«Komponieren ist unendlich»

Der Balgacher Musiker Stefan Suntinger hat für das «Theater Parfin de Siècle» die Musik geschaffen. Zudem tritt er als Klarinettist auf. Er erzählt, was ihm die Welt der Töne und Klänge bedeutet.

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Stefan Suntinger, freischaffender Musiker aus Balgach: «Ich habe diesen Beruf gewählt, weil ich darin meine Vielseitigkeit, bezogen auf alles, was mit Musik zu tun hat, ausleben kann.» (Bild: Bea Sutter)

Stefan Suntinger, freischaffender Musiker aus Balgach: «Ich habe diesen Beruf gewählt, weil ich darin meine Vielseitigkeit, bezogen auf alles, was mit Musik zu tun hat, ausleben kann.» (Bild: Bea Sutter)

Herr Suntinger, ein Balgacher hat die Musik für die Inszenierung des Stationen-Theaters «Von Bienen, Pflanzen, Honig und Göttern», das noch bis Samstag, 31. August, vom Theater Parfin de Siècle im Botanischen Garten in St. Gallen aufgeführt wird, geschrieben. Ehrt Sie das?

Stefan Suntinger: Natürlich. Generell freue mich als freischaffender Musiker über jede Anfrage. Wenn ich dann die Vorgaben studiert habe, und ich mir vorstellen kann, etwas Einzigartiges daraus zu machen, dann freue ich mich umso mehr. Kommt schliesslich die Zusage des Regisseurs, dann bin ich glücklich.

Wie kam Regisseur Arnim Halter gerade auf Sie?

Suntinger: Wir haben schon einige Male zusammen gearbeitet. Und wenn die Harmonie stimmt, und der Auftraggeber von meiner Arbeit überzeugt ist, so wird man eben wieder angefragt.

Sie können also vom Komponieren und Vertonen leben?

Suntinger: Gegenwärtig entspricht dies etwa einem Drittel meines Einkommens.

Und die anderen zwei Drittel?

Suntinger: Ich unterrichte auch als Musiklehrer. Das macht einen weiteren Drittel aus. Den Rest verdiene ich mit Entwickeln von Software. Ich habe Elektroniker gelernt und mich auch in diesem Fach stetig weitergebildet.

Wann entdeckten Sie ihre Liebe zur Klangwelt?

Suntinger: Schon als Kind fand ich es faszinierend, auf einem Instrument zu spielen. Im Musikverein Balgach durchlief ich alle Stufen von der Jugendmusik bis ins Musikkorps. Ich begann mit Klarinette, und mit 14 Jahren erlernte ich das Spielen auf dem Saxophon.

Für das aktuelle Stück mit dem Theater Parfin de Siècle haben Sie nicht nur die Musik geschrieben, sondern sind auch für den Ton verantwortlich. Und spielen zudem noch aktiv Klarinette.

Suntinger: In vielen Theatern ist es Usus, dass der für die Musik Verantwortliche den ganzen Weg macht, von der Komposition über das Arrangement bis zu den Aufnahmen und Einspielungen, und am Schluss folgt noch der fertige Tonträger.

Ist das nicht ein bisschen viel?

Suntinger: Wenn man es gern macht, sieht man das anders. Man lebt darin, ist ein Teil vom Ganzen. Ich geniesse das. Zuzusehen, oder besser gesagt zuzuhören, wie eine Produktion wächst – und am Schluss zur Perfektion herangereift ist. Das ist etwas unheimlich Schönes.

Aber auch etwas Anstrengendes?

Suntinger: Ja natürlich. Musik zu kreieren und zu mischen braucht Zeit und Konzentration. Ich versuche, meine Arbeit zu geniessen. Ich habe diesen Beruf gewählt, weil ich darin meine Vielseitigkeit, bezogen auf alles, was mit Musik zu tun hat, ausleben kann.

Sie sind also ein Vollblut-Musiker.

Suntinger: (schmunzelt) Wenn man das so sagen will – ja. Ich sehe die Musik in Strukturen. Ich teile sie in fünf Dimensionen ein: Zeit, Klanghöhe, Klangtiefe, Klangfarbe, Klangbreite. Mit diesen Elementen male ich eine Melodie. So werden bildliche Ereignisse auf der Bühne oder in Filmen mit Musik unterstützt, mal dramatisch, mal unheimlich, mal romantisch – so wie es eine Szene eben verlangt.

Welche Projekte stehen noch an?

Suntinger: Ich habe immer einige Sachen parallel am Laufen. Als Freischaffender muss man das haben, um à jour zu bleiben. Zurzeit läuft das für das 500-Jahr-Jubiläum der beiden Kantone Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden geschaffene Schauspiel «1513 – oder Was das Land Appenzell dazu beitrug, dass sich die Erde um die Sonne dreht», eine Gemeinschaftsproduktion des Figurentheaters Fährbetrieb Herisau und dem Figuren-Theater St. Gallen. Auch da war ich für Musik und Ton zuständig. Am 30. August ist es in Teufen, am 6., 12., 13., 14. und 15. September in St. Gallen, und am 20. September in Oberegg zu sehen.

Alles in allem ein Riesenpensum. Stresst Sie das nicht?

Suntinger: Wenn man etwas gern macht, sollte man nicht von Stress sprechen. Ich sage es so; natürlich kostet es viel Energie, zwischen verschiedenen Tätigkeiten hin und her zu switchen. Am Morgen Textaufnahmen machen, am Abend als Saxophonist auftreten und am anderen Tag Musikstunden geben, das ist «nahrhaft».

Was fasziniert Sie besonders am Theater?

Suntinger: Das Schönste ist es, ich komme mit Menschen zusammen, die ich ohne diese Arbeit nie kennengelernt hätte. Umso mehr freue ich mich, wenn ich ein anderes Mal, bei einem neuen Auftrag, dieselben Leute wieder treffe. Dieses Netzwerk bedeutet mir sehr viel. Im Raum Ostschweiz kennt man mich in den zehn Jahren als freiberuflicher Musiker und Tondesigner doch recht gut.

Noch ein Wort zu den Stilrichtungen. Haben Sie da Vorlieben?

Suntinger: Wenn es um Theatermusik geht, bin ich offen für alles. Muss ich auch – denn das Theater hat den Anspruch, die passende Musik zu bekommen. Da sind wir wieder bei der Vielseitigkeit. Musik zu komponieren ist etwas Unendliches – das fasziniert mich.

Interview: Bea Sutter