Kleiner Gladiator vor EM-Début

RINGEN. Der 15-jährige Widnauer Dominik Laritz vom RC Oberriet-Grabs tritt nächste Woche an der Kadetten-EM in Serbien an. Der Kampfsport ist ihm in die Wiege gelegt worden: Seine Eltern betreiben zwei Kampfsportschulen in Vorarlberg.

Yves Solenthaler
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Am nächsten Dienstag kämpft Dominik Laritz an der Kadetten-Europameisterschaft in Serbien. Sein Vater Roland Laritz, selbst ein begeisterter Kampfsportler, wird ihn begleiten. (Bild: Yves Solenthaler)

Am nächsten Dienstag kämpft Dominik Laritz an der Kadetten-Europameisterschaft in Serbien. Sein Vater Roland Laritz, selbst ein begeisterter Kampfsportler, wird ihn begleiten. (Bild: Yves Solenthaler)

Letzte Woche war Dominik Laritz mit dem Nationalteam in Ungarn im Trainingslager. Als «Souvenir» hat er eine Wunde am rechten Auge heimgebracht. «Eine Kleinigkeit», sagt er, «nicht zum ersten Mal.»

Und wohl auch nicht zum letzten Mal.

Podestplätze an Quali-Turnieren

Denn die Kampfsport-Karriere von Dominik Laritz kommt gerade richtig in Schwung. In seinem ersten Jahr bei den Kadetten hat sich der Widnauer bereits für die Europameisterschaft qualifiziert – und zwar nicht knapp, sondern dank aufsehenerregenden Resultaten an internationalen Turnieren im Frühjahr: Erster in Tschechien, Zweiter in Dänemark, Dritter in Rumänien und Fünfter in Deutschland.

Die Konkurrenz an der EM ist mit der an diesen internationalen Turnieren zu vergleichen. Die Quali-Resultate lassen bereits für die kommende EM in Serbien einiges erhoffen. Doch an seinen ersten internationalen Titelkämpfen lässt sich der Youngster nicht unter Druck setzen, sein Vater Roland Laritz sagt: «Dominik soll die EM geniessen – das Wichtigste ist, dass er mit viel Spass kämpft. Und dabei wird er Erfahrungen sammeln, von denen er später profitiert.»

Das Beste an der Europameisterschaft sei, dass er nach seinem Einsatz am Dienstag zwei Tage frei hat, sagt Dominik Laritz. Nicht nur, weil er dann die Kämpfe seiner Nationalteamkollegen schauen kann, vor allem «weil ich nach meinen Kämpfen endlich wieder richtig essen kann». Laritz' Normalgewicht beträgt 55 Kilo, an der EM ist er aber im Freistil bis 50 kg im Einsatz, deshalb muss er vor der EM Diät halten.

Mehrfacher CH-Meister

Mit dem Ringen angefangen, hat Dominik als Fünfjähriger. «Ich habe ihn zum Kinderringen gebracht, weil das für Kinder ein geeigneter Kampfsport ist», sagt der Vater: «Es wird nicht geschlagen, und der Sport ist sehr vielseitig.» Akrobatik, Kraft, Ausdauer – alles sei wichtig: «Und die Kämpfer lernen früh, mit Niederlagen umzugehen.»

Inzwischen ist Dominik Laritz achtfacher Schweizer Meister, zwei Titel (Greco und Freistil) kamen in diesem Frühling dazu. Dabei betrachtet sich der Widnauer als reiner Freistil-Ringer: «Man hat viel mehr Möglichkeiten als beim Greco-Ringen, und ist auch weniger vom Ermessen des Schiedsrichters abhängig.»

Sein Mentor beim RC Oberriet-Grabs wurde der Ukrainer Andrej Vishar: «Er ist mein Trainer – und auch ein Freund.» Vishar ist ein Vertreter der bei vielen Westeuropäern verpönten «russischen Trainingslehre». Dominik Laritz hingegen hat mit der Härte kein Problem: «Klar, Andrej puscht mich im Training. Daneben unternimmt er aber auch mal in der Freizeit etwas mit mir.» Dominiks Vater sagt: «Das Training ist streng, aber dies ist der einzige Weg, um an die Spitze zu kommen.»

An fachlicher Betreuung mangelt es Dominik Laritz bestimmt nicht, führen seine Eltern Gabriele und Roland Laritz doch seit über 20 Jahren eine Kampfsportschule: 1994 haben sie das Tao Kung Fu (in Dornbirn und Feldkirch) aufgebaut, inzwischen ist die Grappling Union Dornbirn dazugekommen. Grappling ist ein brasilianischer Kampfsport, berühmt ist die Schule aber vor allem für die Ausbildung in der Kampfsportart Mixed Martial Arts (MMA): «Die Schulen haben wir getrennt, weil MMA und fernöstlicher Kampfsport eine völlig unterschiedliche Klientel ansprechen», sagt Roland Laritz, der fast alle Stilarten repräsentiert. Er war selbst ein erfolgreicher MMA-Kämpfer, hat auch als Ringer einige Meriten gesammelt und war im Kung Fu oder im Jiu Jitsu an der europäischen Spitze.

In jedem Kampfstil zu Hause

«Mixed Martial Arts ist zurzeit die populärste Vollkontakt-Kampfsportart», sagt Roland Laritz. Der Kampfstil bedient sich Techniken anderer Disziplinen, so haben die Kämpfer oft einen unterschiedlichen Hintergrund: «Ein Ringer kämpft im MMA ganz anders als ein Boxer – das ist für die Zuschauer attraktiv.» MMA-Kämpfer müssten alles können, was im Kampfsport wichtig sei: «Sie müssen im Stand und am Boden kämpfen können. Für mich sind die MMA-Kämpfer die heutigen Gladiatoren, weil sie so vielfältig sind», sagt Roland Laritz. Gladiatoren waren Berufskämpfer im Römischen Reich.

Auch mit seinem Sohn trainiert Roland Laritz mehrere Kampfstile. Dominiks Talent unterstreicht die Tatsache, dass er im Frühling Schweizer Nachwuchsmeister im Boxen geworden ist.

Ist Dominik Laritz also auf dem Weg, selbst ein Gladiator zu werden?

«Er ist schon ein kleiner Gladiator», sagt der Vater.