Konjunktur steht vor Verlangsamung

Das derzeit noch robuste Wirtschaftswachstum in der Schweiz dürfte in den nächsten Monaten klar an Tempo einbüssen. Darauf deuten mehrere in jüngster Zeit veröffentlichte Konjunktur-Indikatoren, die zum Teil deutlich rückläufig ausgefallen sind.

Drucken

Das derzeit noch robuste Wirtschaftswachstum in der Schweiz dürfte in den nächsten Monaten klar an Tempo einbüssen. Darauf deuten mehrere in jüngster Zeit veröffentlichte Konjunktur-Indikatoren, die zum Teil deutlich rückläufig ausgefallen sind. Einer der Hauptgründe dürfte die anhaltende Frankenstärke sein, die der hiesigen Industrie stark zu schaffen macht. Eine unmittelbare Rezession ist allerdings eher nicht zu erwarten.

Besonders der deutliche Rückgang des Einkaufsmanager-Index PMI für den Monat Juni hat negativ überrascht. Aber auch das KOF-Konjunkturbarometer als weiterer Vorlauf-Indikator wies bei der letzten Berechnung erstmals in diesem Jahr nach unten. Und nicht zuletzt zeigten die Detailhandelsumsätze im Mai eine leichte Zurückhaltung bei den Konsumenten. Vor allem die verschärfte ausländische Konkurrenz wegen des starken Frankens und die dadurch deutlich geschrumpften Margen dürften bei den Managern für die pessimistischere Stimmung gesorgt haben. Jene Unternehmen, die ihre Preise nicht erhöhen können, dürften dabei besonders stark leiden. Da der Franken – wie sich diese Woche gezeigt hat – wegen der Krise im Euroraum weiter zur Stärke neigt, könnte sich die Situation gar noch verschärfen.

Dramatisieren wollen die meisten Ökonomen die Situation allerdings nicht. Sie verweisen dabei in erster Linie auf das insgesamt nach wie vor relativ robuste Wirtschaftswachstum vor allem in der asiatischen Region, die für die Schweizer Exporteure immer wichtiger wird. Ausserdem sollte sich der private Konsum in der Schweiz aufgrund der weiter sinkenden Arbeitslosigkeit einigermassen resistent zeigen, und auch in der Bauwirtschaft zeichnet sich kein Einbruch ab. Nichtsdestotrotz ist eine deutliche Abkühlung im nächsten Jahr zu erwarten, aber keine Rezession.

Die Berichtssaison der Unternehmen zur ersten Jahreshälfte nimmt in der kommenden Woche rasant Fahrt auf. So werden etwa die beiden Basler Pharmariesen Roche und Novartis ihre Zahlen präsentieren, aber auch Actelion oder der Agrochemie-Hersteller Syngenta. Aus dem Industriebereich sind u.a. ABB, Sulzer oder Georg Fischer dran. Zudem wird mit Julius Bär bereits eine der grossen Privatbanken einen Einblick in die Bücher geben. Konjunkturseitig stehen vor allem Zahlen zum Aussenhandel an. In den USA liegt der Fokus auf Daten zum Bau neuer Häuser und dem Konjunktur-Barometer, daneben wird eine Vielzahl von Unternehmen – u.a. Apple, Intel, AT&T oder McDonald's – die Halbjahreszahlen veröffentlichen. (pd)