ziel in Grindelwald Glanzleistungen. In weniger als 20 Stunden haben sie 101 Kilometer mit 6700 Metern Höhenunterschied bewältigt. Auch Wendy Widmer hat’s geschafft.

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Über Stock und Stein: Der Eiger Ultra Trail führte Felix Benz durch die spektakuläre Berner Berglandschaft. (Bild: pd)

Über Stock und Stein: Der Eiger Ultra Trail führte Felix Benz durch die spektakuläre Berner Berglandschaft. (Bild: pd)

Wer bei der fünften Austragung des Eiger Ultra Trails eine Startnummer für den E101, die Königsdistanz dieses Events, bekommen wollte, musste sich schon im letzten Herbst darum bemühen. Die Veranstaltung im Berner Oberland ist Bestandteil der Ultra-Trail World Tour und so war das Kontingent innert wenigen Stunden bereits ausverkauft. Schliesslich reisten 2600 Läuferinnen und Läufer aus 67 Ländern an den Event, an dem Streckenlängen von 16, 35, 51 oder 101 Kilometer im Laufprogramm stehen.

Eine sehr gute körperliche Verfassung und Erfahrungen im Trail Running sind Grundvoraussetzungen für die Bewältigung der 101 Kilometer langen Strecke des Eiger Ultra Trails. Die Extremsportler laufen den grössten Teil und damit über längere Zeit in einer Höhe von über 2000 Meter über Meer und bewältigen dabei Auf- und Abstiege von total 6700 Meter.

Über die Schynige Platte und das Lauberhorn

Grosse Scheidegg, Kleine Scheidegg, First, Faulhorn, Schy- nigi Platte, Wengen, Männli-chen, Lauberhorn, Hundschopf, Pfingstegg: Das sind die bekanntesten Berge und Aussichtspunkte, die auf dem spektakulären Rundkurs mit Start und Ziel in Grindelwald angelaufen werden. Dazu kommen die Moräne hinauf zum Eigergletscher und der Trail am Fuss der Eigernordwand.

Obwohl die Wetterbedingungen optimal waren, haben nur 480 der 700 gestarteten Läuferinnen und Läufer das Ziel innerhalb der maximalen Laufzeit von 26 Stunden erreicht. Die schnellste Zeit des Tages, beziehungsweise der neue Streckenrekord von elf Stunden und einer Minute, erzielte der Deutsche Stephan Hugenschmidt.

Felix Benz und Roger Coray voll in ihrem Element

Schon bei manchen Ultra-Bergläufen haben Felix Benz (Heerbrugg) und Roger Coray (Altstätten) bewiesen, dass sie imstande sind, die Herausforderung zu meistern. Auch den Eiger Ultra Trail haben die beiden schon drei Mal beendet. Aber auch noch so grosse Erfahrungen sind in dieser Szene keine Garantie für wiederkehrende Erfolge. Ein Ultralauf ist immer ein Abenteuer, schnell ist ein Sturz passiert oder Kopf und Körper spielen eine unpassende Rolle. Doch Benz und Coray blieben von gröberen Unannehmlichkeiten verschont und zogen ihr Ding durch. Sie genossen die letzten Sonnenstrahlen auf dem Trail am Fusse des Eigers, bevor die Stirnlampen auf den letzten Kilometern zum Einsatz kamen. Noch vor Mitternacht erreichte Felix Benz mit einer Laufzeit von 19 Stunden und 22 Minuten als 207. Läufer das Ziel. Zehn Minuten später hatte auch Roger Coray die Herkulesaufgabe gemeistert und bekam die Finishermedaille – beim Eiger Ultra war diese ein Stück Eigerfels – umgehängt.

In ihrer Alterskategorie sind die beiden auf den Plätzen 25 und 27 bei über 80 Athleten rangiert. Auch René Edelmann aus Berneck hat das Rennen nach 22 Stunden und 42 Minuten an 321. Stelle der Rangliste beendet.

Auch Wendy Widmer hat das Ziel erreicht

In den vergangenen Austragungen waren die von der Rennleitung festgelegten Zeitlimiten für den Extremlauf über 101 Kilo­meter für Wendy Widmer noch zu ambitioniert. Wegen der bisherigen Erfahrungen und des verbesserten Leistungsvermögens versuchte es die Altstätterin in diesem Jahr erneut – und sie passierte alle Teilabschnitte innert der maximalen Zeitlimiten. Wendy Widmer beendete damit den Lauf deutlich vor Kontrollschluss.

Was den Athleten eine solche Finisherauszeichnung bedeutet, wird erst klar, wenn sie jemand nicht bekommt. Dies ist Nadine Schmied aus Widnau passiert. Sie musste den Wettkampf in Wengen nach rund sechzig Kilometern und 13 Stunden Laufzeit aufgeben. (pd)