KRIESSERN: «Es ist, als spielte man Post»

Wo immer die Post eine Schliessung vornimmt, macht sie sich unbeliebt. Aber wie denken vergraulte Kunden ein paar Monate später? Zum Beispiel in Kriessern, wo der Rhybeck nun eine Postagentur betreibt.

Gert Bruderer
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Die Kundin, die ein Paket aufzugeben hat, legt es auf die Waage und beantwortet die Fragen des Computers. Danach wird frankiert. (Bild: Gert Bruderer)

Die Kundin, die ein Paket aufzugeben hat, legt es auf die Waage und beantwortet die Fragen des Computers. Danach wird frankiert. (Bild: Gert Bruderer)

Vermisst Elisabeth Baumgartner, die in Zentrumsnähe wohnt, die Post? Die Tochter, die in Grabs zu Hause und gerade zu Besuch ist, vermutet Ja, doch ihre Mutter überrascht sie mit ihrem «Nicht unbedingt». Es sei mit Post zwar angenehm gewesen, aber letztlich «ist es, wie es ist».

Die Tochter sieht das weniger gelassen. Sie findet schade, dass eine Poststelle nach der anderen geschlossen wird, und ist froh, in Grabs noch von der Post bedient zu werden.

Beim Päckli-Aufgeben erst mal geschluckt
Manuela Langenegger beantwortet die Frage, ob sie die Post vermisse, mit einem Jein. Die Öffnungszeiten der Agentur seien kundenfreundlicher, das Angebot sei aber eingeschränkt. Leer geschluckt habe sie, als sie erstmals ein Päckli aufgeben wollte, sagt sie. Denn in der Agentur wiegt und frankiert der Kunde selbst, was allerdings kein Problem sei.

Man wird an seine Kinderzeit erinnert
Das Personal sei sehr freundlich und hilfsbereit – und mancher wird vielleicht an seine Kinderzeit erinnert. «Es isch echli wie Post spiele», sagt Manuela Langenegger, die Überweisungen schon früher online tätigte.
Allerdings: Manuela Langenegger und Elisabeth Baumgartner sind eher Ausnahmen. Aus anderen Mündern tönt es bedeutend kritischer, wenn nicht enttäuscht. Karin Kehl sagt ohne Umschweife: «Die Post fehlt.» Es sei nicht dasselbe, ob man zu einer Postagentur gehe oder zur Post. Der Austausch mit den Leuten, wie er früher stattfand, fehle. Aber klar, «äs goht immer alls».

Die praktischen Belege fehlen
Bedauern äussert auch Franziska Gschwend. Die 78-Jährige zahlt seit der Schliessung der Kriessner Post bei der Bank ein, vermisst nun aber die Abschnitte der Einzahlungsscheine. Fast noch praktischer war das Einzahlungsbüchlein, mit dem Max Hutter stets seine Rechnungen bezahlte. Er wohnt gegenüber der ehemaligen Post an der Staatsstrasse, hat sie «zu kurz», nennt ihr Verschwinden «sehr schade» und sagt, dass er nun auswärts zur Post gehe. Harald Baumgartner, der einen Sanitärhandel betreibt, meint zwar, «äs goht scho», aber die Schliessung der Post sei für Geschäfte halt schon eine Umstellung gewesen. Beispiel grössere Pakete: Wenn es mehr als eines seien, könne es umständlich sein, mit ihnen den Rhybeck-Lebensmittelladen zu durchqueren.

«Es muss eben alles rentieren»
Im Kriessner Pfarreizentrum findet zum Zeitpunkt der Strassenumfrage gerade ein Jassnachmittag der Frauengemeinschaft statt. Das gute Dutzend Kriessnerinnen und Kriessner, die in geselliger Runde beisammen sind, meinen unisono, die Schliessung der Poststelle sei sehr bedauerlich. Nicht alle benützen die Agentur, Rita Baumgartner zum Beispiel geht jetzt nach Diepoldsau zur Post und verbindet ihren Ausflug jeweils mit einem Besuch bei der Cousine.

«Es muss eben alles rentieren», tönt es aus der Runde, und Josef Dietsche spricht wie früher als Kantonsrat wieder einmal vielen aus dem Herzen.

Die Atmosphäre, die in der Post herrschte, die Möglichkeit dieser Art von Begegnung – «das fehlt einfach».