Lang lebe der Lüchinger König

Der STV Lüchingen rief das Königreich Lüchingen aus. Eine bunte und wirblige Schau mit vielen bitterbös-kabarettistischen Anspielungen auf die Realität. Die Lüchinger Turner boten am Samstagabend beste Unterhaltung.

Max Pflüger
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Stramme Bauern machen sich fit für die Revolution.

Stramme Bauern machen sich fit für die Revolution.

LÜCHINGEN. Wer hätte das gedacht: Lüchingen ist von der Schweizer Landkarte gestrichen. Und die staatenlos gewordenen Lüchinger wählen sich einen König. Ob das gut geht? Für den STV Lüchingen ist es jedenfalls ein prächtiges Konzept zu einem Unterhaltungsabend mit viel tänzerischem Charme und deftigem Witz, wobei Ähnlichkeiten mit lebenden Persönlichkeiten und Gegebenheiten durchaus erwünscht und gesucht waren.

Der Weg zum Königreich

Was auf einen zukommt, das liess am ersten Unterhaltungsabend vom Samstag bei der Begrüssung auch Präsident Thomas Steiger offen: «Lasst euch überraschen.» Den Gästen vom zweiten Unterhaltungsabend am kommenden Samstag, 19. November, müssen wir einen Teil dieses Vergnügens mit unserem Bericht nehmen. Aber keine Angst! Es bleiben im Text noch verblüffende Wendungen, Gags und Überraschungen zur Genüge unerwähnt.

Die Vorgaben sind erschreckend: Infolge eines Softwarefehlers ist Lüchingen in den Computern der Bundeshauptstadt schlicht und einfach verschwunden. Und wegen der Einsprache eines Beschwerdeführers aus der Stadt Altstätten kann der Fehler bis auf Weiteres auch nicht behoben werden: Lüchingen gehört nicht mehr zur Schweiz.

Aber die Lüchinger wären nicht die Lüchinger, wenn sie sich nicht zu helfen wüssten. Rasch ist die LVP, die Lüchinger Volkspartei gegründet, «aus Liebe zu Lüchingen». Und schnell kommen die Lüchinger auf die Idee, einen König zu wählen. Die Wahl fällt auf den Lokalbanker Charly, der als King Charles I. von und zu Lüchingen auf Schloss Neu-Neulüchingen einzieht. In munteren Reigen wird die Wahl vom Muki-Turnen und von den KiTu-Kindern, alles stolze, kleine Lüchinger Könige, dargestellt. Zügig wird die Geschichte weitererzählt. Lüchingen erlebt den Aufschwung. Ein Fitnessstudio lehrt alle Sportarten, vom Boxen über Unihockey, Langlauf und Fussball bis hin zu eleganter Ballgymnastik. Sogar eine Schauspielschule wird gegründet, wie die Jugendriegen in ihren Auftritten zeigen. Schliesslich muss aber auch eine Königin her. Die Mädchenriegen tanzen vor dem König, der nun die Wahl hat. Dann wird Hochzeit gefeiert. Damit endet der erste, der dem turnerischen Nachwuchs gewidmete Teil des Abends.

Der König wird zur Groteske

Nach der Pause kommen die «grossen» Turner zum Einsatz. Die Rahmenhandlung zeigt auf, wie der König immer mehr den Boden unter den Füssen verliert, abhebt und zum selbstgefälligen und egoistischen Machthaber wird. Unverkennbar wird er mit seinen grandiosen Gesten und seinem «arabischen» Gestammel zur selbstverliebten Wiedergeburt des ehemaligen libyschen Machthabers Gaddafi.

Doch da stürmen die Aktiven als wütende Bauern mit Mistgabeln das Schloss, und die Guillotine wird in Stellung gefahren. Beeindruckend an der Revolutions-Nummer sind die Barrenübungen, die die Turner an von Kameraden gehaltenen Besenstielen zeigen. Da paaren sich perfekt gelungenes Theater und tänzerischer Schwung mit der Kraft und Eleganz turnerischer Topleistung.

Doch König Charles überlebt die Revolution, und er empfängt eine Delegation aus Arabien: schillernde Tanzszenen aus 1001 Nacht mit der Männerriege und der Damenriege. Schliesslich beruhigt Charles sein Volk mit einer rauschenden Ballnacht, die der Frauenriege zum Anlass für eine beschwingte und farbenprächtige Tanznummer als Höhe- und Schlusspunkt der gelungenen Turnerunterhaltung dient.

Eine rauschende Ballnacht auf Schloss Neu-Neulüchingen.

Eine rauschende Ballnacht auf Schloss Neu-Neulüchingen.

Viele kleine Könige stellen sich den Lüchingern zur Auswahl. (Bilder: Max Pflüger)

Viele kleine Könige stellen sich den Lüchingern zur Auswahl. (Bilder: Max Pflüger)