Länger als drei Minuten

WIDNAU. Der TV-Journalist Ulrich Tilgner besuchte gestern den Widnauer Wirtschafts-Apéro. Er referierte über Konflikte und Krisenregionen im Nahen Osten und berichtete von seinen Erlebnissen als Auslandskorrespondent. Den Zuhörern gefiel es – obwohl Wirtschaft nicht im Vordergrund stand.

Seraina Hess
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Ulrich Tilgner zog mit seinem anekdotenreichen Vortrag…

Ulrich Tilgner zog mit seinem anekdotenreichen Vortrag…

WIDNAU. Vielleicht war es, weil man ihn aus dem Fernsehen kennt. Oder, weil er reden kann. Weil er Bilder nicht nur auf der Leinwand zeigt, sondern sie mit seinen Erzählungen in den Köpfen der Zuhörerinnen und Zuhörer auslöst.

Ulrich Tilgner, bekannt als Auslandskorrespondent des Schweizer Fernsehens, vermochte dem Publikum am gestrigen Widnauer Wirtschafts-Apéro Themen schmackhaft zu machen, bei denen sonst viele den Sender gewechselt hätten, würden sie in der Tagesschau behandelt.

Tilgner sprach über Korruption, Bevölkerungsstrukturen, Ölpreise. Über das Leben im Iran, in Saudi Arabien, in Syrien und Ägypten. Über seine Erfahrungen als Journalist und Korrespondent in Ländern, die die meisten der 168 Rheintaler Unternehmer im Widebaumsaal niemals besuchen werden.

Journalist statt Ökonom

Schon als die Einladung zum Wirtschafts-Apéro ins Haus flatterte, war manch ein Besucher der gestrigen Veranstaltung erstaunt, dass ein Reporter mit so hohem Bekanntheitsgrad nach Widnau eingeladen wird. Erwartet hätte man vermutlich einen Ökonomen, einen erfolgreichen Unternehmer, nicht aber einen international bekannten Fernseh-Journalisten.

Keine Alltags-Themen

«Zum Wirtschafts-Apéro sind zwar Widnauer Unternehmer eingeladen; dass deshalb auch ein Wirtschafts-Experte referiert, ist nicht Pflicht», sagt Gemeindepräsidentin Christa Köppel.

Alle zwei Jahre findet der Wirtschafts-Apéro statt, mittlerweile zum vierten Mal. Referiert haben bereits Gäste wie der blinde Bergsteiger Andy Holzer oder der Autor und Bergsteiger Oswald Oelz. Wichtig sei dem Gemeinderat, einen Referenten zu finden, der über Themen berichtet, die einen im Alltag kaum tangieren. Tilgner sei dafür die richtige Ansprechperson gewesen: «Er ist engagiert, hat etwas zu sagen und schätzt das breite Publikum», sagt Köppel.

Kaum zu stoppen

Geschätzt hat Ulrich Tilgner das Widnauer Publikum tatsächlich. Mehr als eine halbe Stunde überzog er seinen Vortrag, beantwortete ausführlich Zuhörer-Fragen zu Krisengebieten und Entwicklungshilfe. Hätte man ihn nicht gebremst und auf den anschliessenden Apéro hingewiesen, hätte er vermutlich den ganzen Abend referiert. Oder zumindest länger als üblicherweise in seinen TV-Beiträgen

…die Besucherinnen und Besucher des Wirtschafts-Apéros in seinen Bann. (Bilder: Seraina Hess)

…die Besucherinnen und Besucher des Wirtschafts-Apéros in seinen Bann. (Bilder: Seraina Hess)

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