Komik und Torheit der christlichen Botschaft

Aus christlicher Sicht

Uwe Rohloff
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In der Bibel heisst es im ersten Korintherbrief, dass die Botschaft vom Kreuz für viele Menschen eine «Torheit» ist (1. Korinther 1, 18). Und Paulus spricht im gleichen Brief davon, dass «wir Narren sind um Christi willen» (1. Korinther 4, 10), und dass Gott beschloss «alle, die glauben, durch die Torheit der Verkündigung zu retten» (1. Korinther 1, 21).

Die Torheit – die Narrheit – das Komische – in welcher Beziehung stehen sie zur christlichen Botschaft?

Das Komische in seinen vielseitigen Verkörperungen wird oft als Gegensätzlichkeit wahrgenommen: Dinge passen nicht zusammen und werden im Komischen doch zueinander in Be­ziehung gesetzt. Die Komik liegt in einem unmittelbaren Neben­einander widersprüchlicher Elemente – grosse Nase und kleiner Hut – in die Sterne schauen und dabei über die eigenen Füsse stolpern.

Die menschliche Existenz enthält eine grosse Spannung, die immer wieder zu komischen Situationen führen kann. Einerseits haben wir einen unsterblichen Geist, der komplizierteste Pro­bleme lösen und im Gebet mit Gott selber in Kontakt treten kann – andererseits leben wir mit unseren körperlichen Bedürfnissen und Trieben. In diesem Kontrast – dieser Spannung – leben wir, und alles was sich daraus ergibt, können wir versuchen zu ignorieren oder wir lassen uns davon deprimieren oder es kann uns Anlass zum humorvollen Umgang mit uns selber geben.

Die enge Beziehung zwischen Komik und Glaube ergibt sich daraus, dass sich beide mit der Widersprüchlichkeit unseres Lebens befassen: die Komik mit den Widersprüchen unseres Alltags, der Glaube mit den letzten Widersprüchen. Während der Humor und die Komik uns helfen, kleine Widersprüche nicht allzu ernst zu nehmen, hilft uns der Glaube im Umgang mit den grossen und letzten Widersprüchen wie Krankheit, Tod, Ungerechtigkeit und Sinnlosigkeitserfahrungen.

Wieso ist das Kreuz Jesu für viele Menschen eine Torheit? Die Widersprüche könnten kaum grösser sein: Der unendliche Gott kommt in einem menschlichen Körper zur Welt. Und nachdem seine Jünger gehofft hatten, dass er als grosser Erlöser gefeiert wird, stirbt Jesus am Kreuz. Und nachdem er tot ist, ersteht er nach drei Tagen wieder zu neuem Leben. Doch, um wieder auf den Korintherbrief zurückzukommen: Nach dem christlichen Glauben ist eben «das Törichte an Gott weiser als die Menschen» (1. Korinther 1, 25). Und der Glaube, dass ich nicht durch meine eigenen Taten in den Himmel kommen werde, sondern durch Jesu Taten für mich, hat etwas unglaublich befreiendes und kann mich im humorvollen Umgang mit mir selber und dem Leben beflügeln.

Uwe Rohloff

Leiter akj-Stelle Rheintal