Land der Appenzeller Kultur

Das Ausserrhoder Amt für Kultur und die Ausserrhodische Kulturstiftung lancieren die Internet-Plattform Literaturland.

Michael Genova
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AUSSERRHODEN. Ein Schreibwettbewerb und eine Appenzeller Anthologie sollen das literarische Schaffen im Kanton sichtbar machen

Die Gäste im Buchensaal in Speicher konnten nicht ahnen, dass sie am Mittwochabend Zeugen einer Staatsgründung würden. Zu Fanfarenklängen verkündete die Schriftstellerin Monika Slamanig: «Wir rufen hiermit offiziell das neue Land aus.» Damit meinte sie die neue Internetplattform Literaturland.ch, die das Ausserrhoder Amt für Kultur an der jährlichen Kulturbegegnung lancierte. Mit der neuen Website schafft das Kulturamt in Zusammenarbeit mit der Ausserrhodischen Kulturstiftung einen Ort für bestehende und entstehende Appenzeller Literatur.

Erster Schreibwettbewerb

Eines der ersten beiden Projekte der Literaturplattform ist ein Ausserrhoder Schreibwettbewerb, der neu ins Leben gerufen wird. Der Wettbewerb richtet sich an Schreibende ab 18 Jahren mit einem persönlichen Bezug zum Kanton Appenzell Ausserrhoden. Projektleiterin Monika Slamanig stellte gleich selbst die kritische Nachfrage, wer bei einem solchen Wettbewerb überhaupt mitmachen solle. «Winzlinge und Randgebiete sind für die Literatur geradezu prädestiniert», sagte sie. Die Abgeschiedenheit des Appenzellerlands verstärke die Dringlichkeit, Geschichten zu erzählen. «Durch das Erzählen ist die Kraft unserer Vorfahren nicht einfach im Boden versickert, sondern es hat ihren Geist beflügelt.»

Das Thema des ersten Wettbewerbs lautet «Aussicht». Die Organisatoren hoffen auf Texte, die «den Horizont weit über die Appenzeller Aussichtspunkte hinaus öffnen.» Für die eingesandten Texte wird ein Jurypreis und ein Publikumspreis vergeben. Beide Preise sind mit je 5000 Franken dotiert. In der Jury sitzen die schweizerisch-deutsche Lyrikerin Nora Gomringer, Karin Sutter-Zurfluh, Leiterin der Bibliothek Teufen, Schriftstellerin Erica Engeler sowie Journalist und Schriftsteller Adrian Riklin. Einsendeschluss für den Wettbewerb ist der 2. Februar.

Die besten Appenzeller Texte

Das zweite Projekt von Literaturland.ch ist die Appenzeller Anthologie. Ein Buch soll die besten Texte mit Bezug zu beiden Appenzell versammeln. Parallel dazu wird im Internet ein Textarchiv entstehen, das eine Übersicht über das appenzellische literarische Schaffen seit 1900 bietet. Zurzeit beschäftigt sich eine sechsköpfige Redaktionskommission mit der Sichtung der Texte. «Über 150 Autoren haben wir bislang zusammengetragen», sagte Mitglied Peter Surber. Im Herbst 2016 soll die Appenzeller Anthologie erscheinen. Vieles ist im Fluss, die endgültige Auswahl der Texte steht noch nicht fest. Eine erste Kostprobe gab es von Peter Surber in Form der möglichen Buchkapitel: «Ankommen und Abhauen», «Mystik und Miststock», «Köpfe und Kaliber».