Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Kommt’s zu einer Krise, braucht es ihn: Der Montlinger Josef Wüst ist Chef Planung im Stab Einsatzunterstützung der Landesregierung

Der Montlinger Josef Wüst ist mitverantwortlich, dass der Bundesrat und die Bundeskanzlei im Ernstfall eine Einsatzzentrale haben.
Max Tinner
Oberstleutnant Josef Wüst, Chef Planung im Stab Einsatzunterstützung Landesregierung. (Bild: PD)

Oberstleutnant Josef Wüst, Chef Planung im Stab Einsatzunterstützung Landesregierung. (Bild: PD)

Seit Anfang Jahr ist Josef Wüst aus Montlingen Chef Planung im Stab Einsatzunterstützung der Landesregierung. Dieser Stab, der militärisch «Stab Ei Ustü LR» abgekürzt wird, unterstützt die Landesregierung – gemeint sind damit der Bundesrat und die Bundeskanzlei – in besonderen Lagen oder im Rahmen eines speziellen Auftrages. Beispielsweise indem für die Regierung und für die mit jener zusammenarbeitenden zivilen Führungsstäbe geschützte Arbeitsräume bereitgestellt werden. Auch der sichere Transport dorthin und die Gewährleistung der Kommunikation von diesen Aussenstellen zu anderen Stellen beim Bund oder bei den Kantonen gehören dazu.

Der Stab macht also im Prinzip genau das Gleiche wie jene Leute, die in der Feuerwehr im Ernstfall die Einsatzzentrale bereitstellen – nur einige Nummern grösser.

Als Chef Planung hat Josef Wüst nicht nur den konkreten Einsatz dieses Stabes zu planen, sondern auch die übergeord­neten Planungs- und Einsatzkonzepte zu erarbeiten und die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten. In Zusammenarbeit mit seinem Kommandanten legt er beispielsweise fest, wie im Ernstfall die Mobilmachung des Stabs abläuft.

Ein Rädchen, das in der Krise unentbehrlich ist

Damit hat der Montlinger in einer Krisensituation eine wichtige Funktion inne. Er steht zwar nicht «an der Front», wie man unter Soldaten sagt, ist aber dafür mitverantwortlich, dass die Landesregierung im Krisenfall ihre Aufgaben wahrnehmen kann. Wüst ist sinnbildlich gesprochen ein kleines, aber unentbehrliches Rädchen, ohne das die ganze Maschinerie zur Bewältigung einer ausserordentlichen Situation nur zögerlich oder schlimmstenfalls gar nicht anläuft.

Weil dieser Stab hauptsächlich für ausserordentliche Situationen benötigt wird, wurden seine Dienste noch kaum je beansprucht.

Gelegentliche Einsätze gibt es dennoch. Wie etwa 2006, als die Bundesversammlung wegen Renovationsarbeiten im Bundeshaus statt in Bern in Flims tagte. Üben muss der Stab natürlich wie jede andere Einheit trotzdem, damit er im Fall des Falles funktioniert. Da­zu ist er in übergeordnete Stabsübungen involviert, gerade dieses Jahr etwa in eine Sicherheitsverbundsübung mit Stellen des Bundes, der Kantone und weiteren Beteiligten.

Auf den Dienstplakaten vor den Gemeindeverwaltungen sucht man vergeblich nach dieser Einheit. Sie ist dort nicht aufgeführt. Wer in einem solchen Stab Dienst leistet, wird von den Vorgesetzten nach Bedarf aufgeboten.

Auf die Karriere verzichtet, um den Vater zu pflegen

Dass Josef Wüst diese Funktion übernehmen durfte, ist kein Zufall, sondern seiner bisherigen militärischen Karriere geschuldet. Eigentlich hatte der Montlinger mit einer Berufsmilitärkarriere geliebäugelt. Er hatte sich sogar schon in einem militärischen Auswahlverfahren für den Berufsoffizierslehrgang an der ETH qualifiziert – verzichtete dann aber auf diesen, um seine Mutter bei der Pflege des schwer erkrankten und mittlerweile verstorbenen Vaters zu helfen.

Statt Berufsmilitär zu werden, bildete sich der gelernte Mechaniker zum Betriebswirtschafter und Wirtschaftsingenieur weiter und wurde Lehrer und Lehrgangsleiter an der Höheren Fachschule ZbW in St.Gallen. Daneben machte er im Militär als Milizler Karriere.

Die RS hat Josef Wüst als Waffenmechaniker absolviert. Später durchlief er die Offiziersschule und diverse Ausbildungen bei den Motorfahrern. Dann wurde er 2008 einer Hauptquartiereinheit zugeteilt, einem sogenannten HQ-Bataillon, vergleichbar mit den ehemaligen Festungstruppen. Wüst erklärt:

«Eine solche Einheit leistet Dienst in den Führungsanlagen der Landesregierung und der Armee.»

Nach seinem Dienst als Zugführer kommandierte er als Hauptmann vier Jahre eine Hauptquartierkompanie. Sol­-che HQ-Kompanien sind vergleichsweise gross. Auch jene, die Wüst unterstellt war, umfasste mehr als 200 Soldaten und auch Soldatinnen. Nach seinen vier Jahren als «Kadi» war er fünf Jahre lang stellvertretender Bataillonskommandant und Stabschef eines Führungsunterstützungsbataillons.

Für Friedensförderung im Kosovo und in Bosnien

Nach dem erfolgreichen Durchlaufen eines Selektionsverfahrens wurde er im Januar 2017 als Milizoffizier dem Stab Einsatzunterstützung Landesregierung zugeteilt. Zunächst war er einige Monate Chef Operationen. Am 1.Juli 2018 wurde er dann zum Oberstleutnant befördert, und seit dem 1. Januar 2019 amtet er als Chef Planung. Zu dieser Funktion verhalf ihm auch seine militärische Auslanderfahrung. Josef Wüst hat Dienst in den Missionen der militärischen Friedensförderung geleistet: im Kosovo und als Teamcommander auch in Bosnien- Herzegowina.

Aufgrund seiner Funktion und Einteilung ist Josef Wüst dienstpflichtig bis zu seinem 50. Altersjahr. Danach hat er die Möglichkeit, den Dienst freiwillig zu verlängern. Bis er das entscheiden muss, hat er noch etwas Zeit. Er ist erst 41. «Aber der kameradschaftliche Umgang im Stab gefällt mir», sagt Josef Wüst, «ebenso die Zusammenarbeit mit den verschiedenen involvierten Organisationen, unsere spannenden Aufgaben, das Umfeld und dass unsere Arbeit für die Landesregierung und damit für die Schweiz wichtig ist.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.