«Komik + Ko» verbindet

Am Samstagabend vergab eine qualifizierte Jury den Förderpreis des Komik + Ko-Festivals an Stefan Zinner. Er überzeugte im Diogenes-Theater.

Yannik Poznicek
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Stefan Zinner.

Stefan Zinner.

Altstätten. Zwei Kabarettistinnen und ein Kabarettist buhlten nacheinander um die Gunst des Publikums. Sie versuchten die Zuhörer mit Highlights aus ihren aktuellen Programmen in eine andere Welt zu entführen. Den Anfang machte Stephan Zinner: Er hat auf der Bühne wie auch im realen Leben drei Kinder, was, wie er betont, nicht immer einfach sei. Bei drei Kindern fahre man gerne mal weg – darum freue er sich, in Altstätten zu Gast zu sein.

Der Sieger des Abends zuerst

Vorletzte Woche habe Zinner einmal mehr Kampfeinsatz gehabt: Er musste mit seinen Kindern auf den Spielplatz. Stephan Zinner hasst den Spielplatz, denn sobald man sich auf die Bank setzt, um seinen Sprösslingen beim Herumtollen zuzuschauen, wird man schon von einer anderen Mutter angesprochen, einer «Sternzeichentrulla», die in einem früheren Leben Kleopatra war und wiedergeboren wurde.

Ihren nach dem Hunnenkönig Attila benannten, schwer bewaffneten Dreikäsehoch, dem das iPhone direkt ins Hirn implantiert wurde, damit er «always world connected» ist, möchte sie nicht zügeln, denn aggressive Verhaltensweisen härten ja ab.

Loblied auf den Gin

Weiter berichtet Zinner von Familienausflügen ins Gesteinsmuseum damit seine «Bälger» nicht bockig werden.

«Den Geröllbrocken beim Wachsen zusehen, dagegen sind Weinbergschnecken Entertainment-Granaten», beklagt sich der Kabarettist. Von seiner Gitarre begleitet, singt er mit kratziger Stimme ein Loblied auf den Gin und erzählt, wie er sich im Aldi in die Tiefkühltruhe beugt, damit ihn die Profi-Hausfrauen nicht beim Einkaufszettel-Lesen erwischen und als Shopping-Amateur entlarven.

Wiedergeburt als Atommüll

Die Wienerin Susanne Pöchacker präsentiert als Bürgermeister-Ehefrau Hermine Bichler dem Bürgerrat von Dingdorf ihr Projekt, den Umbau des Werks in einen One-Stop-Shop für alle Konfessionen, eine sogenannte RRS (Reinkarnations-Reklamationsstelle) und liebäugelt mit einer Wiedergeburt als Atommüll, um möglichst nachhaltig auf Erden wirken zu können.

In einer zweiten Rolle wettert sie als rechtsextreme Helga Heuertsch gegen bärtige Terroristen, die sich in den Himmel sprengen, um Orgien mit Jungfrauen zu feiern. Sie hinterlässt ein leicht irritiertes Publikum.

«Hereinspaziert»

«Hereinspaziert, hereinspaziert hier bei uns in der Hölle. Ich bin zuständig für ihre Folter.» Mit diesen Worten begrüsst die dritte Kandidatin für den Förderpreis, Andrea Schramek, das Publikum und unterteilt es in Langzeitgeliebte,

erfolgreiche Geliebte und frühzeitige Lebensabbrecherinnen durch Eigen- oder Fremdeinwirkung wie etwa Marilyn Monroe. Gemeinsam mit der falschen Schlange aus dem Garten Eden bereitet die Teufelin ihre Schülerinnen in einem Lehrkurs zur Dynamik der Dreiecksbeziehung auf die Rückkehr in einem neuen Leben vor. Zwischendurch singt Schramek Teufelsloblieder und tanzt als Mann verkleidet zerrissen im Spannungsfeld zwischen Ehefrau und Geliebter.

Gemeinsamer Kulturraum

Stefan Zinner, der durch seine Spontaneität überzeugte, wurde von der Fachjury mit dem Förderpreis ausgezeichnet. Komik + Ko, das internationale Festival, verbindet in seiner dritten Ausführung beide Seiten des Rheins und schafft damit einen gemeinsamen Kulturraum. Nächste und letzte Gelegenheit, einen Komik + Ko-Anlass auf dieser Seite des Rheins zu erleben, ist am Mittwoch der Auftritt des Schweizer Duos Ohne Rolf (Vorverkauf: Alpha Rheintal Bank ) im Diogenes-Theater.

Andrea Schramek (Bilder: yp)

Andrea Schramek (Bilder: yp)