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KOBELWALD: Ein religiöses Kulturgut wird 90

Seit 1927 stehen die Bildstöckli des Stationenwegs nach Freienbach schon. Am kommenden Karfreitag wird man dem Initianten, Pfarrer Beda Schläpfer, besonders gedenken.
Ruedi Loher
Die zehnte Station: «Entkleidung». Ein überraschend gut erhaltenes, 90-jähriges Reliefbild aus der Wiler Kunstwerkstätte Marmon & Blank. Anlässlich der letzten Restaurierung vor gut zwanzig Jahren erhielt jedes Bildstöckli einen blechernen Wetterschutz. (Bild: Ruedi Loher)

Die zehnte Station: «Entkleidung». Ein überraschend gut erhaltenes, 90-jähriges Reliefbild aus der Wiler Kunstwerkstätte Marmon & Blank. Anlässlich der letzten Restaurierung vor gut zwanzig Jahren erhielt jedes Bildstöckli einen blechernen Wetterschutz. (Bild: Ruedi Loher)

Ruedi Loher

Statt wie meistenorts in der Dorfkirche einen Trauergottesdienst zu feiern, ist es in der Pfarrei Kobelwald seit geraumer Zeit Brauch, sich am Nachmittag des Karfreitags zum Kreuzweg nach Freienbach hinauf aufzumachen.Es ist dies ein frommer Fussmarsch, zuweilen eher ein Spaziergang, den vierzehn Stationen entlang. Der Holzrhoder Stationenweg ist denn auch nicht zuletzt wegen seiner Länge von Bedeutung: Mit annähernd zwei Kilometern mag er einer der längsten im Bistum sein.

Dieses Jahr gibt es besonderen Grund, ihn zu begehen. Die Bildstöckli stehen nämlich seit 90 Jahren. Als Zeitzeugen, mit wohl berechtigten Altersspuren behaftet, gehören sie seit Jahrzehnten zur örtlichen Sakrallandschaft. Genauso geschützt und erhaltenswert sind sie als Kulturgut aufgelistet im Inventar der Politischen Gemeinde Oberriet.

Ein Herzenswunsch des Dorfgeistlichen

Verständlich daher, dass die Pfarrei das Gedenkjahr nicht im Stillen vorübergehen lässt. Willkommen ist ihr die Gelegenheit, hierzu den diesjährigen Karfreitag zu benützen, an dem man sich mit Gebeten und Besinnung an Christi Tod erinnert. Gleichzeitig wird man dieses Jahr aber auch die Erinnerung an den damaligen Pfarrer Beda Schläpfer ins Gedächtnis rufen, der Initiant, Schöpfer, Spendensammler und Mitfinanzierer des Stationenweges war. Mutig hat er seine Errichtung in die Wege geleitet. Die sich daraus ergebende Aufwertung der Freienbacher Wallfahrt – deren Höhepunkt war bereits zu jener Zeit längst überschritten – war wohl sein Herzenswunsch. Pfarrer Schläpfer war damit nichts weniger als die Seele des Stationenweges von Kobelwald nach Freienbach.

Die Bewilligung empfand man fast als Wunder

Sicher war es wie ein Wunder an jenem Tag, als für die kleine Kirchgemeinde und Pfarrer Schläpfer die Baubewilligung für den Stationenweg vom Amt eintraf. Den Auftrag zur Realisierung erhielt die in st.-gallisch Wil niedergelassene Kirchenausstattungs- und Steinmetzfirma Marmon & Blank. Bereits im Vorherbst des Jahres 1927 standen die vierzehn Postamente (Sockel) am Wegrand; Vorbild war der Weg nach Golgatha. Heute noch überrascht jedes Sandsteinrelief in aller Frische. Leider ist der Name des zur Firma gehörenden Reliefkünstlers unbekannt. Die Einweihung fand am 6. November statt.

Leiden und Sterben Christi wie in der Via Dolorosa

Stationen-Beten und Stationen-Andachten in Gotteshäusern oder in freier Natur hat die katholische Kirche den Franziskanern zu verdanken. Als Erinnerung an die Via Dolorosa in Jerusalem haben sie den Brauch im 15. Jahrhundert nach Europa, über die Alpen auch in unsere Region gebracht. Leiden und Sterben Christi wurden seither in unzähligen Formen dargestellt: mehr oder weniger dramatisch früher, heute bis zum Kopfschütteln modern. Es liegt nicht allzu weit zurück – vielleicht bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts – als sich in unseren Kirchen mehr schwarzgekleidete Frauen als Männer von einem Stationenbild zum anderen bewegten, um die Bilder zu betrachten und um zu beten. So haben sie «d’ Schtazione gmacht» und die Kreuzwegandacht verrichtet. Solche Kirchgänge in der Karwoche waren sogar mit einem Ablass verbunden.

Mit grosser Freude lädt die Pfarrei Kobelwald nun zum «Stationen-Geburtstag» ein. Wie üblich mit Besammlung und Abmarsch um 15 Uhr ab dem Kirchplatz und mit Halt und Gebet und Betrachtung bei jedem Bildstöckli. Abschliessend findet in der Freienbacher Kapelle eine Kurzandacht statt. Die Rückkehr bleibt einem dann individuell überlassen. Wer von auswärts den Stationenweg mitgehen möchte, dem sei die Anreise mit dem Bus ab den Bahnhöfen Altstätten und Oberriet nach Kobelwald empfohlen.

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