Neue Hoffnung
Krebskranke Rheintalerin hofft weiterhin auf passenden Stammzellenspender – jetzt könnte ein St.Galler Fussballclub helfen

Lucia Cipriano hofft noch immer auf ihren «genetischen Zwilling». Vergangenes Jahr erhielt sie die Diagnose einer seltenen, aggressiven Krebserkrankung. Die behandelnde Ärztin glaubt nicht mehr an einen geeigneten Stammzellenspender. Cipriano selbst gibt nicht auf.

Krisztina Scherrer
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Lucia und ihr Mann haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Lucia und ihr Mann haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Bild: zVg

«Im April war ich wieder zwei Tage für Therapien in Zürich», erzählt Lucia Cipriano gegenüber dem Onlineportal FM1Today. Beim Austrittstag hatte die 40-jährige Rheineckerin einen Termin bei der Ärztin, die für Stammzellentransplantationen zuständig ist.

«Ich war sehr erschöpft und hatte Schmerzen. Beim Gespräch teilte mir die Ärztin mit, dass es wahrscheinlich keinen Spender für mich gibt. Ich bin in Tränen ausgebrochen.»

Eine schlechte Nachricht jage die nächste, so Cipriano. Auch in ihrer Familie komme niemand für eine Spende in Frage. «Mein Bruder und ich sind nur zu 50 Prozent kompatibel. Wir würden dann wohl auf ihn zurückgreifen.» Doch diese Art von Transplantation ist mit Risiken verbunden. «Es ist dann alles nochmals komplizierter.» Trotz der Risiken gibt ihr diese Möglichkeit aber Hoffnung.

Mittlerweile sind mehr als fünf Monate seit der Diagnose Lymphdrüsenkrebs vergangen. Im Dezember 2020, kurz vor ihrem 40. Geburtstag, teilte ihr der Arzt mit, dass sie am Széary-Syndrom leidet – eine sehr seltene und aggressive Form von Lymphdrüsenkrebs. Seitdem hofft sie auf einen passenden Spender oder eine passende Spenderin.

Typisierungsaktion in St.Gallen

Hilfe bekommt sie jetzt auch vom Verein «Geben für Leben» und dem SC Brühl. Die beiden Vereine starten gemeinsam eine Typisierungsaktion. Bei einer Typisierungsaktion kannst man sich mit einem Speicheltest in die Stammzellenspenderdatenbank eintragen lassen. Die Typisierungsaktion findet am 9. Juni 2021 von 18 bis 20 Uhr im Paul-Grüninger-Stadion an der Grütlistrasse in St.Gallen statt. Typisieren lassen, können sich Personen im Alter von 17 bis 45 Jahre.

«Bis vor ein paar Monaten hätte ich nie gedacht, dass es mich trifft. Dieser Aufruf ist ja nicht nur für mich. Es geht darum, dass wir auch andere Menschenleben retten können. Es gibt einfach zu wenig Registrierte», sagt Cipriano.

Aufruf gibt Cipriano Kraft

In den ersten drei Monaten nach der Diagnose sei es ihr wirklich schlecht gegangen. Mittlerweile sei es durchwachsen. «Manchmal fühle ich mich instabil, in einem guten Moment stark und dann gibt es diese Tage, an denen es mir körperlich nicht gut geht», sagt die 40-Jährige. Es sei ein Auf und Ab. Sie ist erschöpft und müde von den ganzen Therapien, hat mit den Nebenwirkungen zu kämpfen.

Am 16. März startete das Schweizerische Rote Kreuz einen Aufruf und teilte Ciprianos Geschichte. Man solle sich in die Datenbank der Stammzellenspenderinnen und -spender eintragen.

«Ich war überwältigt von den Reaktionen und bekam viele liebe Nachrichten und konnte viel Kraft daraus schöpfen.»

Spender aus Österreich und Italien gesucht

Einmal in der Woche hat die Mutter einer 17-Jährigen Tochter eine Immuntherapie, die sie sich selbst spritzt. Jede zweite Woche ist sie im Unispital Zürich. «Dort wird mein Blut von ausserhalb des Körpers bestrahlt.» Es werden ihr anderthalb Liter Blut entnommen und in weisse und rote Blutkörperchen unterteilt. Die weissen werden mit einem Medikament versehen. Anschliessend wird ihr das Blut wieder eingeflösst. Die Folgen: Sie ist müde, erschöpft, ihr ist übel oder sie hat Grippesymptome.

Trotz all der Rückschläge macht die 40-Jährige Werbung für Typisierungsaktionen. Für sie selbst wäre ein Spender, der italienische oder österreichische Wurzeln hat, wichtig. «Ich bin halb Österreicherin und halb Italienerin. Aber jede Typisierung zählt. Denn jede Person könnte die Richtige sein.»