Kusters Exploit am Kilchberger

Der für den SC Gais schwingende Marcel Kuster aus Altstätten hat sich am Kilchberger Schwinget auf Rang 4b und somit in die Phalanx der ganz Bösen geschwungen. Dieses Ergebnis kam selbst für den 26-Jährigen überraschend.

Yves Solenthaler
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Marcel Kuster (vorne) – hier an einem anderen Fest gegen den Taminataler Fredi Kohler – wirbelte am Sonntag in Kilchberg im positiven Sinn Sägemehl auf. (Archivbild: Emil Bürer)

Marcel Kuster (vorne) – hier an einem anderen Fest gegen den Taminataler Fredi Kohler – wirbelte am Sonntag in Kilchberg im positiven Sinn Sägemehl auf. (Archivbild: Emil Bürer)

SCHWINGEN. Am alle sechs Jahre stattfindenden Kilchberger dürfen nur die 60 bösesten Schwinger antreten. Ausser Kuster, dem in Altstätten aufgewachsenen Appenzeller, befand sich kein Rheintaler in dieser ehrenwerten Gesellschaft.

Kuster war mit dem Ziel angetreten, das volle Programm schwingen zu können: Ungefähr ein Drittel der Teilnehmer musste sich nämlich nach vier Gängen verabschieden. «Dass es nun so gut gelaufen ist, hatte ich nicht erwarten können», sagt der bei der Garage Haltinner in Eichberg beschäftigte Automechaniker.

Kuster früh unter Druck

Auch am Sonntag sah es lange nicht danach aus: Nach einem Sieg im Anschwingen gegen René Suppiger musste sich Kuster nämlich im zweiten und dritten Gang das Sägemehl vom Rücken wischen lassen: Zuerst verlor der Rheintal-Appenzeller gegen den Eidgenossen Matthias Siegenthaler: «Der Thuner ist ein Spitzenschwinger; gegen ihn zu verlieren, ist keine Schande.» Grössere Sorgen bereitete Kuster die folgende Niederlage gegen Sven Schurtenberger: «Er müsste klar in meiner Reichweite liegen. Nach dieser Niederlage war ich unzufrieden.»

Denn sie hatte zur Folge, dass Kuster im vierten Gang bereits einen Final bestreiten musste: Bei einer weiteren Niederlage (und wohl auch bei einem Gestellten) gegen den Hergiswiler Ringer Werner Suppiger – mit Kusters Auftaktgegner nicht verwandt – hätte er vorzeitig die Heimreise antreten müssen. Im Gegensatz zu Fredi Kohler aus Pfäfers, dem einzigen Rheintal-Oberländer am Kilchberger, konnte Kuster dieses Schicksal abwenden: «Ich hatte ihn ziemlich schnell im Sägemehl.» Dafür erhielt der 36-fache Kranzgewinner zum zweiten Mal am Tag die Maximalnote 10. «Normalerweise gewinne ich selten mit dem Maximum», sagt Kuster. In Kilchberg war dies aber gerade umgekehrt: Denn auch im fünften und sechsten Gang erhielt Kuster die Maximalnote.

Seine Meisterleistung folgte im fünften Kampf, in dem er den Nordwestschweizer Eidgenossen Remo Stalder ins Sägemehl beförderte. Im Gang um die Spitzenklassierung besiegte Kuster schliesslich noch den Berner Matthias Aebischer.

«Gegen die meisten dieser Schwinger stehen meine Chancen 50:50», sagt der nur 1,83 m grosse und 100 Kilo schwere Kuster, «dass ich viermal mit einer blanken Zehn gewinnen konnte, ist phantastisch.» Die Spitzenklassierung am Kilchberger ist denn auch der bisherige Karrierehöhepunkt des Schwingers, der schon an drei Kantonalen im Schlussgang stand (aber nie gewann) und dieses Jahr am Nordostschweizer Verbandsfest Dritter wurde. Als Sechster durfte Kuster nach dem Kilchberger vor den Gabentempel – und suchte sich 40 g Gold aus. Diese entsprechen knapp 1500 Franken. Auch das höchste Preisgeld der Karriere? «Für den zweiten Platz am Appenzeller Kantonalen gab es ein Rind, dessen Verkauf hat noch ein bisschen mehr gebracht.»

Klar bester Nicht-Eidgenosse

Vor einem Jahr am Eidgenössischen in Burgdorf hatte Kuster den Kranz knapp verpasst. Mit der Leistung am Kilchberger hätte er diese Auszeichnung geholt – der beste Nicht-Eidgenosse ausser Kuster war Philipp Reusser auf Platz 10e. Er habe seither sicher schwingerische Fortschritte gemacht: «Dafür trainiere ich drei- bis viermal pro Woche – und habe in Gais mit Michael Bless und Raphael Zwyssig auch richtig fordernde Gegner.»

Nach dem Kilchberger hat Kuster das Trainingspensum aber reduziert – Saisonende. «Eigentlich trainieren wir einen Monat gar nicht, spielen nur wöchentlich etwas Unihockey oder Fussball.» So bleibe er etwas in Bewegung. Wenn im Herbst der Saisonaufbau wieder beginnt, ist er dankbar dafür: «Aber zu Beginn werde ich trotzdem wieder etwas schwerer atmen müssen.»