«Lasst die Schule beginnen»: Der Schulstart in Diepoldsau gestaltet sich anderers als sonst

Die Erstklässler in Diepoldsau sollen einen unbeschwerten Schulstart erleben dürfen, auch unter besonderen Umständen.

Hildegard Bickel
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Die Lehrerin Nadja Juen hält die Leuchtstreifen für die «Mitteldorf»-Erstklässler bereit.

Die Lehrerin Nadja Juen hält die Leuchtstreifen für die «Mitteldorf»-Erstklässler bereit.

Bilder: hb

Der erste Schultag ist im Leben eines Kindes von grosser Bedeutung. «Ich weiss noch, wie aufgeregt und voller Freude ich damals selber war», sagt Nadja Juen, die eine gemischte erste und zweite Klasse im Schulhaus Mitteldorf unterrichtet. Deshalb ist es der 42- Jährigen am wichtigsten, ihre Schüler mit positiven Gefühlen in den Unterricht aufzunehmen und ihre Neugierde und Freude zu wecken.

Zur Begrüssung wird sie aus einem Buch vorlesen, mit ihnen singen und Kennenlernspiele ohne Berührungen spielen. Was auf keinen Fall fehlen darf, sind die ersten Hausaufgaben. «Die Kinder wären enttäuscht, gäbe es keine.»

Wermutstropfen betrifft die Eltern

Anders als üblich gestaltet sich die Eröffnungsfeier in der evangelischen Kirche. Nur die Erstklässler und ihre Eltern nehmen teil sowie die Zweitklässler. Es ist zu wenig Platz vorhanden, um alle Primarschüler des Schulhauses Mitteldorf willkommen zu heissen und gleichzeitig die Abstandsregeln einzuhalten. Danach verabschieden sich die Eltern vor dem Schulhaus von ihren Kindern. Die Begleitung ins Schulzimmer ist nicht möglich.

Manche Eltern empfinden dies als Wermutstropfen. «Es ist schade, diesem besonderen Moment nicht beiwohnen zu dürfen», sagt eine Mutter. «Wenn die Kinder sich staunend und voller Stolz zum ersten Mal an ihrem Platz im Schulzimmer einrichten.» Doch das Verständnis überwiegt. «So ist es dieses Jahr nun mal.» Gelegenheit, die Kinder im Schulzimmer zu erleben, ergibt sich voraussichtlich bei den Elternbesuchstagen nach den Herbstferien.

Umgang mit Quarantäne

Im Vorfeld des Schulstarts waren keine Familien bekannt, die sich nach ihrer Ferienrückkehr in Quarantäne befunden haben, sagt Patrick Spirig, Schulratspräsident Diepoldsau. Wenn eine Lehrperson Kenntnis davon bekommt, dass eine Familie in einem Risikoland Ferien verbrachte, soll nachgefragt werden, wann die Rückreise erfolgte und ob die Quarantäne eingehalten wurde. Allenfalls müssten Kinder nach Hause geschickt werden. Jedoch sei von Bussen abzusehen, so die Empfehlung des Amtes für Volksschule. Eltern müssten aber mit Verwarnungen rechnen, da sie in der Pflicht stehen und ihrem Kind die Schule nicht vorenthalten dürfen. (hb)

Andere Schulgemeinden bitten darum, nur eine Bezugsperson pro Familie solle das Kind begleiten, zudem besteht im Schulzimmer für die Erwachsenen Maskenpflicht.

Keine wesentlichen Änderungen

Mit den Schülern die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten, gehört mittlerweile zum Alltag. «Sie sind bereits Coronaexperten», sagt Nadja Juen. «Die Erstklässler kennen die Verhaltensregeln aus dem Kindergarten.» Hände werden nicht geschüttelt, dafür umso öfter gewaschen. Nach jeder Stunde klingelt der Wecker zum Lüften – und am Ende eines Schultages werden die Pulte desinfiziert. Das habe sich in den Monaten vor den Ferien eingependelt und werde weiterhin umgesetzt.

Sie sei froh, bestehe keine Maskenpflicht, sagt sie. Dies würde das Lesen- und Schreibenlernen anhand der Mundbilder enorm beeinträchtigen. Im Schulzimmer erinnern nur ein paar Abstandsmarkierungen am Boden an die Coronasituation. Ansonsten verzieren leuchtend gelbe Sonnenblumen aus Papier die Fenster, und für jedes Kind liegt ein Stift mit einer Botschaft guter Wünsche bereit.