Konzerte in zwei Kirchen

Die jährlichen Feierabendmusiken mit Orgelklängen des Altstätter Konzertzyklus sind im Aufwind. Es kamen deutlich mehr Zuhörer als in den letzten Jahren.

Theodor Looser
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Kaspar Wagner eröffnete in der evangelischen Kirche in Altstätten die drei Konzerte im Rahmen der Feierabendmusik des Altstätter Konzertzyklus. (Bild: Theodor Looser)

Kaspar Wagner eröffnete in der evangelischen Kirche in Altstätten die drei Konzerte im Rahmen der Feierabendmusik des Altstätter Konzertzyklus. (Bild: Theodor Looser)

Anstatt alle drei Feierabendmusiken wie gewohnt in der evangelischen Kirche zu veranstalten, plante der Altstätter Konzertzyklus heuer das erste Konzert in der evangelischen, das zweite auf der neuen Orgel in Hinterforst und das dritte in der katholischen Kirche. Beim dritten Anlass allerdings musste wieder auf die evangelische Kirche ausgewichen werden, da kurzfristig Reinigungsarbeiten anstanden, bei denen die Orgel abgedeckt werden musste.

Organist und eher ein Autodidakt

Der Organist Kaspar Wagner gab 1999 in der evangelischen Kirche sein erstes Konzert. In den Jahren 2002 und 2009 konzertierte er im Rahmen der Feierabendmusiken. Seither habe er sich nach eigenen Aussagen musikalisch extrem verändert. Er besuchte Meisterkurse bei weltberühmten Organisten, probierte vieles aus, sei eher ein Autodidakt.

Mit Charles Widor, Theodor Dubois und Camille Saint-Saens hatte er drei Komponisten ausgewählt, die alle Mitte des 19. Jahrhunderts geboren waren, jedoch ganz verschiedene Musik schufen. Die Stücke von Charles Widor klangen im Konzert eher altmodisch, wenn auch mit viel Verve gespielt. Mit den «Dix Pieces nouvelles» von Theodor Dubois hingegen war heitere, lichte Musik zu hören. Der «Danse Macabre» von Saint-Saens führte über zu «Improvisationen» von Naij Hakim, einem zeitgenössischen Organisten und Komponisten, dessen Schüler Kaspar Wagner einst war.

Ein Shootingstar aus Vorarlberg

Beim Konzert in der Kirche Hinterforst mit dem Kirchenmusiker Bernhard Loss und dem Saxofonisten Lukas Simma, einem jungen Shootingstar aus Götzis, waren zwei interessante Musiker engagiert worden. Bernhard Loss lobte die am 24. September letzten Jahres frisch eingesegnete Orgel in höchsten Tönen. Er glänzte mit seinen gewohnt ausdrucksstarken Solostücken. Höhepunkte waren das Zusammenspiel mit dem Saxofonisten Lukas Simma, der mit beeindruckender Technik und einem schlanken, variabel modulierten Ton dem Publikum gefiel. Ungewöhnlich die «Evocations» für Saxofonsolo von Henri Tomasi, in denen jedes Stück nach einem anderen Land benannt war und dessen Charakter spiegelte, zum Beispiel typisch schottische Tänze. Die «Aria» von Eugène Bozza, ein Stück nach klassischen Vorbildern, nutzte perfekt die melodische Stärke des Saxofons. Die abschliessenden drei Skizzen für Orgel solo über «Lobet den Herrn» von Brita Falch bildeten den feierlichen Ausklang.

Programmwechsel in letzter Minute

Bei der dritten Feierabendmusik musste Organist Jürgen Natter sein Programm umstellen, da die zuerst geplanten Werke in der evangelischen Kirche in Altstätten nicht gespielt werden konnten. Da zeigte sich wieder einmal, Orgel ist nicht gleich Orgel. Jedes Instrument hat seine Eigenarten. Kein Problem für den Profiorganisten, der im Handumdrehen ein neues, hochkarätiges Programm zusammenstellte. Um seinen Favoriten Johann Sebastian Bach gruppierte er Werke von Dietrich Buxtehude, Samuel Scheidt, Louis Vierne und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Besonders einfühlsam empfanden die Zuhörerinnen und Zuhörer die «Cantilena anglica fortunae» von Samuel Scheidt und «Epitaphe» von Louis Vierne. Auch die abschliessende dreisätzige Orgelsonate von Felix Mendelssohn beeindruckte sehr mit ihrer kunstvollen Fuge.