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KRIESSERN: Den toten Winkel immer meiden

Die Kantonspolizei besucht Schüler mit einem Lastwagen. Jedes Kind nimmt auf dem Fahrersitz Platz und kann selbst erleben, wie es ist, wenn jemand mit dem Velo in den toten Winkel fährt.
Gert Bruderer
Obwohl der Chauffeur sich sogar noch etwas vorbeugt, kann er vor sich nur Ivo Bürge sehen, nicht jedoch die Kinder. (Bilder: Gert Bruderer)

Obwohl der Chauffeur sich sogar noch etwas vorbeugt, kann er vor sich nur Ivo Bürge sehen, nicht jedoch die Kinder. (Bilder: Gert Bruderer)

Gert Bruderer

Die Autofahrer wissen, was gemeint ist. Wird auf der Autobahn zum Überholen angesetzt, genügt der Blick in den links angebrachten Spiegel nicht. Denn wird man selbst gerade überholt, erreicht das überholende Fahrzeug irgendwann den Moment, in dem es im Rückspiegel nicht mehr zu sehen ist. Es fährt im toten Winkel.

Auch beim Rechtsabbiegen gibt es ihn, weshalb es unerlässlich ist, vor dem Abbiegen nicht nur in den Seitenspiegel, sondern auch nach rechts zu blicken. Der Autofahrer habe diese Möglichkeit, der LKW-Chaufeur hingegen nicht, denn neben der Kabine verschwinde der Velofahrer unter dem Blick des Chauffeurs, erklärt Ivo Bürge den Kriessner Sechsklässlern von Mirjam Müller. Zusammen mit einem zweiten Experten der Verkehrsinstruktion Mels, Heinz Bänziger, besucht Bürge diese und nächste Woche zwei Dutzend Schulklassen in Kriessern, Montlingen, Oberriet und Rüthi. Alle drei Jahre sei man auf diese Weise im oberen Rheintal unterwegs, sagt Bänziger.

Velofahrer taucht erst weit vorn wieder auf

Nach 20-minütiger Einführung im Klassenzimmer samt Vorführung eines Kurzfilms begeben sich die Kinder zum Lastwagen. Ein Schüler nach dem andern nimmt auf dem Fahrersitz Platz, ein Gspänli fährt jeweils mit dem Velo rechts neben dem stehenden Lastwagen nach vorn.

Das Kind im Fahrzeug sieht, wie lange es den Velofahrer dank der Spiegel im Blickfeld hat, wann es den Kameraden oder die Kameradin aus den Augen verliert und wann sein Gspänli rechts vor ihm wieder auftaucht. Wahrscheinlich nicht nur Kinder finden es erstaunlich: Erst ganze drei Meter vor dem Lastwagen hat der Chauffeur einen Velofahrer in voller Körpergrösse wieder vor sich. Noch weiter vorn taucht jemand vor dem Fahrer auf, wenn dieser in seiner Kabine zum Beispiel ein Namensschild stehen hat, das die Sicht zusätzlich erschwert.

Der tote Winkel besteht also nicht nur neben dem Fahrzeug, sondern ebenso vor der Kabine. Somit ist auch besondere Vorsicht geboten, wenn man als Fussgänger vor einem Lastwagen die Strasse quert.

Sich bei Bedarf bemerkbar machen

Dass Lastwagen weit gefährlicher sind als Autos, liegt auf der Hand. Biegt ein Lastwagen nach rechts ab und ist rechts von ihm ein Velofahrer unterwegs, wird der Raum für diesen Zweiradfahrer plötzlich beängstigend eng. Schlimmstenfalls kann er unter den Lastwagen geraten, unter das Hinterrad.

Dass im Kanton St. Gallen seit gut zwei Jahrzehnten kein einziges Kind im toten Winkel ums Leben kam, führt Heinz Bänziger zu einem schönen Teil auf die konsequente Aufklärungsarbeit der Polizei auch in Schulen zurück. Die letzte Frage an die Kriessner Schüler lautet: Wo muss ich als Velofahrer halten, wenn an der Kreuzung ein Lastwagen steht? Ein Mädchen stellt sich rechts hinter den Lastwagen und antwortet: Hierher. «Genau», sagt Ivo Bürge. Und falls doch jemand sich neben der Fahrerkabine aufhalte, sei es wichtig, sich bemerkbar zu machen: zum Beispiel mit einem Zuruf im Sommer durchs offene Fenster, notfalls mit einem Klopfen an die Kabinentür – und wenn es eng wird, «keinesfalls rückwärts auszuweichen versuchen, sondern das Velo packen und zur Seite gehen», rät Ivo Bürge. Auch falls dort ein Blumenbeet sein sollte. «Blumen wachsen nach.»

Die Technik kann inzwischen viel. Für Lastwagen gibt es sogar einen Abbiegeassistenten, der Velofahrer wie Fussgänger erkennt. Der Assistent hat dank Radarsensoren die ganze rechte Seite im Blick und informiert den Fahrer je nach Gefahr mit LED-Licht oder zusätzlichem Warnton.

Trotz Technik bleibt toter Winkel Thema

Allerdings: Auch ein solches System wird nach der Erfahrung von Fachleuten Unfälle nicht ausschliessen. Die beste Technik nütze nichts bei menschlichem Versagen, gibt Heinz Bänziger zu bedenken. Davon abgesehen, seien viele Lastwagen nicht mit modernster Technik ausgerüstet, schon gar nicht im grenznahen Rheintal, wo ausländische Lastwagen in hoher Zahl unterwegs seien.

Solange der tote Winkel gefährlich bleibt, macht die Polizei ihn zum Thema.

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