Kraftwerk am Illspitz ist fertig

Mit einem Festakt eröffnen die Feldkircher Stadtwerke am Sonntag das neue Kraftwerk am Illspitz. Investiert wurden 34 Millionen Euro, die Anlage wird dafür 7300 Haushalte mit Strom versorgen.

Gernot Grabher
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Die Wehre des neuen Kraftwerkes stauen das Wasser der Ill. Kommen Hochwassermassen, können die Schleusentore für einen erforderlichen Überlauf abgesenkt werden. (Bild: Gernot Grabher)

Die Wehre des neuen Kraftwerkes stauen das Wasser der Ill. Kommen Hochwassermassen, können die Schleusentore für einen erforderlichen Überlauf abgesenkt werden. (Bild: Gernot Grabher)

Nach zwei Jahren Bauzeit wird das neue Wasserkraftwerk knapp oberhalb der Mündung der Ill in den Alpenrhein feierlich eröffnet, wozu die Bevölkerung eingeladen ist. Nach einigen Wochen Probelauf nahm die Anlage mittlerweile den Vollbetrieb auf und liefert mehr Energie als ursprünglich erwartet. Die Stadtwerke hatten aufgrund des gegebenen Wasseraufkommens um eine erhöhte Dotierung ersucht, die behördlich auch genehmigt wurde. Die beiden Generatoren liefern nun statt der angepeilten Energiemenge für 6000 nun Strom für 7300 Haushalte. Die Jahresleistung wird mit 28,5 Millionen Megawatt angenommen. Umgerechnet sind dies beim gegenwärtigen Strompreis rund 3900 Euro täglicher Stromerlös.

War man beim Spatenstich im August 2012 noch guter Dinge, das Bauwerk ohne grössere Schwierigkeiten errichten zu können, kam das Vorhaben schon im Oktober des Jahres unter eine buchstäblich kalte Dusche. Die Hochwasser führende Ill riss die eingeschlagenen Spundwände mit sich, das Gelände, auf dem das Krafthaus errichtet werden sollte, trugen die Fluten rheinabwärts. «Es entstanden der aber versicherten Baufirma Mehrkosten von rund einer Million Euro, der erforderliche Neuanfang bedeutete auch eine Verzögerung der Inbetriebnahme von etwa zwei Monaten», zieht Manfred Trefalt von den Feldkircher Stadtwerken Résumé.

Landschaft geschont

Zwar entstanden mit den Wehren und dem Krafthaus einige Betonflächen am Illspitz; die Feldkircher waren aber sichtlich bemüht, die sensible Landschaft zu schonen. Erfreulich ist, dass keine störenden Hochbauten entstanden, selbst das eigentliche Krafthaus duckt sich buchstäblich in die Umgebung. Das Areal, in dem in den letzten Tagen vor der Eröffnung noch Oberflächenarbeiten durchgeführt werden, wird für Erholungssuchende, die per Velo oder zu Fuss kommen müssen, weitgehend zugänglich bleiben. Sogar der eigentliche Illspitz, auf dem Steinkreis ausgelegt wurde, ist auf einem Weg um die Anlage gut erreichbar geblieben.

Arbeitsplätze werden durch das Fliesskraftwerk nicht geschaffen. Die Fernsteuerung erfolgt vollautomatisch. Täglich wird aber ein Mitarbeiter der Stadtwerke kurz nach dem Rechten sehen, nur ab einer gewissen Hochwassermarke wird ganztägig ein Wärter vor Ort sein.

Viel Geld für Fische

Keine Ausgaben gescheut wurde für die Durchgängigkeit der Anlage für Wanderfische. Zwei betonierte Schlitzpässe, die vor allem den Forellen entgegenkommen, ermöglichen den Tieren den Aufstieg zu den Laichgründen. Dazu kommt die «kleine Ill», ein als Bach neu angelegter 1,7 Kilometer langer Bypass, die auch weniger schwimmtüchtigen Fischen den Aufstieg ermöglicht. Die behördlich vorgeschriebenen Fischpässe werden allerdings von Skeptikern kritisch angesehen. Die Laichmöglichkeiten etwa für die Seeforelle in der Ill oberhalb des Stadtgebiets von Feldkirch sind angesichts des von Kraftwerken verursachten schnellen Wechsels des Wasserstandes stark beeinträchtigt. Offen ist auch die Frage, wie Fische zurück in ihren zweiten Lebensraum Bodensee finden werden.

Selbstversorgung angestrebt

Das neue Kraftwerk am Illspitz ist ein weiterer Schritt zur Erreichung der Energieautonomie bis zum Jahr 2050, die sich der Vorarlberger Landtag mit einem 2007 einstimmig gefassten Beschluss zum Ziel setzte. Experten bezweifeln zwar, dass die völlige Selbstversorgung erreichbar sein wird, doch mit dem Bau der Pumpspeicherwerke im Montafon und einem Projekt an der unteren Bregenzer Ache sieht man sich auf dem richtigen Weg.

Für Diskussionen sorgen gegenwärtig in Vorarlberg Pläne, auf dem Pfänderrücken Windkraftwerke zu installieren. Gutachten bescheinigten zwar, dass die Windräder rentabel sein könnten, lieferten doch nur zwei davon ein Vielfaches an Energie als etwa das Kraftwerk am Illspitz produzieren kann. Vorläufig gibt es aber keinen Rückenwind für die geplanten 130 Meter hohen Masten hoch über dem Bodensee zwischen Bregenz und Lochau, die Gegner der gewaltigen Propellermasten sehen vor allem eine unerträgliche Störung des Landschaftsbildes.

Der Eröffnungsakt mit anschliessender Besichtigungsmöglichkeit beginnt am Sonntag, 5. Oktober, um 11 Uhr. Das Kraftwerksgelände am Illspitz ist nur zu Fuss oder mit dem Velo von den Rheinbrücken Oberriet-Montlingen oder Rüthi-Bangs erreichbar.