Krieg und Frieden

Im Jahr 1712 herrscht Krieg in der Eidgenossenschaft: Ausgelöst durch einen Aufstand der Toggenburger gegen den Fürstabt von St. Gallen, bekämpfen sich die katholischen und reformierten Orte. In der entscheidenden Schlacht von Villmergen (AG) am 25.

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Die katholische Kirche in Balgach mit Trolleybus. (Bild: Foto Gross, St. Gallen, um 1950)

Die katholische Kirche in Balgach mit Trolleybus. (Bild: Foto Gross, St. Gallen, um 1950)

Im Jahr 1712 herrscht Krieg in der Eidgenossenschaft: Ausgelöst durch einen Aufstand der Toggenburger gegen den Fürstabt von St. Gallen, bekämpfen sich die katholischen und reformierten Orte. In der entscheidenden Schlacht von Villmergen (AG) am 25. Juli mit über 3000 Toten siegen die reformierten Berner über die katholischen Innerschweizer Truppen. Die Folge ist der Vierte Landfrieden. Er bringt in konfessioneller Hinsicht die Gleichstellung der Reformierten mit den Katholischen. Im Vierten Landfrieden wurden die konfessionellen Verhältnisse detailliert geregelt und in allen Kirchgemeinden des Rheintals an die örtlichen Gegebenheiten angepasst.

Ein Beispiel dafür sind die Vereinbarungen in Balgach vom 19. November 1712. So mussten beispielsweise die Reformierten beim Läuten der Kirchenglocken für die Katholischen nicht mehr den Hut abziehen. Dafür durften sie während des Läutens die Katholischen nicht mehr beschimpfen. Gegenseitige Störungen des Gottesdienstes durch Dresch- oder Küferarbeiten waren nicht mehr gestattet. Ebenso war das Trommeln und Schiessen an den Kilbenen bis zum Ende des Gottesdienstes verboten. Der reformierte Pfarrer und der Mesmer erhielten eigene Schlüssel für die gemeinsam mit den Katholischen benutzte Kirche. In dieser durfte nun – neben dem katholischen – auch ein reformierter Taufstein stehen. Bei den Dorfämtern wurden die bevölkerungsmässig überwiegenden Reformierten im Verhältnis zwei zu eins bevorzugt. Sie hatten Anspruch auf acht Richter, die Katholischen nur auf vier. Während ein reformierter Hofammann sein Amt zwei Jahre ausüben durfte, war die Amtszeit eines katholischen auf ein Jahr beschränkt. Weil 1712 der Schreiber und der Weibel reformiert waren, musste der Säckelmeister katholisch sein.

Ein langwieriger Konflikt

Diese Vereinbarungen oder «Accordata» sahen keine Anpassungen bei Änderungen der konfessionellen Bevölkerungsanteile vor. Deshalb entstand in Balgach ein langwieriger Konflikt, als die katholische Bevölkerung im 18. Jahrhundert zunahm. Trotz solcher Missstimmungen legte der Vierte Landfriede wegen der prinzipiellen Gleichberechtigung beider Konfessionen die erste Basis für eine gewisse Entspannung.

Über weitere Funde im Rahmen des Projekts «Rechtsquellen und Geschichte des Rheintals» wird bald berichtet. Werner Kuster