KLEINWASSER-KRAFTWERKE HABEN POTENZIALKLEINWASSER-KRAFTWERKE HABEN POTENZIAL: Ulrika und Benjamin liefern Strom

Zurzeit liegt das Gesuch «Wasserrechtskonzession Lochquelle» auf. Diese Bewilligung braucht die Politische Gemeinde für die Stromgewinnung bei der Lochquelle. Andere Quellen liefern seit 2010 Strom.

Kurt Latzer
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Der Generator, der mit der Turbine im Sammelschacht der Loch-Quelle in Freienbach betrieben wird, produziert seit Herbst 2015 Strom. (Bild: pd)

Der Generator, der mit der Turbine im Sammelschacht der Loch-Quelle in Freienbach betrieben wird, produziert seit Herbst 2015 Strom. (Bild: pd)

Kurt Latzer

Ulrika, Karola, Benjamin und Loch heissen die Quellen, deren Wasser seit 2010 in der Zentrale Stieg eine Turbine und einen Generator antreibt. 2016 wurden dort über 17000 Kilowattstunden (kWh) Strom produziert, was dem Verbrauch von etwa vier Haushalten entspricht. Mit der Erneuerung der Quellschächte in Freienbach hat die Politische Gemeinde Oberriet auch die energetische Zwischennutzung der Lochquelle projektiert. Die Bürgerschaft hat der weiteren Nutzung der Quelle Loch für die Stromgewinnung im März 2015 zugestimmt. Weil die Lochquelle durchschnittlich etwa 700 Liter Wasser pro Minute liefert, ist sie öffentliches Gewässer. So will es das Gewässernutzungsgesetz des Kantons St. Gallen. Das entsprechende Gesuch liegt noch bis am 2. März öffentlich auf.

Aufwand für Trinkwasser-Strom war zu gross

Seit dem Herbst 2015 wird in einem Sammelschacht eine Pelton-Turbine mit einer Bruttoleistung von 14,2 Kilowattstunden betrieben. Die jährliche Produktion von etwa 80000 kWh entspricht dem Stromverbrauch von 14 Einfamilienhäusern (Zwei-Personen-Haushalt ohne Elek­troboiler). Wie in anderen Rheintaler Gemeinden wurde auch in Rebstein der Einsatz einer Turbine im Trinkwassernetz geprüft.

«Das Projekt haben wir fallen gelassen, weil die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht stimmte», sagt der Rebsteiner Gemeindepräsident Andreas Eggenberger. Josef Wyss, technischer Betriebsleiter der Elektra Rebstein-Marbach, kennt die Details. «Um eine Turbine einbauen zu können, hätten wir durch teils felsiges Gelände eine neue Wasserleitung bauen müssen», sagt Wyss, «und das hätte sich, gemessen an der zu erwartenden Leistung von zwei bis drei Kilowattstunden, nie gerechnet.» Sollte die heutige Leitung dereinst komplett ersetzt werden müssen, könnte es sich lohnen, in Sachen Stromproduktion nochmals über die Bücher zu gegen.

Zwei Turbinen in Altstätten in Betrieb

Bald 30 Jahre lange Erfahrung mit Trinkwasser-Strom hat man in der Stadt Altstätten. 1990 wurden im Zusammenhang mit dem Neubau des Reservoirs Obermühle zwei Turbinen in Betrieb genommen.

Damit wurde die potenzielle Energie aus dem einspeisenden, höher gelegenen Reservoir Ebenacker genutzt. Mit einbezogen hat man den tiefer gelegenen Speicher Biser. Die mit den zwei Turbinen angetriebenen Generatoren lieferten 2011 rund 131000 Kilowattstunden Strom. Dies entspricht dem Verbrauch von etwa 28 Zwei-Personen-Haushalten.

Nach 1990 wurden schweizweit gegen 100 neue Trinkwasser-Kraftwerke in Betrieb genommen. Mit dem dort gewonnenen Strom – etwa 60 Millionen kWh – lassen sich 12000 Haushalte versorgen.Beim Bundesamt für Energie schätzt man das Ausbaupotenzial bei Kleinwasser-Kraftwerken bis 1000 kWh auf rund 200 Millionen kWh pro Jahr. Darin enthalten sind neben anderen auch Trink- und Abwasser-Kraftwerke. (kla)

Hinweis

In der Broschüre «Im Trinkwasser schlummert Ökostrom» ist mehr zum Thema zu finden.

www.energieschweiz.ch