KUNSTRAD: Sie fahren Bilder mit dem Rad

Die Kunstradfahrerinnen des VC Rheineck haben an der EM in Baar ZG die Bronzemedaille gewonnen. Der Erfolg kam ein Jahr früher als geplant, 2017 wollen die vier Kunstradfahrerinnen und Trainer Walter Mazzeo die Medaille vergolden.

Yves Solenthaler
Merken
Drucken
Teilen
Auf Schultern getragen (von links): Nadine Bissegger, Laura Tarneller, Ronja Zünd und Fabienne Haas werden nach dem Gewinn der Bronzemedaille von ihren männlichen Kollegen gefeiert. (Bild: Swiss Cycling)

Auf Schultern getragen (von links): Nadine Bissegger, Laura Tarneller, Ronja Zünd und Fabienne Haas werden nach dem Gewinn der Bronzemedaille von ihren männlichen Kollegen gefeiert. (Bild: Swiss Cycling)

KUNSTRAD. «Vor drei Jahren kamen vier Mädchen zu mir mit dem Ziel, an den Europameisterschaften 2017 eine Medaille zu gewinnen», sagt Walter Mazzeo, Kunstrad-Trainer des Veloclubs Rheineck. Vor einem Jahr schien das Ziel in Gefahr zu geraten: Eine Fahrerin des ursprünglichen Quartetts hängte das Rad an den Nagel, eine andere trat sportlich kürzer und arbeitet nun selbst als Trainerin.

Jede Woche vier Trainings

Was zuerst das Ende eines ambitionierten Plans zu sein schien, erwies sich für die Rheinecker Kunstradfahrerinnen als Glücksfall: Aus der Nachwuchsgruppe wurde die 15-jährige Nadine Bissegger ins erste Team befördert, und von den Sportkolleginnen in Uzwil konnte Fabienne Haas (16-jährig) übernommen werden. Laura Tarneller (16) und Ronja Zünd (17) gehörten von Anfang an zum Rheinecker Quartett.

Den Aufwand, den die vier jungen Frauen betreiben, ist immens. Ausser Ronja Zünd, die im zweiten Lehrjahr ist, besuchen alle noch die Schule. In der Woche wird viermal trainiert: Am Montag, Donnerstag und Samstag in Rheineck, am Mittwoch in Uzwil. Und das ist nicht etwa das Intensivprogramm im Hinblick auf die EM, es ist der reguläre wöchentliche Trainingsplan. Vor der Europameisterschaft haben die vier Kunstradfahrerinnen zusätzlich in Baar trainiert, um sich an den Boden am EM-Ort zu gewöhnen.

«Es braucht sehr viel Zeit und Geduld, um die Figuren – die Kunstradfahrer nennen es Bilder – einzuüben», sagt Mazzeo. Die Bezeichnung «Bilder» erinnert an den Kunstmaler. Auch er braucht nebst einer ruhigen Hand viel Übung für die perfekt präzise Pinselführung.

Bei Kunstradfahrerinnen ist eher die Artistik als die ruhige Hand gefragt – sie müssen aber ihre Bilder genau so präzis fahren, wie sie Kunstmaler malen müssen.

Fernziel ist EM-Gold

Übung macht den (Europa-)Meister, oder wie es Mazzeo formuliert: «Wir müssen weiter daran arbeiten, dass die Risiko-Bilder eben keine Risiko-Bilder mehr sind.» An der EM ist wegen einer verpatzten Figur die Silbermedaille verpasst worden. «Die Basis unserer seit einem Jahr einstudierten Choreographie bleibt auch an der EM 2017 bestehen.»

Aber: Um nebst den Französinnen, die man ohne Fehler hätte schlagen können, auch die deutschen Mädels hinter sich zu lassen, müssen die Schweizerinnen vom Schwierigkeitsgrad her noch etwas drauf packen.

«Deutschland ist unsere Benchmark», sagt Mazzeo – der Massstab. Die Kunstradfahrerinnen und Kunstradfahrer des Deutschen Radbunds (DRB) verfolgen das Ziel, an allen Titelkämpfen die maximale Medaillenausbeute zu gewinnen. Das Kunstrad-Zentrum des DRB befindet sich übrigens in Albstadt (Baden-Württemberg), wo am kommenden Wochenende der Mountainbike-Weltcup stattfindet. «Wir sind aber nahe an den Deutschen», sagt Mazzeo, «bis in einem Jahr wollen wir den noch kleinen Rückstand ganz aufholen.»

Zuerst geht es aber für den VC Rheineck darum, sich überhaupt wieder für die EM zu qualifizieren – die nationale Konkurrenz ist gross, und in diesem Jahr hat sich Rheineck gegen Baar nur hauchdünn durchgesetzt.

Ein wichtiger Wettkampf folgt deshalb am Samstag, 21. Mai, in Schöftland: Dort treten die Rheineckerinnen nun als Favoritinnen zur Schweizer Meisterschaft an. «Unsere vier Kunstradfahrerinnen müssen nun lernen, mit der Favoritenrolle umzugehen», sagt der Trainer.