Landwirtschaftsböden sollen in Au und Berneck dem Hochwasserschutz dienen

Der Hochwasserschutz in Au und Berneck ist hochkomplex – zum Hauptprojekt gehören mehrere Begleitprojekte.

Hören
Drucken
Teilen
Nicht immer ist der Littenbach so ruhig wie hier.

Nicht immer ist der Littenbach so ruhig wie hier.

Bild: Archiv/kla

(gk) Nach den Hochwassern 1998 und 2002 haben Au und Berneck die Projektgruppe Hochwasserschutz Littenbach-Äächeli eingesetzt. Sie besteht aus den Gemeindepräsidenten, je einem Gemeinderat sowie Spezialisten des kantonalen Tiefbauamts. Reto Walser ist als Bauherrenvertreter dabei. Die IUB Engineering, Bern, erarbeitet derzeit mit weiteren Fachplanern das Auflageprojekt.

Zehn Informationstafeln und eine neue Homepage

Die Gruppe begleitete 2019 das Auflageprojekt und lud zu einem Infoanlass ein. Neu sollen neben bisheriger Informationskanälen an rund zehn Standorten Tafeln über das Projekt orientieren. Die erste steht in der Papieri Berneck, erklärt das Konzept und die Funktion des Holzrückhalts. Weiter geht im Sommer die Website www.littenbach.ch mit projektrelevanten Inhalten online.

2020 wird das Auflageprojekt weiter ausgearbeitet. Es sieht vor, Landwirtschaftsflächen im Bereich Emseren/Kloteren bei Hochwasser als Retentionsflächen zu brauchen und sie deshalb auszuscheiden. Um dies bestmöglich auszugleichen, sind Meliorationsmassnahmen geplant. Sie umfassen die Ausgleichung von Geländemulden und den Einbau von Drainageleitungen. Die Eigentümer der Grundstücke wurden 2018 informiert, bis Mitte Januar 2019 haben meisten Grundeigentümer, die über die Mehrheit der Flächen verfügen, zugestimmt. Damit binden sie sich vorerst für das Planungsprojekt, nicht aber für das Meliorationsprojekt.

Die Gemeinderäte genehmigten Meliorationsverfahren und Beizugsgebiet samt Statuten im August 2019. Beizugsgebiet, Statuten und Ratsbeschlüsse lagen öffentlich auf. In der Auflagefrist ist eine Einsprache eingegangen; sie wurde später zurückgezogen. Das St.Galler Landwirtschaftsamt hat das Gebiet inzwischen genehmigt. Derzeit werden die Ergebnisse aus Einzelgesprächen mit den Bewirtschaftern ausgewertet. So soll bis Sommer ein konkretes Vorprojekt ausgearbeitet werden. Grundeigentümer und Bewirtschafter, die von baulichen Massnahmen betroffen sind, werden einbezogen. Bevor das Meliorationsprojekt umgesetzt werden kann, ist eine weitere öffentliche Auflage nötig.

Seit Beginn der Planungen 2001 haben Au und Berneck über acht Mio. Franken in den Hochwasserschutz investiert. Bund und Kanton haben bislang rund drei Mio. Subventionen an vorgezogene Massnahmen bezahlt.

Bund und Kanton bezahlen zwei Drittel

Das Vorprojekt geht von geschätzten Kosten von über 32 Mio. Franken aus. An diesen beteiligen sich Bund und Kanton mit rund 66%, den Rest finanzieren Au und Berneck.

Vorabklärungen zeigten, wie komplex die Ausgangslage ist und dass nicht alles mit einer Massnahme gelöst werden kann. Deshalb enthält das Projekt eine Palette davon. Dazu gehört mehr Rückhalteraum für Holz und Geschiebe, der Gerinneausbau und der Wasserrückhalt in Retentionsräumen.

Bisher wurde vor zehn Jahren das Volumen des Kiesfangs Schlossbrücke vergrössert und mit einer neuen Sperre die Strömung beim Durchlass verbessert. Zudem wurde das Gerinne vom Kiesfang bis zur Brücke Indermaur für die Dimensionierungswassermenge ausgebaut. Seit Dezember 2009 ist die Geschiebe- und Holzrückhalteanlage Dürrenbommert in Betrieb. Dann wurden Brücken über den Littenbach ersetzt und Ende 2018 der Holzrückhalt Papieri fertiggestellt.

Die Querschnitte der drei Gewässer könnten die Wassermenge eines 100-jährigen Hochwassers nicht ableiten. Weil im unteren Bereich des Littenbachs Platz für einen Gerinneausbau fehlt, muss die Abflussmenge im Bach reduziert werden. Dies soll mit einer Ausleitung über ein Drosselbauwerk bei der Schlossbrücke mit Stollen Rosenberg und der Retention im Kloteren geschehen. Dafür müssen neben dem Littenbach auch das Äächeli und der Hinterburgbach ausgebaut werden. Mit dem Projekt ist der Gewässerraum mit einem Sondernutzungsplan festzulegen.