KRIESSERN: Unverhofft abgebrochen

Seit 17 Jahren geniesst Luzi Tscharner erholsame Tage auf dem Campingplatz Sonnensee. Wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Besitzer kam es zur Kündigung des Platzes.

Benjamin Schmid
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Bis vor Kurzem standen hier Wohnwagen mit Anbauten für die Sommercamper am Sonnensee. (Bild: pd)

Bis vor Kurzem standen hier Wohnwagen mit Anbauten für die Sommercamper am Sonnensee. (Bild: pd)

Benjamin Schmid

Der Sonnensee ist idyllisch eingebettet in die Rheintaler Landschaft. Ein Ort zum Erholen und Aufladen der Batterien. «Ich bin all die Jahre immer gern zurückgekommen auf den Campingplatz Sonnensee», sagt Tscharner und ergänzt: «Doch seit einigen Jahren nimmt die Begeisterung stetig ab.» Früher sei vieles anders gewesen. Die Campingverordnung sei nicht überladen gewesen, dafür nachvollziehbar und verständlich.

Mit der Zeit kamen neue Reglemente und Verbote dazu, die sich nachhaltig auf die Stimmung auf dem Campingplatz ausgewirkt hätten. «2006 konnten wir einen Wohnwagen samt Vorbau von einem Vormieter übernehmen. Im letzten Jahrzehnt haben wir kontinuierlich Investitionen getätigt, um unsere Parzelle zu verschönern», erinnert sich Tscharner.

Seit der neuen Campingverordnung vom 1. Januar 2015 sei das Übergeben oder Verkaufen von Wohnwagen und Vorbauten plötzlich nicht mehr möglich gewesen – schlimmer noch: «Neu müssen die aufwendig sanierten und kostenintensiv renovierten Bauten abgerissen werden.» Dies sei bei vielen Campern auf Unverständnis gestossen. Thomas Zünd, Besitzer des Sonnensee Campings, kann die plötzlichen Forderungen und Ansprüche nicht nachvollziehen: «In der Verordnung steht geschrieben, was erlaubt ist und was nicht. Allen Mietern wurde das neue Reglement zum Gegenlesen und Unterzeichnen ausgehändigt. Mit der Unterschrift wurde der Vertrag rechtsgültig und auch rechtskräftig.» Eine Weiterführung der Diskussion sei für ihn daher hinfällig, schliesslich halte er sich nur an bestehendes Recht.

Nicht staatlich, sondern privat autonom

Rechtsanwalt Werner Ritter konkretisiert: «Hier handelt es sich nicht um eine staatliche Verordnung, sondern eine sogenannte privatautonome Willkür.» Dem Besitzer, in diesem Fall Herrn Zünd, stehe es frei, einerseits einen allgemeingültigen Vertrag zu erlassen oder mit jeder einzelnen Partei einen individuell gestalteten Vertrag auszuhandeln. Selbstredend, dass damit ein Hauch von Willkür in der Luft liege, gesetzlich tolerierte Willkür.

Reglemente sollten für alle Gültigkeit haben

Auch wenn es für alteingesessene Camper gewöhnungsbedürftig sei, so lasse das Gesetz keinen Spielraum für Interpretation zu: «Schliesslich hinterlassen Sie die Mietwohnung in der Toskana auch aufgeräumt und ohne ihre Habseligkeiten», sagt Ritter. Beim Campieren sei es analog zu Mietverträgen bei Wohnungen auch normal, dass man die Parzelle nach Beendigung des Mietverhältnisses in einem einwandfreien Zustand übergibt.

Das Zusammenleben auf einem Campingplatz ist immer mit Einschränkungen und Zugeständnissen verbunden. Kaum anderswo leben auf so engem Raum so viele verschiedene Personen nebeneinander. Um all die Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen, bedarf es einiger Regeln, dessen sind sich auch die Camper bewusst. «Was uns enerviert, ist nicht die Tatsache, dass es Regeln gibt, sondern dass sie scheinbar willkürlich erlassen werden. Was für die einen gilt, soll auch für die anderen gelten», sagt Walter Brunner, langjähriger Camper vom Sonnensee, und fügt hinzu: «Manchmal, so scheint es mir, wird hier mit verschiedenen Ellen gemessen.» Für Jurist Ritter ist dies kein Grund, angeprangert zu werden: «Der Eigentümer versucht, mit geeigneten Regeln und Massnahmen einen geordneten Alltag zu gewährleisten.» Darüber hinaus seien die Vorschriften zum Wohle der Camper gedacht und führten zu einem angenehmeren Klima auf dem Campingplatz.

Wie bei allen Verboten sei die Verhältnismässigkeit zu wahren. So seien Haustiere nicht per se verboten, aber um unnötigen Scherereien mit Nachbarn vorzubeugen, nur beschränkt erlaubt. «Bei allen Mietverhältnissen sind die Grenzen des Erlaubten zwischen den Vertragspartnern im Vorfeld auszuloten und zwischenmenschlich zu regeln», nimmt Rechtsanwalt Ritter Stellung.

Über alles könne geredet und diskutiert werden, am Schluss jedoch dürfe allein der Besitzer entscheiden und ein Reglement erlassen. Schliesslich hafte dieser auch für allfällige Missachtungen und Übertretungen. Dessen ungeachtet ist gerade dieser Punkt ausschlaggebend für die derzeitige Kündigungswelle. Viele Mieter kommen mit der Zahl und vor allem der Häufigkeit der Reglementsänderungen nicht zurecht. «In den letzten Jahren hat sich alles rasant verändert. Was vor fünf Jahren noch erlaubt war, ist heute bereits verboten», sagt Eva Wobmann. Sie organisiert derzeit den Abbau ihres Campinghauses am Sonnensee.

Wohlfühl-Atmosphäre ist baden gegangen

Es scheint, als seien die Fronten verhärtet und darunter leidet vor allem die Kommunikation zwischen den Parteien. Früher wurden Probleme miteinander beleuchtet und nach Lösungen gesucht, während es aktuell schon bei den Gesprächen harzt – ein Punkt, den alle Beteiligten unterschreiben können. Natürlich gehen die Emotionen hoch – der Campingplatz Sonnensee ist für alle ein Ort voller schöner Erinnerungen.

Anekdoten und Lebensgeschichten werden damit verbunden. «Ich war gern Gast beim Sonnensee. Nun ist die Stimmung aber auf einem Tiefpunkt angelangt», sagt Tscharner. Er sei enttäuscht und traurig, wie mit ihm als langjährigem Mieter umgesprungen werde.