Kunst ersteigern leicht gemacht

Zum Ersten, zum Zweiten, zum halben Preis. Der Verein art dOséra räumte seinen Fundus auf und bot die Möglichkeit, Kunstwerke von Rheintaler und internationalen Kunstschaffenden zu fairen Preisen zu kaufen.

Hildegard Bickel
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Kuspi führte unterhaltsam durch die Versteigerung. Zahlreiche Bilder zu Discountpreisen fanden einen Käufer. (Bild: hb)

Kuspi führte unterhaltsam durch die Versteigerung. Zahlreiche Bilder zu Discountpreisen fanden einen Käufer. (Bild: hb)

Der Widnauer Künstler Kuspi wartete noch ein paar Minuten, bevor er gestern Sonntagnachmittag mit der angekündigten Versteigerung begann. Er hoffte, dass etwas mehr Besucher in der Galerie art dOséra erscheinen würden. Es blieb bei einer überschaubaren Gruppe. Dafür waren darunter umso mehr Interessierte und Kaufreudige. «Wer zu wenig Geld im Sack hat, kann auch eine Anzahlung machen», sagte Kuspi. Nötig war es nicht. Bereits ab 50 Franken waren Bilder erhältlich. «Soviel kostet allein der Rahmen.» Kuspi gelang es, manch einem Bild zu einem neuen Besitzer zu verhelfen, dank pointiertem Hintergrundwissen. Das Gefühl: «Eigentlich würde mir das noch gefallen», führte zu Spontankäufen.

Bietende schaukelten Preise in die Höhe

Bemerkbar machte sich auch die Psychologie beim Steigern. Sobald mehrere Personen ihren Finger hoch streckten, zogen Tempo und Spannung an. Bei Bildern von Josef Alge oder Aldo Bachmayer flogen die genannten Preise wie Pingpongbälle durch den Raum. Kuspi behielt stets die Übersicht und liess schliesslich den Hammer fallen. «Kasch gad bir Rita zahla und s’Bild mit- neah.» Ohne zu zögern und mit überzeugter Stimme müsse man bieten, bemerkte ein Besucher. «So, dass die anderen merken, dass man das Bild wirklich will.» Die Stellwände leerten sich immer mehr. Am Ende der Veranstaltung klemmten Kunstliebhaber ihre ersteigerten Werke unter die Arme und verabschiedeten sich mit zufriedenen Gesichtern. Sie haben sich soeben ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk beschert.

Die Vereinsmitglieder dürfen zufrieden sein. «Dieses Mal wurde recht gut gekauft», sagte Kuspi, der zweimal pro Jahr eine Versteigerung durchführt. Manchmal kämen zwar mehr Leute, was aber nicht heisst, dass mehr Kunst verkauft wird. Auffällig viele Vereinsmitglieder sicherten sich Bilder, denn: «Künstler sind meistens auch Sammler.» Der Erlös fliesst vollumfänglich in die Kasse des Vereins art dOséra, um das einheimische Kunstschaffen zu unterstützen. Die Werke, die keine Käufer fanden, stellen die Mitglieder zurück in das Archiv und bieten sie bei anderer Gelegenheit dem Publikum an. Beim Flohmarkt nächsten Frühling zum Beispiel.