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Küttel: «Nein, wir schliessen nicht»

Werner Küttel hat zwei Leidenschaften: Er ist Metzgermeister und gibt sein Fachwissen weiter. Seit Beginn des Schuljahres unterrichtet er fünf Wochenlektionen an der Berufsschule. Ausserdem plant er die Nachfolge des Betriebs.
Monika von der Linden
Werner Küttel zeigt Laura Dürr die richtige Technik, mit der ein Metzger das Rohmaterial veredelt. Hier entstehen Cordon bleus. (Bild: Monika von der Linden)

Werner Küttel zeigt Laura Dürr die richtige Technik, mit der ein Metzger das Rohmaterial veredelt. Hier entstehen Cordon bleus. (Bild: Monika von der Linden)

BERNECK. Gerüchte um die Zukunft der Metzgerei Küttel gibt es viele. «Es hat aber noch niemand gesagt, dass wir wegen Reichtum schliessen werden», sagt Werner Küttel und schmunzelt. Sonst erzählt man sich im Dorf wohl alle Ideen als mögliche Wahrheit.

Neuer Metzger angestellt

Richtig ist: Maria und Werner Küttel suchen eine Nachfolge. Sie haben das Fachgeschäft 1999 übernommen und führen es seither mit zehn Mitarbeitenden. Sie strecken erst einmal ihre Fühler aus, suchen ohne Zeitdruck. Ihr Horizont liegt bei zwei bis drei Jahren.

«Am liebsten wäre mir ein fliessender Übergang», sagt Werner Küttel. Er möchte einen Stellvertreter einarbeiten, ihn in seinen Ideen unterstützen und ihm später vielleicht die Geschäftsführung übertragen. Am 1. Juni fängt ein Metzger an. Er wird das Team verstärken. Ob es der gesuchte Kandidat ist, ist noch offen.

Viele Menschen um die fünfzig Jahre wollen sich beruflich neu orientieren. Für einen Selbständigen sei das schwer, sagt Werner Küttel. «Ich habe viele Berufskollegen gesehen, die sich zu wenig gekümmert und plötzlich vor der Pension gestanden haben.» Viele Metzgereien seien deshalb geschlossen worden.

Das soll mit der Metzgerei in Berneck nicht geschehen. Der Betrieb bleibt offen. Wenn irgend möglich, im gleichen Rahmen wie bisher – mit der Herstellung von Fleisch- und Wurstwaren sowie dem Partyservice. Die Mitarbeiter wollen Maria und Werner Küttel nicht auf die Strasse stellen. Deshalb suchen sie eine Lösung, die dem Geschäft, dem Dorf und ihnen selbst dient.

Einsatz für den Berufsstand

«Mein Vater ist mir ein gutes Vorbild. Er übernahm das Geschäft 1964 von seinem Lehrmeister und übergab es uns dreissig Jahre später.» Werner Küttel setzt sich nicht nur für den Fortbestand des Bernecker Geschäfts ein, sondern für den ganzen Berufsstand. Seit jeher bildet er Lehrlinge aus und ist im Fleischfachverband St. Gallen-Liechtenstein (FFV) Lehrlingsobmann und Vizepräsident.

Nun will sich der Metzgermeister schrittweise mehr der Ausbildung von Berufsleuten widmen. Seit Schuljahresbeginn unterrichtet er fünf Wochenlektionen Berufskunde und Fachrechnen an der Berufsschule in Wattwil. Ein Lehrer wurde letzten Sommer pensioniert.

Berufsschullehrer in Wattwil

Als Lehrlingsobmann weiss Küttel, dass die Berufsschule allzu oft als Nebensache gesehen wird: «Ich sehe Prüflinge, die in der Praxis sehr gut abschneiden, aber in der Theorie versagen.» Als Lehrer mit einem Betrieb im Rücken fällt es ihm leicht, den theorielastigen Unterricht attraktiv zu gestalten und viel Praktisches einfliessen zu lassen. So geht Werner Küttel, bevor er dienstags nach Wattwil fährt, schon einmal ins Kühlhaus und nimmt eine Tierlunge für den Anatomieunterricht heraus.

Manchmal kommt sich Werner Küttel vor wie Don Quijote, der versuchte, gegen Windmühlen zu kämpfen. Nämlich dann, wenn er als Handwerker gegen normierte Waren grosser Produzenten bestehen will. «Mir wurde das Fleisch in die Wiege gelegt.» Es fasziniere ihn, aus Lebensmitteln feine Produkte herzustellen, Rohmaterialien zu veredeln.

Er arbeite auch gerne mit jungen Menschen zusammen. «Gebe ich meine Erfahrung und mein Wissen weiter, setze ich mich für den Berufsstand ein.» Denn nur wenn der Beruf bestehen könne, habe die Dorfmetzgerei eine Zukunft. Nicht nur in Berneck.

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