Konstant, bedacht und zielgerichtet

Selten kommt der urmenschliche Trieb, sich zu messen und zu vergleichen, unmittelbarer zum Ausdruck als in der dynamischen Kampfsportart Ringen. Dynamisch wird auch das Publikum, wenn Philipp Hutter auf die Matte steigt.

Manuela Langenegger
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Philipp Hutters (r.) Vorgesetzter Kurt Halter kann viele Parallelen vom Beruf des Zimmermanns zur Sportlerwelt des Ringers erkennen. (Bild: pd)

Philipp Hutters (r.) Vorgesetzter Kurt Halter kann viele Parallelen vom Beruf des Zimmermanns zur Sportlerwelt des Ringers erkennen. (Bild: pd)

RINGEN. Als Rheintaler Sportler 2012 und Bronzecard-Besitzer geniesst Philipp Hutter bereits einen ansehnlichen Bekanntheitsgrad. Internationale Top-Ergebnisse haben ihm diese Ehren zuteil werden lassen. Der Weg war kein einfacher. Hugo Dietsche findet eine Formulierung, die auch Philipps Mutter Claudia aus der Seele spricht: «Philipp weiss, was er kann. Sein harter Weg in der Jugend hat ihn stark gemacht.» Dabei war Ringen nicht die erste Wahl des Athleten. In den Kinderjahren trainierte er im STV Kriessern und versuchte sich auch zwei Jahre im Barrenturnen. Bis ihn Damian Dietsche motivierte, mal mit ihm ins Ringen zu gehen. Gesagt, getan – mittlerweile 13 Jahre. «Die RSK ist wie meine zweite Familie», die Ringer Mirco und Sandro Moser sieht er als seine Mentoren/Vorbilder. «Ihnen habe ich mich immer nahe gefühlt.»

Sport und Beruf ergänzen sich

Nahe ist auch das Verhältnis zum Arbeitgeber und Sponsor Kobelt AG, Marbach. Hutters Vorgesetzter Kurt Halter hat den Ringsport erst durch seinen Schützling kennengelernt und ist heute begeistert. Als Lehrlingsausbildner findet er viele Eigenschaften des Ringers, die mit dem Beruf Zimmermann zusammenpassen. Sein Spruch: «Wer Geist und Muskeln regen kann, der hat das Zeug zum Zimmermann», kann leicht auf das Ringen umgewälzt werden.

Das Arbeitspensum ist wie bei allen Anwärtern auf die Olympiade in Rio de Janeiro 2016 stark reduziert worden, dennoch geht der Spitzensportler gerne auf den Bau. Dass Kobelt alles macht, was Wohnträume wahr werden lässt – macht die Arbeit sehr interessant. Philipp schmunzelt: «Muskelkraft, Konzentration, Ausdauer, Einsatzbereitschaft und vieles mehr kann ich auch bei der Arbeit trainieren.» Die Geschäftsleitung des Bauunternehmens sowie das ganze Team stehen spürbar hinter Philipp Hutter. So kann ein Mannschafts-Meisterschaftsmatch auch zu einem Firmenevent werden. Fast nach dem Motto «Alle für einen – einer für alle».

Erlebnisreiches Halbprofi-Jahr

Spezielle Momente gab es viele im ersten Halbprofi-Jahr. Die Sport-RS, die zehn bereisten Länder in zehn Monaten, die Militär-Weltmeisterschaft mit ihren eindrücklichen Zeremonien. Ein interessantes, aber hartes Jahr. Es war klar, dass er im ersten Aktivjahr nicht an die Erfolge der Juniorenzeit anzuknüpfen vermochte, denn der Wechsel in die Elitekategorie ist wie ein Neustart auf internationalem Parkett.

In diesem Jahr weiss Hutter jedoch, was ihn erwartet und somit kann er sich besser darauf einstellen. Im Jahresprogramm 2015 sind verschiedene Highlights, die dem Sportler ein Leuchten in die Augen zaubern.

2015 einige Highlights

Die neu durchgeführte U23-Europameisterschaft in Polen, die Militär-WM in Korea und natürlich die WM in Las Vegas. Destinationen, die im Kriessner Waldhof keine grossen Emotionen wecken: «Uns ist wichtig, dass die Kinder etwas sinnvolles machen und wieder gesund nach Hause kommen.» Und trotzdem, die Freude am Erreichten lässt die Herzen höher schlagen. Die Eltern Anselm und Claudia sowie die Schwester Isabelle stehen in der ersten Reihe der Fangemeinde und sind dabei, wenn Philipp und seine Brüder Jürg oder Patrick ihr Können auf der Matte zeigen.

Mit den Emotionen verhält es sich wie beim Kampf auch. Nur der Sieg zählt. Dopingkontrollen, Bürokratie, verpasste Chancen verblassen in Anbetracht der positiven Momente und dem berauschenden Gefühl, das ein Sieg auslöst.

Ringen bietet alles, woraus Helden gemacht werden und Philipp Hutter ist auf dem Weg dazu.

Die kleine Serie findet somit ihren Abschluss und die Möglichkeiten stehen gut, dass der «Rheintaler» bald über positive Resultate der drei Ringer Philipp Hutter, Steven Graf und Damian Dietsche berichten kann.