König Marduk regiert neu über Rorschach

Seeregion. «Wir zeigen Ihnen hiermit an, wir haben bezüglich dem Rorschacherberg vorgelagertes staatsfreies Neuseeland-Territoriumsbereich, die staatsrechtliche Okkupation vollzogen», schreibt King Marduk in einem E-Mail an die Redaktion.

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Seeregion. «Wir zeigen Ihnen hiermit an, wir haben bezüglich dem Rorschacherberg vorgelagertes staatsfreies Neuseeland-Territoriumsbereich, die staatsrechtliche Okkupation vollzogen», schreibt King Marduk in einem E-Mail an die Redaktion. Die selbe Nachricht, in kaum leserlichem Deutsch, voll mit Grammatikfehlern und unzähligen Kommas, hat der Regent des Königreiches Marduk auch an lokale Politiker, den Bund, die Mang-Klinik und weitere geschickt. Darin informiert er darüber, dass die Schweiz keinerlei Herrschaftsansprüche über einige Gemeinden am See hat und er diese nun in sein Königreich aufnimmt.

Mitteilungen wie die obige verschickt der offensichtlich verwirrte Regent seit Jahren. In den Botschaften teilt er den Empfängern mit, dass er erneut eine Ortschaft okkupiert hat und diese neu zum Königreich Marduk gehört – oder zum United Kingdom of World Cosmos, dem vereinigten Königreich der Kosmos-Welt.

Suche nach dem Regenten

Seine Majestät König Marduk selbst residiert im deutschen Tübingen. In seiner königlichen Mitteilung gibt er die Adresse Europaplatz 2 an. Doch in einem Supermarkt im gleichen Haus erntet man auf die Frage, ob hier ein König ein- und ausgehe, nur Schulterzucken. «Es kann aber gut sein, dass am Europaplatz ein paar Verrückte wohnen», sagt ein Angestellter des Ladens, der nicht namentlich genannt werden will. Es könne ja sein, dass er in diplomatischer Mission in seinem Königreich unterwegs ist, fügt er lachend an.

Sollte dies der Fall sein, ist es schwierig, den Regenten aufzuspüren. Denn zum Königreich Marduk gehört viel Land. So gehört ihm unter anderem Neuschwabenland, das frühere Fürstentum Liechtenstein (König Marduk nimmt sich als Regent die Freiheit, ganze Staaten aufzuheben), das Königreich Württemberg, Tübach und die ehemalige britische Seefestung und jetziges Fürstentum Sealand im Ärmelkanal zu seinem Hoheitsgebiet. Ausserdem ist König Marduk Herrscher über ein zweites Königreich, das United Kingdom of World Cosmos, dessen Territorium laut Website Marduks «das ganze Weltall mit all seinen Planeten und Raumstationen» umfasst, demnach also alles andere als überschaubar ist.

Doch glücklicherweise gibt der König an, dass sein Reich von den Vereinten Nationen anerkannt ist. Auf Anfrage heisst es dort: Es könne gut sein, dass die Organisation schon von Marduk gehört habe. «Wir bekommen täglich Briefe, E-Mails und Faxe von Menschen, die nicht mehr in der Realität verankert sind», fügt die Pressesprecherin an. Alleine letzte Woche habe sie eine Botschaft für die Bewohner des Sterns Antares erhalten, welche die UNO weiterleiten sollte, sowie ein ziemlich bizarres Rezept für den Frieden.

Keine Invasion erwartet

In der Stadt Tübingen löst sich das Rätsel auf. Ein Anruf bei der Stadtverwaltung bringt die Wahrheit über den neuen Regenten der Seeregion ans Tageslicht. Er handle sich beim Herrscher um einen Verwirrten. «Der Mann hält sich nicht nur für einen König, sondern auch für einen Bischof», sagt der zuständige Beamte. Mehr dürfe man aus Datenschutzgründen nicht bekanntgeben. Es gehe von dem Herrn aber keinerlei Gefahr aus. Eine Invasion stehe der Seeregion also nicht bevor. Was mit ihm aber nicht stimme, weiss der Mitarbeiter der Verwaltung nicht: «Ich bin Beamter, kein Psychiater», sagt er bestimmt.

Auf den Gemeindeverwaltungen der Seeregion ist King Marduk bekannt. Der Erwähnung seines Namens folgt oft die selbe Reaktion: ein Seufzen, dann der Satz «Der schon wieder», oder eine Variante dessen. Denn die neueste Mitteilung Marduks wird nicht die letzte sein, denn das Königreich Marduk wird wohl weitere Landstriche okkupieren.

Dominik Bärlocher