KRIESSERN: Eine richtig «bäumige» Rundfahrt erlebt

Fast sechzig Personen kamen mit auf die von Fachleuten begleitete Velotour durch die frühlingshafte Landschaft, vorbei an markanten Baumriesen und ökologisch wertvollen Gehölzen.

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Von Roger Dietsche und Walter Graber (Erster und Zweiter von rechts) erhielten die Teilnehmer der Kriessner Baum-Rundfahrt spannende Informationen über Bäume und Gehölze. (Bild: Maya Seiler)

Von Roger Dietsche und Walter Graber (Erster und Zweiter von rechts) erhielten die Teilnehmer der Kriessner Baum-Rundfahrt spannende Informationen über Bäume und Gehölze. (Bild: Maya Seiler)

Vor 40 Jahren war Kriessern noch ein Baumdorf; heute sind viele dieser Bäume aus Siedlung und Kulturlandschaft verschwunden. Statt der Vergangenheit nachzutrauern, haben die Politische Gemeinde Oberriet und die Naturschutzkommission ein mehrjähriges Projekt zum Schutz und zur Neuanpflanzung von Bäumen lanciert. Um die Bevölkerung für die Schönheit und den vielfachen Wert der Bäume zu sensibilisieren, führten Baum-Fachleute am Samstagvormittag eine Exkursion durch Dorf und Riet. Gestartet wurde bei der Linde im Dorfzentrum, vorbei ging’s an Windschutzstreifen und markanten Einzelbäumen.

Ist die wichtigste Kriessnerin eine Eiche?

Höhepunkt war der Besuch bei der ältesten Kriessnerin, einer 300-jährigen geschützten Eiche in den «Auen». Die Naturschutzkommission hofft, dass eine weitere riesige Eiche in der Nachbarschaft ebenfalls unter Schutz gestellt wird. Die Bedeutung der «Oacha» für Kriessern wird mit einem Blick auf das Gemeindewappen klar, das einen ruhenden Leu mit einem Reichsapfel vor einem Eichenbaum zeigt. Bei der Begrüssung wies Rolf Huber, Präsident der Gemeinde, auf die kulturelle Bedeutung der Bäume hin, allen voran die Dorfeiche oder -linde als Versammlungs- und Gerichtsort, aber auch als «Fyrobig»-Sitz und Treffpunkt von Verliebten. Über die Wichtigkeit der Eichen für Natur und Mensch berichtete Holzfachmann Walter Graber: Vor dem Aufkommen der Kartoffel waren Eicheln das Hauptnahrungsmittel für Schweine und damit indirekt für Ernährung der Leute.

Auch bietet der Baum Lebensraum für Hunderte von Insekten, seine Blätter filtern Staub aus der Luft, das witterungsbeständige Holz wird für Balken, Bahnschwellen oder Fässer verwendet.

Gehölze als Windschutz und Bodenbefestiger

Findet man Eichen und Linden eher als markante Einzelbäume, wachsen in den Baumreihen entlang von Bächen oder Windschutzstreifen vor allem Birken, Hagebuchen, Ahorn, Föhren oder Eschen. Im Rheintal mit häufigem Föhnwetter ist die Wirkung der Windschutzstreifen unschätzbar. Der warme, trockene Wind würde sonst unbebaute Äcker austrocknen und die Erde wegwehen. An Bächen gepflanzt hingegen stabilisieren und entwässern die Bäume den Untergrund. Minderwertiges Holz wurde früher zum Heizen genutzt, während die wertvollen Eschen seit Menschengedenken als Speerschäfte, Wagenräder und Werkzeugstiele dienten. Mit Sorge berichtete der Fachmann vom Eschensterben, das durch einen Pilz verursacht wird. Man befürchtet für die Eschen ein ähnliches Schicksal wie vor einigen Jahren für die Ulmen, die infolge der Ulmenwelke entlang des Binnenkanals gefällt werden mussten.

Am Ziel, im Kriessner Wäldli, informierten Roger Dietsche und Martin Stieger über die Eichen-Baumschule. Die Eichensämlige werden gratis an Interessenten abgegeben; die Fachleute hoffen, dass die Bäumchen Standorte finden, wo sie wieder über Jahrhunderte wachsen können.

Maya Seiler

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