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Klima lässt mehr Trauben reifen

In Medien wird berichtet, die Reife einiger Traubensorten deute auf den Klimawandel hin. Heute gebe es in der Region Weine von Rebsorten, deren Beeren früher hier nicht gereift wären.
Kurt Latzer
Die Erntemenge und Öchslegrade sind dieses Jahr rekordverdächtig. Auch bei Exoten, die sonst hier nicht reifen. (Bild: Archiv/Kurt Latzer)

Die Erntemenge und Öchslegrade sind dieses Jahr rekordverdächtig. Auch bei Exoten, die sonst hier nicht reifen. (Bild: Archiv/Kurt Latzer)

Das Klima im St. Galler Rheintal war heuer ein besonderes. Dies beweist unter anderem der Zuckergehalt der Weintrauben. «Beim Blauburgunder haben wir dieses Jahr teils über 100 Öchsle gemessen», sagt Markus Hardegger, Rebbaukommissär des Kantons St. Gallen.

Potenzial zeigte sich erstmals 2003

Die Zusammenfassung, wie gut die Ernte ausgefallen ist und wie viel Öchslegrad bei den einzelnen Sorten gemessen wurde, will Hardegger nächste Woche veröffentlichen. Ein Vergleich der Blauburgundertrauben zeigt aber: In den 1960er- und 1970er-Jahren haben die Winzer zwischen 76 und 79 Öchsle gemessen, in den 1980er- bis Anfang 90er-Jahre durchschnittlich zwischen 83 und 85 Grad.

In Berichten war zu lesen, Trauben wie Merlot und Cabernet Sauvignon wären früher in unseren Breitengraden nicht gereift. «Bis 1992 hat ein Korsett die Vielfalt verhindert», sagt Markus Hardegger. Den Kantonen seien die Hände gebunden gewesen, «das Korsett mit ein paar wenigen Sorten ist sehr eng», sagt der Rebbaukommissär. Ausnahmebewilligungen habe man nur für Versuchszwecke erteilt.

Hat die heutige Vielfalt der Weine mit dem Klimawandel also nichts zu tun? «Merlot, Cabernet Sauvignon oder Chardonnay hat es damals schon ein wenig gegeben. Nur in Ausnahmefällen ist beispielsweise ein Merlot reif geworden», sagt Hardegger. Erst im Rekordsommer 2003 habe man erstmals gesehen, welches Potenzial in Merlot, Cabernet Sauvignon und anderen Sorten steckt. Heuer habe sich gezeigt: «Wenn man hier Merlot ernten kann mit 100 Grad Öchsle, so sind das Verhältnisse, wie man sie im Tessin oder in der Toskana antrifft», sagt der Weinbauexperte, «das habe ich noch nie erlebt, seit ich hier arbeite.» Im Rebsortengarten in Frümsen, in dem man über 400 Rebsorten ziehe, seien erstmals 98 Prozent aller Trauben reif geworden, darunter spätreife aus dem Tessin oder Wallis.

«An der Olma haben wir Rosenkranztrauben präsentiert, die wir seit 20 Jahren ziehen. Sie sind dieses Jahr erstmals reif geworden», sagt Markus Hardegger. Diese Traube habe man früher im Tessin angepflanzt, sie habe aber über Jahrzehnte als verschollen gegolten. Die Rosenkranztraube gehörte zu den alten Schweizer Rebsorten. Auch Spezialitäten wie Walliser Muscadet seien heuer gereift, was in «normalen» Jahren nicht der Fall sei. «Wegen eines oder zweier besonders warmer Jahre kann man nicht von einer Klimaerwärmung reden. Die Tendenz aber ist schon so, dass die Vegetationsdauer länger wird», sagt der St. Galler Rebbaukommissär. Er sieht darin Chancen, aber auch Gefahren, wie sich mit dem späten Frosteinbruch im vergangenen Jahr gezeigt habe.

25000 Kilogramm Merlot geerntet

Die zweithäufigste Rotweinspezialität im Kanton St. Gallen sei heute Merlot, der auf einer Fläche von 4,2 Hektaren angebaut werde. «Dieses Jahr hatte der Merlot 99,2 Öchslegrad. Wir haben im Kanton 25000 Kilogramm Merlot-Trauben geerntet», sagt Markus Hardegger. Allerdings handle es sich dabei erst um provisorische Zahlen.

Syrah und Malbec seien dieses Jahr sogar in Wienacht-Tobel gereift. Deshalb sei es schwierig zu sagen, welche Sorten in der Region keine Chance hätten. Auch Nebiolo, eine Sorte aus dem Piemont, sei bereits im Rheintal erfolgreich geerntet worden.

«In Zukunft wird hier vielleicht sogar jemand Tempranillo oder Nero Agramo aus Sizilien anbauen. Das sind Traubensorten, die heute bei uns nicht reif würden», sagt Markus Hardegger. Dass sie eines Tages auch in unserer Region reifen, möchte der Rebbaufachmann allerdings nicht ausschliessen. Im Kanton St. Gallen wachsen etwa 40 Rebsorten, von rund 30 Sorten entsteht ein Wein.

«Darunter sind aber Sorten, von denen 1000 Quadratmeter angebaut werden, aus denen etwas Wein produziert wird», sagt Markus Hardegger.

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